Aktuelles

„I had a dream“ – ich hatte einen Traum

… vom Paradies für Pferde. Jetzt wird er wahr …

8. August 2017

Nachdem unser Herdenchef Anton ausgezogen ist, stellt sich natürlich die spannende Frage: Wer tritt an seine Stelle? Wer wird Chef? In die engere Wahl kommen nach Meinung der Einsteller zwei Pferde: Whitemoon, unser großer Grauer und Fingall, der Vize-Chef.

Also, ich brauche da nicht lange zu überlegen und gebe mein 100 Prozent-Votum für Fingall ab. Eine Studie, die ich vor einiger Zeit im Internet fand, belegt meine Theorie. Die Studie besagt: je dicker die Pferde, desto höher sind sie in der Rangordnung … zumindest beim Futter. Dabei spielt die Körpergröße eine eher untergeordnete Rolle. Was die Studie auch noch herausgefunden hat und ich bei uns auf dem Trail bestätigt sehe ist, dass Herden mit Pferden unterschiedlicher Größe, Rasse, Alter harmonischer zusammen leben als Gruppen gleichartiger Pferde. Die Vielfalt wirkt ausgleichend.

Peilt den Chefsessel an: Fingall.

Und hier ist die Infos zur Studie:

Nach Ansicht eines Teams von britischen Wissenschaftlern korreliert die Dominanz eines Pferdes innerhalb der Herde mit seinem Gewicht: Je höher die Position eines Tieres in der Rangordnung, desto dicker war es in der Mehrzahl der erhobenen Fälle.

Die Wissenschaftler der Universität in Bristol beobachteten und analysierten mit Hilfe von Videoaufzeichnungen im Rahmen eines Fütterungsversuchs 203 domestizierte Pferde in Freilandhaltung. Für diese Untersuchung wurden allen Pferden einer Herde individuelle Futterportionen zeitgleich zur Verfügung gestellt.

Untersucht wurden in dieser Studie die Anzahl an „Verschiebungen“, die sich in der Folge zwischen den einzelnen Herdenmitgliedern aufgrund des Futterangebots ergaben: Die Stärke der Dominanz bzw. der hierarchische Rang wurden anhand der Entfernungen zwischen den Tieren und dem Futter gemessen – also beispielsweise die Häufigkeit, mit der ein Tier ein anderes von der Futterstation vertrieben hat, bzw. selbst vertrieben wurde.

Der Ernährungszustand der Pferde wurde mit Hilfe des Body Condition Scores (BCS) anhand einer Neun-Punkte-Skala ermittelt. Gleichzeitig wurden von jedem Versuchspferd Daten über sein Alter und seine Größe erhoben.

Die Ergebnisse dieser Studie sind nicht nur einmalig, sondern durchaus auch verblüffend: Es wurde eine starke Beziehung zwischen der Dominanz und dem BCS identifiziert. Der Dominanz-Grad war bei übergewichtigen Pferden bis zu elfmal höher im Vergleich zu ihren schlanken Artgenossen. Aber auch das Alter der Tiere hat Einfluss auf das Verhalten gegenüber Herdenmitgliedern: Pferde mittleren Alters waren eher dominant als jüngere und ältere Tiere, während die Größe keinen Einfluss auf die Vorherrschaft hatte.

Die Autoren dieser Studie weisen jedoch darauf hin, dass Dominanz bei Pferden sehr kontextspezifisch ist: Ein in Bezug auf Futter sehr dominantes Tier muss nicht zwingend in allen Lebensbereichen ein vergleichbares Verhalten zeigen. Möglicherweise ist es in einem anderen Kontext, beispielsweise bei der Nutzung des Unterstands, weniger dominant.

Im Rahmen dieser Studie stellten die Wissenschaftler weiterhin fest, dass Herden mit geringer Variation in Bezug auf das Alter und auf die Größe der Tiere mehr Interaktionen untereinander zeigten als Herdenzusammensetzungen mit deutlichen Unterschieden in diesen Kennzahlen. Dieser Befund legt nahe, dass in Gruppen gehaltene Pferde unterschiedlichen Alters und Rassezugehörigkeit in einer vermutlich deutlich friedlicheren Koexistenz leben.

(Quelle: Wittelsbürger.de)

Nicht groß, aber rund und selbstbewusst seinen Platz neben den Großen einnehmend: unser Kleinster, Mini-Shetty-Wallach Paddy.

6. August 2017

Kutschfahr-Schnuppertag und drei Vierbeiner vom Paddocktrail sind dabei. Der Tag beginnt für mich um 5.15 Uhr in der Früh mit der üblichen Versorgungs- und Saubermach-Runde. Danach packe ich gefühlt alle meine Geschirre und Gebisse ein zu Demonstrationszwecken. Unser Vereinsvorsitzender Carsten Ringe verlädt meine rosa Fahrschul-Kutsche sowie Paddy und Sanso, den Pony-Zweispänner. Ich fahre mit Fin, meinem Tinker-Wallach hinterher.

Theorie und Üben der Griffe am Fahrlehrgerät.

Zehn Teilnehmer kamen aus ganz unterschiedlichen Gründen zu uns: sie sind Beifahrer und möchten gern selbst fahren, das Familienpony ist zu klein geworden zum Reiten, unser Fahrturnier im Juli war so mitreißend und begeisternd und eine Dame – das hat mich besonders berührt – hatte super-schlechte Erfahrungen mit einem mehrfach durchgegangenen Gespann in einem Fahrkurs gemacht. Es kostete sie sichtlich Überwindung nochmals auf die Kutsche zu steigen. Hier kommt das ins Spiel, was ich immer beobachte: kleine Pferde helfen gegen große Angst.

Auch das richtige Aufschirren will gelernt sein: Sanso (vorn) und Paddy werden zum Fahren „angezogen“.

Nach einer theoretischen Einführung hatten alle Teilnehmer die Möglichkeit beide Gespanne auszuprobieren. Die Dame mit der Angstproblematik entschied sich für den Pony-Zweispänner und war im Anschluss sehr stolz auf und zufrieden mit sich. Ihr Lebensgefährte fuhr meinen Fin im Einspänner. Am Ende des Tages waren die Teilnehmer glücklich und Ponys samt Personal geschafft. Schön war’s! 21 Uhr war für mich Feierabend.

Paddy und mein Senior Sanso (Ü 30) mit Johanna an den Leinen und unserem Vereinsvorsitzenden Carsten Ringe.

5. August 2017

Heute ist unser Herdenchef Anton ausgezogen. Er hat mit seinen gut 20 Jahren Probleme mit dem Heu kauen – dem Haupt-Grundfutter hier auf dem Trail. Anton zieht in einen Offenstall, wo er 24 Stunden Weide und zwei Mal täglich eingeweichte Heucobs erhält.

Letzter Tag im Paddocktrail für Anton.

Leb wohl großes, weisses, weises Pferd. Du warst etwas ganz Besonderes und ein Gewinn für die Herde.

3. August 2017

Heute war Trainerfortbildung in Münster und ich war mal wieder hier …

Das Thema war: „Arbeit mit der Doppellonge“. Als Referent war kein Geringerer geladen als DER Doppellongen-„Guru“ Wilfried Gehrmann.

Zwiegespräch: Wilfried Gehrmann und der 14jährige Westfale Alf.

Gehrmann hat ein Buch über das Thema „Doppellonge“ geschrieben. Er trainiert – und daraus machte er während des Kurses auch keinen Hehl – die Pferde von Balkenhol, Klimke und anderen Größen. Ich wollte diesen Mann und seine Arbeit unbedingt einmal sehen und mit mir zusammen rund 30 weitere Teilnehmer.

Nach einem theoretischen Teil ging es in die Reithalle, wo wir zunächst einen Blick auf das von ihm verwendete Equipment warfen: die Longe – übrigens hinten geschlossen in einem Stück, den Longiergurt, den er der besseren Lage wegen gern über einen Sattel legt und daher den Bauchgurt entsprechend verlängern ließ sowie die Longierpeitsche, eine normale Angelrute mit einer 3 Meter langen Kunststoff-Wäscheleine als Schlag. „Lang genug, um das Pferd zu erreichen und wenn die einmal in den nassen Sand fällt, saugt sie sich nicht gleich voll“, so Gehrmann.

Longiergurt Gehrmann-Spezial mit abgeflachten Polstern und einem elastischen Bügel.

Als erstes wurde ein Pferd der Westfälischen Reit- und Fahrschule gearbeitet: Alf, 14 Jahre alt. Alf war sehr freundlich und bemüht.

Longenführung einhändig und vorbildlich: gleichmäßige Schlaufen, die Innenleine oben liegend, das Longenende über den kleinen Finger gehängt.

Nach Alf kam Käthe, ein echter „Crack“. Die Stute geht in hohen Dressurprüfungen und Gehrmann trainiert sie normalerweise im Stall der Besitzerin. Käthe war eine typische „Super-Sportlerin“: total aufmerksam und leicht nervös.

Wacher Blick, Reaktion auf jeden Reiz von außen: Käthe, ein Dressur-Ausnahmetalent.

Mit Käthe zeigte Wilfried Gehrmann die Hohe Schule an der Doppellonge – sowohl was das Pferd als auch was den Longenführer betrifft. Von der Hand zum Trensenring zum unteren Ring am Longiergurt und danach die gesamte Palette der unterschiedlichen Verschnallungen vor und zurück. Der Mann kann es.

Piaffe und Passage an der Doppellonge. Wilfried Gehrmann mit Grand Prix-Dressurpferd Käthe.

Drei Stunden später. Wir haben alle gestaunt. Ich habe als einzige zwei Fragen gestellt. Was nehme ich mit? Zum einen: Umlenkrollen sind empfehlenswert für die feine Arbeit. Zum weiteren: Die Doppellonge als Lauffer-Zügel verschnallt, erlaubt verschieden hohe Einstellungen des Pferdekopfes. Als Drittes: Gehrmann darf beim Handwechsel die Peitsche über dem Kopf wechseln. Uns hätten sie beim Trainerkurs erschlagen. Und als Fazit über allem: Wilfried Gehrmann arbeitet intuitiv und das bedeutete für mich für diesen Kurs: ich bin nicht viel schlauer als vorher aber habe mir diese Anregung ganz gewiss gemerkt: „Sie müssen ihre Ausrüstung gut handhaben können und ein Gefühl für das Pferd haben“. Das ist das Wichtigste. Also vergiss die Regeln über starre Peitschenwechsel-Rituale und arbeite nach Gefühl. Leider fehlte an diesem Abend die Gelegenheit zur Praxis unter den Augen des Meisters. Diese gibt es auch leider nicht mehr, denn Wilfried Gehrmann gibt keine Kurse mehr. O-Ton: „Ich bin jetzt über 70 und es gibt ein Leben vor dem Tod“. Dieses Leben sei ihm gegönnt.

Nach erfolgreicher Arbeit: ein Leckerli als Dankeschön für Käthe.

2. August 2017

Nach einem Schreibtisch-Intensiv-Wochenende habe ich mir die beiden Tage gestern und vorgestern frei genommen und bin endlich mal wieder mit Käpt’n und Sulky im Wald gewesen. Es war herrlich … aber ich habe den Fotoapparat vergessen.

Neben dem Kutsche-fahren habe ich mich meiner zweit-liebsten Beschäftigung hingegeben: dem Lesen.

Von diesem Buch konnte ich mich schon Tage lang nicht losreißen. Es hat mich total fasziniert. Es geht um die „Erziehung“ des Pferdes im weitesten Sinne oder besser ausgedrückt um die Wechselwirkung von Pferd und Mensch. Die Autorin hat sich in ihrem Leben genau dieselben Fragen gestellt wie ich. Sie hat Techniken gelernt, sich von Trainern ausbilden lassen und immer schon geahnt: der Schlüssel zu wahrem Horsemanship ist Selbst-bewusst-sein, nicht in Form von Dominanz, sondern genau so wie das Wort zu lesen und zu verstehen ist: sich seiner Selbst bewusst sein.

Pferde benötigen Klarheit! Die Voraussetzung für wirkliche Klarheit ist jedoch ein tiefgreifendes Bewusstsein – und nicht Härte.“ (Zitat aus dem Buch)

Interessant auch die Selbstkritik zu unserem menschlichen Welt- und Selbstbild: „Erfolg zu haben scheint von der Pflicht, den eigenen Charakter auszubilden, zu befreien. Wir ordnen dabei die Pferde unserem Erfolgsstreben und unserem Anspruch an uns selbst unter und übersehen dabei, dass dieses Ansinnen ihrer Natur zuwiderläuft. … Wir übertragen unser Weltbild und unser hierarchisch strukturiertes Denken auf Pferde und meinen zu führen, wenn wir in der Lage sind, zu dominieren und zu reiten, wenn wir in der Lage sind, sie in eine Form zu zwingen“.

Sie schreibt über das Training ihrer Stute Daria: „Ich war daher der Meinung, ich befinde mich in einem Dialog mit ihr, spreche ihre Sprache und erkläre ihr nachvollziehbar, was ich von ihr möchte. … Allerdings übersah ich dabei, dass wir ein ausgesprochen einseitiges Gespräch führten. Es reduzierte sich darauf, dass ich sagte, was zu tun ist, und Darias Antwort bereits vorgegeben war. Ich redete demzufolge so lange auf sie ein, bis ich die Antwort bekam, die ich hören wollte“.

Starker Tobback! Zum Schluss wird die Autorin mit Abstechern in die Quanten-Physik sehr philosophisch. Dennoch ist das Buch ein Denkanstoß für alle, die mit Pferden umgehen.

28. Juli 2017

Foto-Shooting auf dem Paddocktrail. Heute war der Alverdisser Haus- und Hof-Fotograf Klaus Düwel bei mir. Der Ex-Schützenkönig, Ex-Karnevalsprinz, Erfinder des Musik-Benefiz-Events „Lippe meets Scotland“ und im Ortsgeschehen stets aktive mitwirkende Düwel-Spross – in Alverdissen gibt es ein Nest mit Düwels – kam mit der roten „Knutschkugel“ seiner Frau vorgefahren.

Fiat 500 mit Holz-Gepäckträger am Heck und Lederriemen – total süß! (Foto: Klaus Düwel)

Dieser kleine rote Flitzer kam damals mit nur 16 bis 18 PS aus – in der heutigen SUV-Kultur einfach unvorstellbar.

Klaus war gekommen, um meine 1PS-Hafermotoren zu fotografieren. Normalerweise macht er traumhafte Hochzeitsfotos und Landschaftsaufnahmen und Portraits. Heute waren meine Hottels dran und es sind solch schöne Aufnahmen dabei heraus gekommen …

Landstraßen-Romantik pur: Fin und ich on the road to Alverdissen. (Foto: Klaus Düwel)

Diese und all die anderen Aufnahmen werden demnächst auf einer Internetseite zu meinen Fahrkursen zu sehen sein.

 

12. Juli 2017

Whitemoon beim Abendbrot.

Kraftfuttergabe in einer Herdenhaltung – das muss durchdacht sein. Eine gute Lösung hat Burkhard für Whitemoon gefunden:
den Futtereimer zum Umhängen.

1. Juli 2017

Und auch hier war der Paddocktrail vertreten: Gelassenheitstraining des Lippisch-Westfälischen Fahr- und Kutschenvereins mit Trainerin Kathi Engstfeld aus Detmold-Heidenoldendorf. Nollaig, mein Youngster, hat erstmals sein Domizil auf dem Trail verlassen und ein Stückchen der großen weiten Welt – in diesem Fall die Reithalle vom Westernreitzentrum Lippe –  kennengelernt.

22. – 27. Juni 2017

Endlich Urlaub! Den habe ich mir wirklich verdient. Drei Zahnarzttermine, Auto und Hänger zum TÜV, viel Arbeit am Schreibtisch plus Bauarbeiten auf dem Trail – die letzte Zeit war stressig. Aber nun freue ich mich auf ein paar schöne Tage mit meinem Pony Käpt’n und meinem Hund Wonne. Natürlich zieht es mich wieder in den Osten Deutschlands – dieses Mal ins Havelland/Brandenburg.

Angekommen: Käpt’n bei unserer Ausfahrt entlang der Havel.

Dank eines wieder einmal sehr günstigen Ebay-Schnäppchens verbrachte ich die ersten zwei Tage in einem Hotel direkt am Beetzsee. Danach bin ich auf den Reiterhof „Zum Faulen Hund“ im Fischerörtchen Plaue gezogen, wo Käpt’n den ganzen Urlaub über untergebracht war.

Ohne Helfer zur Ausfahrt anspannen: so klappt’s. Wonne wartet schon.

Wir Lipper sagen ja immer unser Auto-Kennzeichen LIP würde „Leben im Paradies“ bedeuten. Ich dagegen habe mein Paradies hier in Brandenburg gefunden. Für Reiter und Fahrer ist diese Gegend einfach herrlich: endlose Sandwege durch riesige Wälder, Wasser, weit und breit kein Mensch, kein Verkehr, dafür immer diese Entscheidungen …

3,5 Kilometer nach links Richtung Charlottenhof oder doch lieber 1,3 Kilometer nach rechts nach Neu Plaue, einem idyllischen Sackgassen-Ort mit fünf Häusern?

Ich habe in Brandenburg mein Fahrer-Paradies gefunden. Ja, in der Heide ist es schön. Ja, ein Wattritt in Cuxhaven ist auch schön. Aber Brandenburg verbindet Wasser und Wege, Fahren und Baden. Ich habe mich wohl gefühlt und so richtig einmal „Fauler Hund“ im Reiterhof „Zum Faulen Hund“ gemacht. Eigentlich wollte ich ja schon am Montag zurück fahren. Aber ich habe einen Tag Verlängerung erbeten. Ich konnte mich nicht trennen und komme auf jeden Fall wieder.

Tschüss, sagt der Käpt’n und sage auch ich. Aber wir kommen wieder!

16. Juni 2017

An diesem Tag habe ich geschwitzt und gezittert. Meine Anerkennung als VFD-Übungsleiterin Fahren stand an. Ich bin schon lange Mitglieder der VFD – Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland e.V. Aus mehreren Gründen habe ich mich seinerzeit gegen eine Ausbildung zur VFD-Trainerin und für einen Trainerlehrgang bei der FN – Deutsche Reiterlichen Vereinigung entschieden: die FN ist größer, der Ausbildungsort lag näher und der Termin für den FN-Trainerkurs stand bereits fest. Dennoch schlägt mein Herz für das Freizeitfahren und daher habe ich mich entschlossen, mich als VFD-Übungsleiterin anerkennen zu lassen. Nachdem meine Qualifikationen samt fahrerischem Werdegang gesichtet waren, steht also nun heute die Anerkennung an.

Meine Prüfer von der VFD: Jutta Steenmann (links) und Udo Lange.

Jutta Steenmann (Bundes-Sportwartin) und Udo Lange (NRW-Fahrbeauftragter) sind im Anmarsch. Gute drei Stunden Fahrt nehmen die beiden auf sich, um mich kennenzulernen, mein Wissen und meine praktischen Fähigkeiten als Fahrausbildern zu überprüfen und sich auch ein Bild von Pferden, Kutschen und Trainingsmöglichkeiten zu machen. Am Ende des Tages – Juchhu!!!! – bin ich VFD Übungsleiterin Fahren I. Stolz!!!!

14. Juni 2017

Eine neue Tränke wird eingebaut. Damit alle Pferde stressfrei und jederzeit saufen können – auch, wenn bei heißen Tagen die ranghohen Pferde im Stall stehen und zwei der drei dort befindlichen Tränken dadurch blockieren – wurde heute eine Nelson-Tränke, erhältlich bei der Firma Texas Trading, installiert. Ganz, ganz herzlichen Dank für die Unterstützung an meine Einstellerin Sonja!

Ein Puzzle von Einzelteilen, die zu einer Tränke zusammengebaut werden müssen.

Bereits vor ein paar Tagen kam ein Riesenkarton an mit Tränke und Trafo und Bedienungsanleitung. Wir haben einmal quer durch den Ponystall „Zwergenland“ gebuddelt, um von der dortigen Tränke den Wasser- und Stromanschluss an die Außenwand zu legen. Puh! Heute schließlich rückten die Fachleute an, die aus obigem Puzzle eine bis Minus 30 Grad frostfeste Trogtränke zusammen bauten.

Haben einen Plan: die Jungs von der Firma Ehlebracht, Elektro- und Sanitär.

Die Nelson-Tränke ist so etwas wie der Mercedes unter den heizbaren Tränken. Sie funktioniert nicht nach dem „Nippel-Prinzip“, bei dem die Pferde auf einen Löffel oder einen Nippel drücken müssen damit das Wasser in eine zumeist recht kleine Schale fließt. Stattdessen hat die Nelson-Tränke eine Schüssel in ihrer Mitte, die auf einem Gewicht lagert. In ihr steht immer Wasser. Das kommt dem Bedürfnis des Pferdes aus stehendem Wasser zu trinken entgegen.

Fertig: die Nelson-Tränke in der Hänge-Version. Es gibt sie auch mit Thermo-Standfuß für eine Wasserzuleitung von unten.

Trinkt ein Pferd aus der Schale, läuft ab einem bestimmten Minder-Gewicht Wasser von der Seite her nach. Das spritzt nicht so stark wie bei den Nippel-Tränken und nach einem ersten Schreck, wenn das Wasser nachfließt, haben sich jetzt alle Pferde an die Tränke gewöhnt und nehmen sie sehr gern an. Gespannt sind wir noch, wie sich diese nun wirklich außen am Gebäude angebrachte Tränke mit stehendem Wasser, das beheizt werden muss, im Winter bewährt.

10. Juni 2017

Ich hatte am 30. Mai Geburtstag. Leider fiel eine Feier aus, weil ich keinen Urlaub bekommen habe. Aber heute, an diesem schönen Juni-Samstag gibt es Kaffee, Kuchen, Gäste und ein tolles Geschenk für mich: eine neue Zirkusvorführung von Barbara und Paddy.

Konzentration: Paddy mit rotem Geschenk-Gutschein um den Hals und Barbara.

Schon seit Wochen liefen die Vorbereitungen für die Paddy-Show. Bis zum Schluss blieb es spannend, denn ein bestelltes Utensil wollte und wollte nicht eintreffen: der bunte Teppich.

Neue Zirkusnummer für Paddy: Teppich ausrollen.

Diesen Teppich sollte Paddy ausrollen. Er hat das sehr schnell gelernt, der kleine „Fress-Beutel“. Im Teppich eingerollt sind Leckerli und diese zu finden, ist für Paddy stets ein Leichtes. Neben Reifen, Teppich, Pylonen-Bahn hatte Barbara auch die Wippe eingebaut. Es war eine richtig schöne Vorstellung. Vielen Dank an Barbara!

Paddy war fertig und ich traute meinen Ohren nicht als ich Barbaras Worte hörte: „So, jetzt haben wir noch ein Nachwuchs-Talent. Bitte Aufmerksamkeit für diese Beiden …“

Annika mit Hennes – freies Folgen ohne Führstrick.

Ich war so überrascht. Wenn ich daran denke, wie Hennes hier auf dem Trail ankam im März 2016. Er war so scheu, ließ sich nicht anfassen, aufhalftern. Einem Menschen freiwillig folgen, longieren – vergiss es! Und jetzt?!

Hennes auf der Wippe. Er bewältigt sie voller Vertrauen.

Dieses Pony hat sich so gut entwickelt und Annika hat wirklich ein Händchen für den Kleinen. Vielen Dank an Annika für diese tolle und mich wirklich ergreifende Vorführung! Hennes: vom ängstlichen Kirmes-Pony zum coolen Showstar!

25. Mai 2017

Auch ich mache mich bereit für die „grüne Saison“ und Ausfahrten direkt ab Hof. Bislang standen meine Kutschen beim Fahrverein und ich musste um meinen Fin oder die Ponys zweispännig zu fahren immer verladen. Jetzt endlich ist meine neue, gebraucht als wirkliches Schnäppchen gekaufte Warco-Kutsche fertig.

Erstes Anpassen: Londen zu hoch, Hintergeschirr zu hoch, Zuglinie passt nicht. Gut Ding will Weile haben. Aber ist sie nicht schön, meine Warco???

Die Bremsflüssigkeit wurde gewechselt. Die Kutsche erhielt eine neue Schere: Dank an Firma Hansmeier, Kalletal, dass die Warco-Aufnahme mit geteilten Londen auch mit der neuen Schere funktioniert.

Genial: Firma Hansmeier „bastelte“ mir aus einer Schere, zweigeteilte Londen für die Warco-Aufnahme.

Heute nun wollen wir die erste Ausfahrt mit meiner Rosa-Laune-Kutsche machen. Aber wie das bei neu in Betrieb genommenen Dingen immer so ist: man schraubt gefühlt fünf Mal so lange wie die eigentliche Fahrt dann dauert. Zum Glück habe ich so einen braven Fin, mein ideales Fahrschulpferd, der Stunde um Stunde brav steht und das Lochen hier und Zurren dort mit einer Engels-Geduld erträgt.

Mein braver Fin und mein unermüdlicher Geschirr-Verschnaller Jürgen.

14. Mai 2017 – Fahrprüfung

Wie weiter unten berichtet, stand nach dem Fahrkurs in den Osterferien für den heutigen Muttertag die Fahrprüfung auf dem Programm. Seit einer Woche stehen meine beiden Shetty-Wallache Sanso und Paddy sowie meine kleine Kutsche in Borgentreich damit Fahrschülerin Anna-Lena (10 Jahre) auch ein gutes Prüfungsgespann in adäquater Größe zur Verfügung hat. In der Woche vor der Prüfung wurde an zwei Tagen nochmals Theorie und praktisches Fahren wiederholt. Besonders gut kam mein „Wissens-Quiz“ am Samstag an. Zwei Stapel mit Zetteln, jeweils gut fünf Zentimeter hoch und Stichworte zu einmal Basispass-Wissen und Fahrlehre, wurden abgearbeitet. So kann Lernen Spaß machen.

Am Sonntag dann wurde es ernst. Praktisches Fahren in Borgentreich für meine Schüler und in Bückeburg für Melanies Schüler, danach gemeinsame Theorie-Prüfung in Bückeburg. Schwitzen, Zittern, schicke Klamotten und einige wirklich sehr schöne Momente, die mich mit Stolz erfüllten (die kleine Anna-Lena hat das Achenbach-Kopfstück perfekt erklärt) – das bleibt mir von diesem Tag in Erinnerung.

Geschafft, aber stolz „wie Bolle“: die Teilnehmer unserer Fahrkurse mit den Richtern Helmut Mönnig und Ralf Kleemann. Foto: Ralf Wessel

9. Mai 2017

Heute habe ich einmal wieder Besuch auf dem Paddocktrail. Die Bewohner des Seniorenheims Elisenstift machen ihren monatlichen Ausflug und wollen heute Pferde sehen und streicheln.

Mit dem Rollator war es leider nicht möglich, den Trail zu besichtigen, aber die Senioren lauschten gespannt meinen Ausführungen zum artgerechten Pferdeleben auf einem Paddocktrail. Mit dabei: mein Kollege von der Zeitung, Reinhold Sölter, hier auf dem Foto mit Pony Paddy.

6. Mai 2017 – Anweiden

Das ist jedes Jahr ein besonderer Moment. Die Pferde kommen heute das erste Mal auf die Weide. Endlich geht das Weidetor auf und – nein! – sie stürmen nicht los, denn laufen können sie ja das ganze Jahr über. Vielmehr gehen sofort die Köpfe runter, noch im Eingang zur Weide und die ersten Halme werden hastig gerupft.

Grünes Gras, gelber Löwenzahn und Gänseblümchen: die Herde auf der Mai-Wiese.

Das grüne Gras schmeckt herrlich, saftig, aber birgt – wie wir alle wissen – auch seine Gefahren, insbesondere für leichtfuttrige Pferde. Pony Paddy geht daher nur für’s Foto ohne Fressbremse ins Grüne.

Paddy – vom Winde verweht.

Beim Anweiden bin ich immer ausgesprochen vorsichtig und lasse die Herde zunächst nur zehn Minuten auf die Weide. Tag für Tag werden die Weidezeiten langsam ausgedehnt bis irgendwann die hier im Paddocktrail Alverdissen übliche Weidezeit von vier Stunden erreicht ist.

Zum ersten Mal auf deutschen Weiden: der direkt aus Irland importierte Tinker Nollaig.

1. Mai 2017

Nachdem Sonja und Uwe mit Ablegen ihrer Prüfung zum Fahrpass nun auch unter die Fahrer gegangen sind, soll auch Cinderella ein Fahrpony werden. Zunächst stehen die Bodenübungen ohne Kutsche an. Longieren und die Lenkung klappen dank geduldigen, regelmäßigen Übens von Sonja und Uwe schon sehr gut. Als nächstes steht das Schleppe ziehen auf dem Programm und dafür braucht das Pony ein Geschirr.

Cinderella wird „eingekleidet“: (von links) Jürgen, Sonja und Uwe beim Anpassen des neuen Geschirrs.

Sonja und Uwe haben sich für ein Zilco-Geschirr aus Kunststoff entschieden. Eigentlich wollte Sonja, wie sie mir sagte, traditionsbewusst und vielleicht weil es wertvoller klingt, ein Leder-Geschirr erstehen, hat sich aber dann doch von den Vorteilen des Zilco-Geschirrs überzeugen lassen.

Viele Dinge sind einzustellen, bevor ein Geschirr richtig passt. Uwe mit Cinderella.

Ich finde die Zilco-Geschirre auch einfach genial. Sie sind leicht, stabil und super pflegeleicht. Kein Schimmel, kein ewiges Putzen und Wienern. Einmal mit einem feuchten Tuch drüber nach der Arbeit und fertig.

Einstellen der Scherenträger: Sonja und Uwe.

Ich denke, die beiden werden viel Spaß mit Geschirr, Pony und später dann mal Kutsche haben.

26. April 2017

„Mehr Sicherheit für Pferde im Verkehr“. Am Anfang war die Idee. Dann sah ich einen sehr gut gelungenen Flyer im Pferde-Fachmagazin „Der Kutschbock“ mit Informationen für Autofahrer zum richtigen Verhalten gegenüber Gespannen im Straßenverkehr. Es folgten viele Telefonate, Einladungen an KFZ-Fahrschulen, die örtlichen Landwirte sowie die lippischen Reit- und Fahrvereine und natürlich die Presse. Heute konnte ich schließlich zusammen mit dem Lippisch-Westfälischen Fahrverein, in dessen Namen ich die Sicherheits-Aktion startete, 2.000 Flyer auf den Weg bringen und damit hoffentlich für mehr Rücksichtnahme auf Pferde im Straßenverkehr werben. Was mich besonders gefreut hat: zwei Schulen hatten sich sofort bereit erklärt mitzumachen.

Pressetermin mit Flyerübergabe auf dem Fahrplatz. Foto: Nordlippischer Anzeiger

23. April 2017

Heute steht Annika, Fin und mir ein aufregender Tag bevor. Wir wollen an der Kutschenrallye des Reit- und Fahrvereins Cherusker Remmighausen teilnehmen. Dank der freundlichen Hilfe von Carsten Ringe, Vorsitzender des Lippisch-Westfälischen Fahr- und Kutschenvereins, wurde mein Sulky bereits am Vortag nach Detmold transportiert. So konnten Annika und ich morgens noch den Trail fertig machen, dann in aller Ruhe den Fin verladen und auf 10 Uhr ins knapp dreißig Kilometer entfernte Remmighausen fahren. Dort wartete ein üppiges Frühstück auf uns Teilnehmer bevor danach die 22 Gespanne im 10-Minuten-Takt auf die rund vier Kilometer lange Strecke gingen.

Fin on tour.

Unterwegs erwarteten uns Aufgaben wie ein Teebeutel-Weitwurf, das Erschmecken von Gummibärchen und das Entdecken von am Wegesrand aufgestellten Bildern, die es zu zählen galt. Ein Konterfeit unseres Fahrer-„Papstes“ Benno von Achenbach war auch darunter. Zum Schluss wurde es dann sowohl für die Zuschauer als auch für den Fin nochmals richtig spannend.

Fin und ich auf dem Weg zurück zur Cherusker-Arena. Foto: Annika Steuer

In der Cherusker-Arena – dem traumhaft schönen Reitplatz des Vereins – war ein Kegelparcours aufgebaut. Die Musik lief leise, viele Zuschauer standen drumherum. Nachdem Fin jedes einzelnde der bunten Werbeplakate am Reitplatzrand studiert hatte – da lässt er sich ja wirklich nicht treiben; in der Ruhe liegt die Kraft – machten wir uns langsam auf den Weg zum Start. „Annika, du musst gucken, wo wir lang müssen“. Hhm. So wirklich richtig überzeugend klang meine Beifahrerin nicht. Aber dann passierten wir den Start und BUMM drehten die Veranstalter die Musik auf. Die Zuschauer johlten und Fin …. …. ….. Ja, so lange musste er erst einmal überlegen, was zu tun war. Aber danach ging er in aller Ruhe durch den Parcours.

Einen schnittigen Kegelparcours-Durchlauf werde ich mit diesem Gemüts-Tier niemals hinlegen. Aber als Fahrschulpferd, das die Ruhe bewahren soll, ist er Gold wert.

10. – 24. April 2017 – Osterferien-Fahrkurs

Eine spannende und intensive Zeit mit Pferden steht mir bevor. Am Montag, 10. April startete mein Osterferien-Fahrkurs. Eigentlich wollte ich in meinem Schreibtisch-Job Urlaub machen, aber da ich gerade die erweiterten Aufgaben als Pauschalistin bei der Lippischen Landeszeitung übernommen hatte, ging das nicht. So musste ich die Teilnehmerzahl meines Fahrkurses von den geplanten und angemeldeten 8 auf 4 reduzieren. Zum Glück war das für die Interessenten, die ich auf die Sommerferien vertrösten musste, kein Problem.

Leinengriffe nach Achenbach.

Ich entschied mich für die 4er-Gruppe in Borgentreich bei Höxter mit der Familie Wäsche mit drei Personen sowie der Vorsitzenden des örtlichen Reitervereins: Anna-Lena, Ilona, Fabian und Sonja. So fuhr ich also jeden Tag die gut 50 Kilometer nach Borgentreich zum theoretischen und praktischen Unterricht. Für Letzteren stand mir das Friesen-Gespann von Wäsches zur Verfügung, denn der Wunsch war: „Wir möchten zweispännig fahren und am liebsten mit unseren eigenen Pferden. Denn damit werden wir ja auch künftig unterwegs sein“.

Die Leinenaufnahme. Sonja ermittelt das korrekte Leinenmaß bevor sie die Kutsche besteigt. Ihr Mann Fabian sichert die Pferde.

Die beiden Friesenstuten Samira und Santana, beide erst 4 Jahre jung und gerade eingefahren aber bereits seit Fohlenalter im Besitz der Familie, hatte ich mir schon vor einigen Monaten, als die Familie Interesse an einem Fahrkurs bekundete, angesehen und gemeinsam mit Wäsches eine Probefahrt unternommen. Sie schienen geeignet: ruhige Pferde, sehr gut auf ihre Besitzer geprägt und vom Gangwerk und Charakter gut zusammen passend.

Nach Anfangs-Schwierigkeiten – Samira wollte bei der oben gezeigten Leinenaufnahme nicht so lange stehenbleiben wie es für Fahranfänger nötig war – entpuppten sich die Friesen als im wahrsten Wortsinn „schwarze Perlen“. Mit den Köpfen Richtung Scheune, nicht Richtung Straße angespannt, war das Stehenbleiben kein Problem mehr. Unterwegs waren die beiden trotz ihres jugendlichen Alters echte Verlasspferde – so, wie sie sich bei der ersten Probefahrt gezeigt hatten.

Eine Freude: Samira (linkes Pferd) und Santana (rechtes Pferd) im Gelände unterwegs.

So ein Intensiv-Kurs macht Spaß und ist für die Teilnehmer viel effektiver als ein Langzeitkurs, in dem viele Fahrschüler – komplett in der normalen Alltagsroutine steckend – den Stoff von einem wöchentlichen Treffen bis zum nächsten bereits wieder vergessen haben. Aber jeden Tag stundenlang lernen, fahren, Theorie und Praxis ist auch anstrengend. Nach einer Woche ist erst einmal bei allen die Luft raus und es ist Zeit, etwas Abwechslung in den Fahrkurs zu bringen – der auch noch nützlich ist für die Prüfung.

Besuch im Kutschenmuseum von Hansmeier in Kalletal-Rafeld.

Wir machten einen Besuch im Kutschenmuseum in Rafeld. Hier findet man Fahrsport-Geschichte zum Anfassen.

Beantwortete stundenlang alle Fragen: Carsten Ringe (vorn), Vereinsvorsitzender unseres Fahrvereins und Mitarbeiter bei Hansmeier Antikkutschen.

Mit neuem Schwung ging es nach der Besichtigung antiker Kutschen in die letzte Etappe des Fahrkurses, die wir aber ganz entspannt angehen konnten. Weil ich mich mit Fahrtrainerin Melanie Hansen zu einer gemeinsamen Prüfung zusammen geschlossen hatte und ihre Teilnehmer erst im Mai alle Zeit hatten, würde der Prüfungstermin erst am 14. Mai sein – Muttertag.

8. April 2017

Endlich mal wieder Ruhe, Muße und Zeit für die Pferde. Annika und ich hatten heute Morgen ruckzuck den Trail fertig. Zu Zweit geht eben alles besser. Danach haben wir das Fleiß-Pony Käptn verladen und sind auf der Suche nach neuen Kutschfahrwegen nach Holstenhöfen gefahren.

Die Wege haben wir auch gefunden … und die Berge dazu.

Wer sein Pony liebt … Annika und Käptn. Was auf dem Foto wie Flachland aussieht, ist eine enorme Steigung im Holstenhöfener Wald.

Aber Käptn ist ein Phänomen. Während Fin und Paddy, die anderen Fahrpferde/-ponys erst so langsam aus dem Winterschlaf aufwachen, ist der kleine Rappschecke topfit. Kilometer um Kilometer zieht er tapfer den Sulky. Ein super-prima Spaß-Pony vor der Kutsche: absolut zuverlässig und fleißig.

Angekommen. Ausspannen. Käptn, Annika und eine frisch aus der Wildschweinsuhle im Wald entstiegene Wonne.

3. April 2017

Und wieder hatte ich Besuch auf dem Trail – dieses Mal aus Göttingen. Gut zwei Stunden Autofahrt haben …

… Sabine Schmidt (li.) und Vera Grosser …

… auf sich genommen, um den Paddocktrail Alverdissen zu besichtigen. Schönes Wetter haben sie erwischt und wir Drei haben uns gleich super-gut verstanden. Sabine besitzt drei Pferde und Vera eines. Bislang stehen die Pferde in einem Aktivstall und Sabine und Vera sprechen das aus, was ich auch empfinde: „Aktiv“-Stall ist ein Wort, ich glaube sogar eine geschützte Marke – auf jeden Fall wird etwas damit assoziiert, was in Wirklichkeit nicht in dem Maße stattfindet: Aktivität, Bewegung.

Ohne Frage sind Pferde in einem Aktivstall besser dran als Boxenpferde, aber mit dem Bewegungsanreiz auf einem Paddocktrail ist einfach nichts vergleichbar. Ebenso kritisch sehen die Beiden die computergesteuerte Fütterung. Sie beobachten, dass die ranghohen Pferde einfach vor dem Futterautomaten ausharren, in der Gewissheit, dass es ja bald wieder etwas geben wird.

Jetzt planen die beiden den Bau eines Paddocktrails. Eine gute Entscheidung! Die Pferde werden es danken. Und ich danke Euch für die großzügige Paddy-Spende.

2. April 2017

Die Herde hatte die ganze Nacht Wache gehalten vor der Eingewöhnungsbox. Ich hatte Heu im benachbarten Unterstand verteilt, damit sich möglichst viele Pferde bei dem Neuling aufhalten. Aber Whitemoon war dennoch nicht glücklich. „Er kennt es nicht, eingesperrt zu sein“, erzählen mir seine Besitzer Burkhard und Uschi Kreth, die in der Tag ein völlig nass geschwitztes Pferd aus der Box holen. Damit Whitemoon seine gewohnte Freiheit schnell wieder bekommt, wird es Zeit für die Eingewöhnung Teil II.

Zunächst kommt die Herde auf die Wiese … sehr zur Freude aller Pferde.

Nachdem die Besitzer Whitemoon einmal um den Trail geführt haben, lassen wir Pferd für Pferd zu dem Neuling auf den Trail. Normalerweise machen am ersten Tag lediglich der Chef und die Ponys Bekanntschaft mit „den Neuen“. Aber Whitemoon nimmt die Hürde der Eingliederung mit Bravour und in einem Zug.

Alle Pferde auf dem Reitplatz.

Nachdem alle Pferde zu dem Neuzugang auf den Trail gelassen wurden, entschließt sich die Herde, die Bekanntschaft auf dem Reitplatz fortzusetzen. Kein Gerenne, kein Drohen, kein Schlagen. Whitemoon ist ein ruhiges, besonnenes Pferd und das färbt auch auf die Herde ab.

Zwei, die das Treiben auf dem Reitplatz lieber von oben betrachten: Whitemoons Besitzer Burkhard und Nollaig, der stets erst einmal abwartet.

Auch Uschi beobachtet zunächst aus der Ferne. Hier mit Hennes und Nollaig.

Vier Menschen und zwei Pferde, dann nur noch ein Pferd – nachdem Hennes auch zum Reitplatz gegangen ist – verfolgen das Treiben von oben.

Typisch Tinker, Einzelgänger. Ich LIEBE dieses Pferd und seine Ruhe. Wie sagt sein irischer Züchter über ihn? „He is very much laid back“.

Irgendwann kommt Bewegung in die Herde. Der eine zwickt den anderen spielerisch. Hier muss ja jetzt mal irgendetwas angestoßen werden – scheinen die Pferde zu sagen.

Und dann hält es auch den zurückhaltenden Nollaig nicht mehr auf seinem Platz.

Kantapper, kantapper trabt der junge Tinker den Hang runter und stürzt sich ins spielerische Getümmel.

So, nachdem dann alle Pferde auf dem Reitplatz ihren Spaß hatten, war die Eingewöhnungsphase abgeschlossen. Eine Nacht, ein halber Tag – das ist Rekordzeit.

1. April 2017

Wenn eines immer Leben immer gleich bleibt, dann ist es die stetige Veränderung.

Heute Vormittag verlassen uns drei Pferde: Auf Wiedersehen Banner, Bandit und Falco. Viel Glück im neuen Stall!
Heute Nachmittag zieht ein neues Pferd ein: Herzlich willkommen Whitemoon.

Whitemoon – Friese-Trakehner-Mix – und das Empfangskommando.

Wie bereits mehrfach in der Vergangenheit erprobt, verbringt der Neuling die erste Zeit in der Eingewöhnungsbox. Hier im Stallbereich ist er sicher und die Herde kann sich in Ruhe mit dem Neuankömmling bekannt machen.

Umlagert von neugierigen Pferden verbringt Whitemoon eine Nacht in der Eingewöhnungsbox.

Der Plan ist immer der gleiche: am nächsten Tag, dem morgigen Sonntag, wird die Herde kurzfristig auf die Weide kommen, damit der Neuankömmling die Wege auf dem Paddocktrail kennenlernt. Aber erst einmal macht Whitemoon Bekanntschaft mit dem Herdenchef.

Anton „beobachtet“ den Neuling interessiert aber freundlich.

31. März 2017

Besuch auf dem Paddocktrail. Wieder kann ich mein Wissen in Sachen Bau und Planung weitergeben. Dieses Mal an …

… (v.li.) Lina (3) und Wiebke Stukenbrock sowie Franziska Brüggemann.

Die Drei kommen aus Bisperode und Hameln. Sie besitzen drei Pferde: einen 19jährigen Hannoveraner, einen 3jährigen Hannoveraner und eine 20jährige Holsteiner-Stute. Während Wiebke bereits auf einem Bauernhof wohnt, liebäugelt Franziska mit dem Kauf eines Bauernhauses in einem kleinen Ort in Niedersachsen. Hier soll ein Paddocktrail entstehen.

Wird IMMER fotografiert: meine Heuraufe mit Gitter.

Ich wünsche den beiden ganz, ganz viel Glück, Mut und Kraft bei der Planung und Umsetzung. Es lohnt sich. Paddocktrail-Pferde sind glücklich. Vielen Dank an Euch für die großzügige Paddy-Spende.

21. März 2017

So langsam entwickelt sich die angestrebte Schwarz-Weiße Freundschaft zwischen Fingall und Nollaig.

Gemeinsames Frühstück ist schon mal eine gute Voraussetzung.

Wenn ich mir Nollaig (auf dem Foto links) so anschaue, hat er ganz gut aufgeholt. Er war auch eines dieser „Hungrigen Pferde“. Die gleichnamige irische Hilfsaktion für ausgesetzte Pferde stelle ich in einem der nächsten Beiträge vor.

Gemeinsames Ausruhen und In die Welt-Gucken ist auch nicht schlecht. (Foto: Annika Steuer)

Und dann gibt es da noch zwei Vierbeiner, die gern mitmischen würden.

Ziegenbock Sandmann, der kleine Ausbrecher, auf seinem Weg zum Trail. (Foto: Annika Steuer)

Und natürlich …

Paddy – der Kleine besteht beharrlich darauf, eigentlich ein Großer zu sein.

Damit es mit dem zukünftigen Zweispänner in Schwarz-Weiß klappt, muss Nollaig noch jede Menge lernen – beispielsweise die Vorstufe vom Longieren, das Führen auf Abstand.

Tinker Nollaig geht zur Schule. (Foto: Barbara Bliemetsrieder)

17. März 2017

„Wir müssen die Pferde noch reinholen“. Diesen Satz hörte ich gestern Abend als zwei Bekannte sich über ihren Zeitplan der nächsten Stunden unterhielten. Pferde reinholen, Pferde rausbringen – ganz normal für Pferdeleute. Immerhin kommen diese Pferde nach draußen und müssen nicht, wie das Pferd im nachfolgenden Text, den ich heute auf Facebook fand, die  Tage so öde verbringen, dass man nicht einmal den Text zu Ende lesen mag.

Ein Tag im Leben eines Boxenpferdes

5.30 Uhr. Dösen. Mein rechter Nachbar steht auf und schüttelt sich. Stehen. Kurze Begrüssung mit den Nüstern durch die Gitterstäbe. Im Kreis herumgehen. Stehen. Meine linke Nachbarin liegt noch auf der Seite und schläft. Stehen. Es ist dunkel. Im Kreis herumgehen. Stehen. Jetzt fängt auch sie an aufzuwachen und schnaubt dabei laut. Stehen. Lauschen. 7.30 Uhr. Stehen. Scharren. Das Licht ist jetzt an. Stehen. Lauschen. Der Hafer ist bereits gefressen. Stehen. Unruhe im Stall. Im Kreis herumgehen. Das Fenster ist so hoch angebracht, dass ich nur den Himmel sehen kann. Wenigstens haben sie es letzte Woche saubergemacht, vorher konnte ich gar nichts mehr sehen. Stehen. Wir warten auf das Heu. Scharren. Aber erst wird der Mist entfernt. Stehen. Boxentür auf, der Stallmensch drückt mich zur Seite, Mist wird weggenommen, Boxentür zu. Drei Schritte vor, drei zur Seite, kurzes Drohen gegen den Nachbarn. Stehen. Warten. Scharren. Gegen die Tür schlagen, nochmals dem Nachbarn drohen. Stehen. Boxentür auf, das Heu wird hineingeworfen, Boxentür zu. Fressen. 9.30 Uhr. Stehen. Das Heu ist weggefressen. Stehen. Von oben fällt Stroh herunter. Es staubt. Der Stallmensch hat beim rechten Nachbarn Stroh hineingeschüttet. Hustenreiz. Stehen. Draussen ist der Himmel klar, es muss sehr kalt sein. Stehen. Hier ist es warm, und ich trage eine Decke. Stehen. Neulich haben sie mein Fell kurzgeschoren. Stehen. Der Stallmensch fegt die Stallgasse. Es staubt. Stehen. Mein Gegenüber schaukelt immer noch von einem Bein auf das andere. Stehen. Im Kreis herumgehen. Stehen. Lauschen. Dösen. 11.30 Uhr. Stehen. MIt dem Kopf nicken. Gegen die Boxentür schlagen. Der Besitzer meiner linken Nachbarin ist gekommen und hat sie herausgeführt. Stehen. Mein rechter Nachbar knabbert etwas Stroh. Stehen. Ich stehe auf Torf und bekomme kein Stroh. Der Magen schmerzt. Einmal im Kreis herumgehen, der Nachbarin hinterherwiehern, sie antwortet nicht. Stehen. Lauschen. Jetzt sind mehr Menschen im Stall, die mit ihren Pferden an mir vorbeilaufen. Hin und her gehen. Stehen. Warten auf die nächste Mahlzeit. Unruhe. Scharren. Nochmals wiehern. 13.30 Uhr.Stehen. Es gab Hafer und wieder etwas Heu. Alles aufgefressen. stehen. Der Stallmensch hat wieder die Stallgasse gefegt. Es hat gestaubt. Die Nachbarin ist längst wieder da. Sie hat sich, als sie wiederkam, in der Box gewälzt, aber dabei sind ihre Füsse immer gegen die Wand geschlagen. Einmal wäre ich dabei fast nicht mehr hochgekommen, seitdem wälze ich mich hier drinnen nicht mehr. Stehen. Kurzes Beschnuppern durch die Gitterstäbe. Stehen. Es ist nun kein Mensch mehr im Stall. Stehen. Dösen. 15.30 Uhr. Stehen. Warte auf meine Besitzerin. Im Kreis gehen. Stehen. Lauschen. Immer mehr Menschen kommen jetzt. Stehen. Wieder werden Pferde an mir vorbeigeführt. Im Kreis gehen. Stehen. Die Gitterstäbe behindern die Sicht. Stehen. Auf die Weide komme ich nicht mehr. Stehen. Draussen ist der Himmel jetzt trüb. Stehen. Hunde laufen in der Stallgasse herum. Zwei spielen miteinander. Stehen. Im Kreis herumgehen. Stehen. 17.30 Uhr. Stehen. Meine Besitzerin war immer noch nicht da. Stehen. Lauschen. Mein rechter Nachbar ist jetzt fort, hinterherwiehern. Stehen. Kurzes Beschnuppern mit der anderen Nachbarin. Im Kreis gehen. MIt dem Wasser in der Tränke herumpanschen. Stehen. Bald muss es wieder etwas zu fressen geben. Unruhe. Herumgehen. Scharren. Stehen. Lauschen. 19.30 Uhr. Fressen. Meine Besitzerin war da, hat mich geputzt und in der Halle geritten. Es war staubig, und ich musste mehrfach husten. Dafür habe ich aber andere Pferde ohne Gitterstäbe gesehen, zwei sogar begrüsst und beschnuppert. Ansonsten musste ich immer im Kreis herumlaufen. Habe nicht immer verstanden, was sie von mir wollte, das machte sie ungeduldig. Wenn sie nicht auf mir sitzt, ist sie freundlicher, streichelt mich, redet mit mir und hat immer etwas Leckeres dabei. Das Herumlaufen hat mich angestrengt, so dass meine kurzen Haare völlig nassgeschwitzt waren. Sie hat mich dann unter ein Gerät gestellt, welches sehr viel Wärme abgibt und ich trocknete schnell. Stehen. Die Stallkatzen haben sich dazugehockt. Als ich wiederkam, war schon Hafer und Heu da. Dem Nachbarn kurz drohen. Fressen. 21.30 Uhr. Stehen. Mit dem Kopf nicken. Es sind immer noch Menschen im Stall, aber weniger. Stehen. Es ist alles aufgefressen. Etwas hin und hergehen. Stehen. Die Nachbarin durch die Gitterstäbe beschnuppern. Ein Mensch kommt vorbei und gibt jedem eine Möhre. Stehen. Dösen. 23.30 Uhr. Dösen. Es ist dunkel. Ein paar Pferde rascheln mit ihrem Stroh. Mein Magen schmerzt. Stehen. Einige haben sich hingelegt. Im Kreis gehen. Stehen. Dösen. 1.30 Uhr. Dösen. Ein paar Ratten laufen auf den Gitterstäben. Stehen. Strohgeraschel. Dösen. 3.30 Uhr. Habe mich hingelegt. Schlafen. Dösen. Die Luft ist schlecht hier am Boden. Dösen. Schlafen. 5.30 Uhr. Mein Magen schmerzt. Stehen. Lauschen. Im Kreis gehen. Stehen. …“

Ich kann gar nicht sagen, wie sehr mir diese ungeschönte, der Lebensrealität so vieler Pferde zu 100 Prozent entsprechende Beschreibung nahegeht. Ich bin froh, dass unsere Pferde draußen sind: immer, jeden Tag, 24 Stunden am Tag. Sie können sich selbst „rausbringen“ und wenn sie Witterungsschutz suchen auch“reinholen“. Sie haben direkten Kontakt zu ihren Artgenossen, der durch keine Gitterstäbe behindert wird. Sie haben immer Heu zur freien Verfügung mit Heunetzen, die sie beim Fressen beschäftigen und zum Speicheln und Kauen anregen. Unsere Pferde sehen den Himmel, die Sterne, Sonne, Regen, Schnee. Sie sind in ihrer Welt, in der Natur.

Nach fast drei Jahren ist der Paddocktrail im täglichen Leben für mich fast zur Selbstverständlichkeit geworden – immer so lange, bis ich diesen Satz vom Reinbringen und Rausholen höre oder solche traurigen Geschichten lese.

5. März 2017

Heute hatte ich wieder Besichtigungs-Besuch auf dem Paddocktrail und durfte ein sehr schönes Projekt kennenlernen. Fünf Menschen (2 Reitlehrerinnen dazu Pferdebesitzer und Reitbeteiligung) tun sich zusammen, um ihren acht Pferden, die derzeit in unterschiedlichen Ställen stehen, ein Leben auf einem Paddocktrail zu ermöglichen.

Dafür wollen …

(v.links) Christina, Markus, Corinna, Svenja und Bettina …

… zusammen mit anderen Gleichgesinnten einen Verein gründen. Gemeinsam wollen sie einen Padddocktrail anlegen für ihre Pferde, den sie in Eigenregie bewirtschaften. Der erste Schritt – und darauf bin ich schon ein wenig stolz – war die Fahrt aus dem Siegerland bis zum Paddocktrail Alverdissen: 250 Kilometer, 3 Stunden.

„Der Trail hier hat ebenso wie unsere zukünftige Fläche Steigungen sowie eine ebenso gemischte Herdenstruktur. Daher interessierte uns diese Anlage besonders“, erklärt Reitlehrerin Corinna. Derzeit stehen die Pferde der Fünf – Paint, Norweger-Mix, Norweger, Connemara, Hafi-Mix, Haflinger, Araber und Pinto Pony – zum Teil im Offenstall, zum Teil in einem Aktiv-Stall. „Aber all dies, so haben wir festgestellt, kann nicht einen solchen Bewegungsanreiz bieten wie ein Paddocktrail“, meint Corinna.

Besonders interessierten sich die Paddocktrail-Bauer für die Befestigung der Wege am Hang, für die Fütterung (computergesteuert ja oder nein) und die Zweckmäßigkeit von unterschiedlichen Heuraufen.

Ich finde es ganz spannend, was die Freunde vorhaben. Toll, wenn sich Leute, die sich schon lange kennen und vertrauen an ein solches Projekt wagen – zum Wohl ihrer Pferde. Ich drücke ganz fest die Daumen, möchte Infos und Fotos bekommen, wenn die Anlage fertig ist. Ganz lieben Dank sage ich für die großzügige Paddy-Spende.

Alles Gute! Meldet Euch mit Neuigkeiten!

3. März 2017

Hier hat einer das gemacht, was ich mir schon lange gewünscht habe: viele bekannte Trainer an einem Ort versammelt.

Pfernetzt! – das Event für Pferdemenschen

6. & 7. Mai 2017: Fohlenweide in Fulda

Es dürfte interessant werden, wenn

  • Babette Teschen ihr Longieren vorstellt
  • Westerntrainer Tom Büchel feines, leichtes Reiten in Balance demonstriert
  • Marc Lubetzki, Tierfilmer, über seine Erfahrungen mit Wildpferdeherden auf der ganzen Welt berichtet
  • Buchautorin Ruth Katzenberger, Team Shetty Sport, Anregungen für Zirkuslektionen und Bodenarbeit mit Shettys gibt
  • Arien Aguilar Freiheitsdressur zeigt
  • Alessa Neuner über Motivation im Pferdetraining spricht
  • Schmiede, Physio- und Reittherapeuten ihr Wissen offerieren.

Ja, man muss sagen: der Veranstalter hat ebenso bekannte wie interessante Gäste eingeladen. Schade nur, dass keine Fahrer dabei sind.

Ich denke, die zwei Tage in Fulda lohnen sich, kosten allerdings auch ein stattliches Sümmchen: 249 Euro für das Wochenendticket.

Wer auf die Seite schauen will, klickt oben rechts vom Bild auf den Titel „Pfernetzt!“.

28. Februar 2017

Wildpferde als Futterberater. Wir können von ihnen eine Menge für die Fütterung unserer Hauspferde lernen.

Immer mehr Pferdehaltern ist zum Glück bewusst, dass Pferde Dauerfresser sind, die rund 16 Stunden am Tag mit der Aufnahme von Raufutter verbringen. Heunetze, 24 Stunden Slow Feed sind heute in vielen Ställen keine Fremdworte mehr.

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Slow Feed für den Dauerfresser Pferd. Heu zupfen aus Heunetzen, der Heuglocke oder wie hier: der Heuraufe mit Gitterabdeckung.

Aber was zeigen uns die Wildpferde noch? Bei wild lebenden Pferden kann man beobachten, dass sie die Rinden von Bäumen und Sträuchen anknabbern. Tun sie das aus Langeweile? Mitnichten. In den Rinden und Blättern finden sie wichtige Bestandteile für ihre Ernäherung und ihr allgemeines Wohlbefinden. Ich beschränke mich hier auf die im Paddocktrail vorhandenen Gewächse.

Eiche: Rinde, Blätter und Früchte der Eiche sind gerbstoffreich. Pferde, beispielsweise die Dülmener Wildpferde, nutzen die Eiche als natürliche Entwurmung. Eicheln, Blätter oder Rinde der Eiche enthalten keine Blausäure. Dennoch kann ein übermäßiges Fressen der Eicheln zu Vergiftungserscheinungen führen. Hier haben die Wildpferde anscheinend ein besseres Maß und daher müssen wir auf unsere Hauspferde ein Auge haben.

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Eicheln: Wildpferde nutzen sie zur Entwurmung. Verzehr nur in Maßen – ansonsten Vergiftungsgefahr! (Foto: Privat)

Buche: Blätter und Rinde enthalten Eisen, Calcium, Selen und wirken entzündungshemmend und gegen Durchfall. Die Bucheckern sind für Pferde nicht zum Verzehr geeignet.

Heckenrose: Ihre Hagebutten sind wichtige Vitamin C und Vitamin B-Spender. Getrocknet mögen die Pferde sie gern als Leckerli oder Futterzusatz. Hagebutten fördern die Durchblutung und das Hufwachstum.

Weißdorn: Dieser stachelige Geselle wird von den Pferden nicht gefressen, enthält aber Kupfer und wirkt stabilisierend auf den Blutdruck.

Holunder: Auch der Holunder wird von den Pferden nicht verzehrt. Aber der Geruch des Holunderbaums vertreibt Insekten. Pferde stellen sich daher gern unter Holunder, um die lästigen Plagegeister loszuwerden. Holunder gilt als natürlicher Fliegenschutz.

14. bis 22. Januar 2017 – Auszeit in NAMIBIA

Was für ein Weihnachtsgeschenk! Meine Eltern haben mich zu einer Woche Namibia-Urlaub eingeladen. Ich war noch niemals … in Afrika.

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Auf der Fahrt mit dem Shuttle-Bus von Windhoek nach Swakopmund.

Bereits beim Blick aus dem Flugzeug im Landeanflug auf Windhoek sah ich es: weites Land. Balsam für meine Seele, die hier doch sehr unter den beiden angrenzenden Straßen, der Hektik, der Enge leidet. In Afrika ist Weite. Auf der Fahrt saß ich neben einem Farmerssohn. Sein Urgroßvater gründete die Farm. Sie hat 15.000 Hektar. Fünfzehntausend! Ich bin stolz auf meine 3 Hektar Land.

In Swakop angekommen, spüre ich überall den Geist von Deutsch-Südwest. Von 1884-1915 war Namibia deutsche Kolonie.

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Das Hohenzollernhaus.

Deutsche Straßennamen, Jugendstilvillen, deutsche Apotheken … und

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… das Alte Amtsgericht.

Es ist ein Phänomen in diesem Land. Einerseits hat es diese unglaubliche Weite, andererseits rückt man hier sehr eng zusammen, insbesondere die Deutschen. Eine Begebenheit: Ich liege am Strand der Mole in Swakop und erzähle, dass ich in Deutschland eine Pferdefarm betreibe und dass ich Kontakt mit der Pferdeflüsterin Sanda Schneider hatte, die ein Mal pro Jahr nach Namibia in die Gegend von Omaruru fliegt, um dort auf einer Guest Ranch Pferde zu zähmen. Da sagt die Dame zwei Handtücher weiter: „Ja, weiß ich. Das sind meine ehemaligen Nachbarn, die Vogels“. Omaruru liegt Hunderte Kilometer von Swakop entfernt im Landesinneren.

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Der Strand von Swakop. Den Job der Beiden übernehme ich, wenn sie in Rente gehen: ein wenig auf’s Meer schauen, sitzen, wieder schauen, etwas essen und zum Tagesabschluss eine kleine Runde drehen.

Natürlich habe ich auch einige Ausflüge gemacht. Beispielsweise nach Walvis Bay, rund 30 Kilometer von Swakop entfernt. Hier ging es auf eine Bootstour mit interessanten Gästen.

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Robbe Nicholas, von den Bootsbetreibern angefüttert, sprang während der Fahrt auf das Boot.

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Ein Pelikan, der ebenfalls scharf auf den extra für Nicholas und ihn mitgebrachten Fisch war.

Ja, und dann hörte ich von unseren Guest House-Inhabern, dass deren Cousine eine Kamelfarm betreibt und ihre Tiere wirklich gut und liebevoll hält. Da musste ich natürlich hin.

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Fünf Kamele leben auf der Farm, die Elke Erb ganz allein betreibt.

Elke Erb erzählte mir, wie sie zu den Kamelen kam. Im Jahr 1985 ritten zwei Studenten quer durch Südafrika – von Johannisburg nach Swakopmund. 2000 Kilometer auf dem Kamelrücken. Nach der Reise wäre der Rücktransport für die Tiere fällig gewesen. Daheim erwartete sie aber das Schlachthaus. Elke Erb übernahm die beiden Kamele und verliebte sich in diese wirklich tollen Tiere.

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Kamele füttern. Sehr vorsichtig, geradezu zärtlich fraßen mir die Tiere die trockenen Bohnenschoten aus der Hand. Nur mit den Lippen nahmen sie die Leckerbissen.

Tja, und wenn man schon mal auf einer Kamelfarm ist, dann heißt es auch: auf, auf in schwindelnde Höhen, Kamelreiten.

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Zwei Kamele wurden gesattelt.

Der Sattel war ein Eisengestell, mit Decken drunter und Decken drüber. Das „Lenkrad“: ein einfaches Halfter. Los ging’s. Beim Aufstehen – ein Kamel steht mit den Hinterbeine zuerst auf – dachte ich, ich küsse den Sand der Namib. „Gut festhalten, hinten an dem Bügel“, rief mir Elke Erb noch rechtzeitig zu.

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Kamele sind irgendwie sehr anders als Pferde.

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Elke Erb zeigt mir, wo beim Kamel was ist.

Dann ging es auf einen 20minütigen Ritt. Vor, zurück, vor, zurück. Ich weiß jetzt auch, warum das Kamel als „Wüstenschiff“ bezeichnet wird. Nach dem Absitzen, bei dem das Kamel mir wieder das Gefühl gab, gleich vornüberzukippen, da es sich erst mit den Vorderbeinen niederließ, fragte ich mich, wie man eine Reise von 2.000 Kilometern auf dem Kamelrücken überleben kann.

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Feierabend für die Kamele, Abendbrot und dann raus aus dem Kral in die große Freiheit des Farmlandes.

Ich war sehr beeindruckt von diesen Tieren, die so genügsam sind und so freundlich. Elke Erb hat ein wunderschönes Gedicht über Kamele, die ihren Hals beugen, aber dennoch Stolz und Ruhe in sich tragen. Tolle Tiere! Nach dem Tag im Kral dürfen die fünf Kamele raus auf das weite Farmland, in ein Flußdelta, das – wie die meisten Flüsse in Namibia – fast immer ausgetrocknet ist. Große Kamelfreiheit!

Ja, das war der Donnerstag. Noch zwei Tage. Am Samstag würde ich bereits wieder nach Hause fliegen … müssen. Nachdem ich anfangs dachte: Okay. Was ist das hier? Wüste und Meer. So bin ich jetzt wie alle, die Namibia jemals erlebt haben, infiziert.

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Perlhuhn-Crossing und Shabby Chic in der Nähe vom Leuchtturm Swakopmund.

Namibia ist Weite. Namibia ist der südlichste Badeort Deutschlands. In Namibia bekommst Du als Deutscher sofort Kontakt. Man kennt sich. Das Land ist so groß und doch so klein.

Und das Land hat auch immer noch eines: das soziale Gefälle zwischen Schwarz und Weiß, sehr gut erkennbar während einer Fahrt durch Mendosa, dem Wohnviertel der Schwarzen am Stadtrand von Swakopmund.

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Friseursalon auf afrikanisch.

Ja, das war sie auch schon: meine Woche in Namibia. Es war sehr, sehr schön. Ich komme bestimmt wieder. Denn wie heißt es so schön:
Wer einmal seinen Fuß in den Sand der Namib setzt, der kehrt zurück.

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Sundown am Strand von Swakopmund mit der berühmten Jetty Seebrücke. Auf Wiedersehen Namibia. Bis hoffentlich bald!

13. Januar 2017

Der letzte Tag in Deutschland vor meiner einwöchigen Auszeit … und das Wetter gibt wieder alles.

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Dickmann, Fin und jede Menge Eis und Schnee.

8. Januar 2017

Ich hatte wieder Besuch auf dem Paddocktrail.

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3 Menschen und 1 Pferd im Nebel: (v.li.) Sarah Bittner, Melanie Stein und Sandra Kleinknick aus Emmerthal bzw. Amelgatzen mit Tinker Nollaig.

Melanie, Sandra und Sarah haben sich den Trail angeschaut. Melanie betreibt einen kleinen Paddocktrail mit 7 Pferden und hat mit widrigen Bodenverhältnissen zu kämpfen. Die Wege sind (noch) nicht befestigt, entsprechend zertrampelt und im Winter buckelig gefroren, so dass die Pferde sie gar nicht nutzen. Sie interessierte sich daher besonders für die Bodenbefestigung. Sarah betreibt einen Offenstall mit 12 Pferden; Sandra hilft ihr dabei.

Welche Paddockplatten hast Du verbaut? Wie bist Du mit der Heuglocke zufrieden? Funktioniert das mit den Fressgittern in den Raufen? Die Drei stellten Fragen über Fragen, die ich wohl alle beantworten konnte. Im Gegenzug erfuhr ich von ihnen, wie sie  ihren Pensionsbetrieb managen. Bei der Ansage von Sarah und Sandra, die in ihrem Offenstall täglich nur zwei Stunden für das Abäppeln benötigen, wurde ich ein wenig neidisch. Hier auf dem Trail sind es witterungsbedingt gerade täglich zwischen 5 und 6 Stunden. Aber das ist der Preis für eine artgerechte Pferdehaltung und mit Freude habe ich festgestellt, dass es auch bereits wieder taut.

Außerdem hat mich eine nette, bislang stille Mit-Leserin der Paddocktrail-Homepage angeschrieben und mir die Geschichte von ihrem kleinen, privaten Trail erzählt. Danke, Anja, dass ich sie hier veröffentlichen darf. Die Zufriedenheit, die Anja empfindet, weil sie ihre Pferde auf dem Trail gut aufgehoben weiß … ich kann sie so gut nachempfinden. Hier ihre Email:

Hallo liebe Frau Frevert, oder auch Sylvia wenn es ok ist?

Mein Name ist Anja und ich lebe im Süden von Deutschland, genaugenommen auf der Schwäbischen Alb. Seit Jahren habe ich eine Möglichkeit gesucht, meine Pferde artgerechter und besser halten zu können und damit manchen Pensionsstallbesitzer (so glaube ich jedenfalls) fast wahnsinnig gemacht. Ein eigener Offenstall war immer klar, seit ich vor ein paar Jahren vom Paddocktrail-Prinzip gelesen habe, träumte ich nur noch davon. Eigentlich gibt es für mich keine nennenswerte Alternative mehr. Zumindest nicht auf Dauer.

Die Suche nach einem geeigneten Objekt gestaltete sich sehr schwierig. Als Trost habe ich unter anderem regelmäßig deine Homepage besucht und mit meinen Vierbeinern weiter geträumt.

Dann plötzlich vor gut 2 Jahren war es soweit. Ein Grundstück bei dem alles passte. Vor ziemlich genau einem Jahr konnten wir anfangen umzubauen (was sich vor allem im Bezug auf das Wohnhaus als recht kompliziert darstellte). Dann endlich im Sommer konnte ich einziehen und meine Pferde ans Haus holen! Was für eine Freude!

Viele hatten Bedenken, da mein Senior bereits 28 Jahre alt ist, aber etwas Besseres hätte ihm nicht passieren können. Er hatte das Prinzip sofort verstanden und war fortan nur noch auf Wanderschaft. Auch meine Jungpferde konnte ich nun von der Fohlenaufzucht direkt mit integrieren und es gab keine nennenswerten Probleme. Zwei Freundinnen haben ihre Pferde noch hier, so dass nun 7 Pferde zwischen 2,5 und 28 Jahren bei mir zu Hause sind, vom Warmblüter über Quarter und Criollo-Mix. Wir freuen uns jeden Tag daran, dass unsere Pferde so viel Platz haben. Dank des Trails müssen dafür auch keine Koppeln geopfert werden und alle können sich im Zweifel auch aus dem Weg gehen, sollte es mal nötig sein.

Viele Ideen habe ich noch im Kopf, manches muß noch optimiert werden (ein Teil des Trails ist noch unbefestigt), aber wir arbeiten daran!

Es ist neben einem Vollzeitjob sehr viel Arbeit (bei mir liegt alles am Hang), aber ich möchte es keinen Tag mehr missen und freue mich immer, dass meine Pferde nun gut aufgehoben sind und ich mich nicht ständig fragen muß, ob meine Pferde heute wohl raus dürfen oder nicht.

Da ich regelmäßiger Leser der Homepage bin und eigentlich alle Ansichten teile, war es mir irgendwie ein Bedürfnis mich einmal zu melden. Wenn ich mal in die Nähe von Alverdissen kommen sollte, würde ich gerne einmal auf einen Besuch vorbeikommen. Bis dahin wünsche ich alles Gute und weiterhin viel Erfolg mit dem Paddock-Trail, nicht nur in 2017!

Ganz herzliche Grüße

Anja

7. Januar 2017

VOR dem Blitzeis – aber bei klirrender Kälte:

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Fertig machen zu unserem Samstags-Spaziergang (v.li.) Anton, Fin und Hennes. Paddy im Hintergrund wäre wohl auch gern mitgekommen.

Es wurde nur eine kleine Runde, aber mit einem Abstecher zu der schönen Bank mitten in den Feldern.

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Barbara und Annika mit Anton und Fin. Fin: Ich habe es GESEHEN, Du kleine verfressene Brumm-Kugel!

Es war so dermaßen kalt!

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Mein Outfit fällt schon fast unter das Vermummungs-Verbot. Hennes mit seinem langen Ponyfell ist gut gerüstet. (Foto: Barbara Bliemetsrieder)

Da hilft nur Bewegung.

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Vom (eiskalten) Winde verweht: Barbara mit Fin sowie Hennes und ich. (Foto: Annika Steuer)

2. Januar 2017

Das fängt ja gut an: 10 Zentimeter Neuschnee und meine „italienische Diva“, mein Elektro-Dumper „Rödel“, will natürlich den Berg nicht hoch. Aber zum Glück ist heute Montag, Müllabfuhrtag. Und wie es der (glückliche) Zufall so will, kamen die freundlichen Müllmänner just in dem Moment vorbei als ich mich hier am Berg abmühte. Glücksfall Nummer Eins – zu Zweit haben wir es geschafft.

Aber weil es mit einer Fahrt natürlich nicht getan ist, musste ich irgendwie im Verlauf des Tages mein Transport-Gerät winterfest bekommen. Rechts der Elektro-Dumper, links die dazu gehörigen Schneeketten – und ich bekam beides nicht zusammen. Auch Einsteller Otfried, der mir freundlicherweise seine helfende Hand lieh, war ebenso wenig wie ich „Schneeketten-Fachmann“. Ja, so sind sie, die „Flachland-Tiroler“. Kaum liegt der erste Schnee, bricht gleich das Chaos aus.

Aber jetzt kommt Glücksfall Nummer Zwei des heutigen Tages ins Spiel: mein Mist-Container wurde abgeholt und ich nutzte die Gunst der Stunde, bat nochmals um Hilfe und – siehe da – Rettung war nah.

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René Kiel, staatlich geprüfter Landwirt, mein heutiger Retter in der Not.

Der nette Mitarbeiter der Firma Büchter, Extertal, die meinen Pferdemist an ihre Biogas-Anlage „verfüttern“, konnte die Dinger erfolgreich anlegen und fachgerecht spannen. Mein „Rödel“ mit den Schneeketten und ich mit meinen „Spikes“ unter den Gummistiefeln sind jetzt winterfest … aber vermutlich ist morgen die weiße Pracht schon weggetaut.

1. Januar 2017 – Neujahr

Neues Jahr – neues Pferd? … Es scheint fast so. Neuzugang Nollaig spricht so dermaßen gut auf die homöopathische Behandlung an, dass ich fast glaube, ich habe ein anderes Pferd im Stall.

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Diesen Ausblick von meiner Küchentür habe ich seit zwei Monaten jeden Tag: Nollaig wartet unten im Stallbereich auf sein Futter. Unter die anderen Pferde mischt er sich nicht, gar nicht.

 

Nollaig, der 2jährige Tinker-Wallach, erschien mir immer wie abgeschaltet. Er frass, folgte mir/uns, wieherte auch seit geraumer Zeit zur Begrüßung aber verhielt sich ansonsten überhaupt nicht so, wie ein Jungpferd. Er suchte weder den Kontakt zu den anderen Pferden, ging nicht auf den Trail und an Spielen oder Lebensfreude war gar nicht zu denken. Ich habe daraufhin meine Tierheilpraktikerin Dagmar Mönnig –  hier der Link zu ihrer Seite – kontaktiert. Sie verordnete ihm eine Hochpotenz Calcium Carbonicum. Witzigerweise habe ich gerade festgestellt, dass Calcium Carbonicum „die Austernschale“ genannt wird und ich habe Nollaig bislang so empfunden: verschlossen wie eine Auster, abgeschaltet, in sich gefangen.

Am Donnerstag vor Weihnachten erhielt er die erste Gabe des Mittels und Donnerstag, also vor drei Tagen, die zweite und vorerst letzte Gabe. Es war erstaunlich, was sich am Donnerstagabend bei meiner Abendrunde abspielte. Nollaig war auf dem Trail, lief ohne Not im Trab und Galopp und machte vor lauter Lebensfreude einen Bocksprung nach dem nächsten. Gestern war er zu sehen, wie er mit Bandit schmuste. Bislang traute er sich nicht einmal in die Nähe der Herde.

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Nollaig und Bandit. (Foto: Yvonne Steinbock)

Heute war er den ganzen Nachmittag auf dem Trail und kam nicht einmal zur Abendfütterung zum Stall, sondern stand mit drei anderen Pferden mal an der einen und mal an der anderen Heuraufe. Sein hochgezogener Karpfen-Rücken ist  verschwunden. Sowohl Dagmar als auch die Physiotherapeutin, die ihn behandelte, waren sich sicher: Nollaig hat in seinem früheren Leben gehungert. Dann ziehen sich die Pferde zusammen und machen, weil sie Bauchschmerzen haben, einen Buckel. So hat man mir das beschrieben. Außer Jungpferde-typisch ein wenig hinten überbaut, hat Nollaig jetzt einen geraden Rücken. Ich bin total platt von der Wandlung meines „Austern“-Pferdes …

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Wacher Blick, Ohren gespitzt, endlich Herdenmitglied und auf dem Trail unterwegs: Nollaig.

… und begeistert von der Wirkung dieser kleinen weißen Kügelchen – wenn man denn das richtige Mittel findet und hier ist dringend von Verallgemeinerungen abzuraten. Gerade in der Homöopathie muss jeder Fall einzeln betrachtet werden und es spielen viele Faktoren eine Rolle. Nicht umsonst durchlaufen Homoöpathen eine lange Ausbildung.

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Mittlerweile recht umfangreich: meine homöopathische Hausapotheke.

Nollaig bekommt zusätzlich zur im Oktober und Dezember verabreichten Wurmkur Marke „chemische Keule“ seit einer guten Woche das homöopathische Wurmmittel Arboratum = Eberraute, denn eine Wurmkur hat dieses Pferd in Irland wohl  niemals gesehen. Und dass seine Koppel/sein Aufenthaltsbereich abgeäppelt wurden, wie das hier täglich auf dem Trail zwei Mal geschieht – das ist für den Kleinen sicherlich auch Neuland.

Noch ist Nollaig knochig und rippig. Er wird zusätzlich zu den homöopathischen Mitteln mit Futter langsam aufgebaut. Dank Sabine vom Grünen Warenhaus in Dörentrup entdeckte ich ein Krippenfutter, das für leichtfuttrige und magengeschädigte Pferde ideal ist: Esparsetten. Esparsetten sind Pflanzen, die wie Wicken aussehen. Sie sind ein ganz altes Pferdefutter, das man früher als „Gesund-Heu“ bezeichnete. Sabine hat mir erzählt, dass mit diesem Zusatzfutter sogar ein Pferd mit nachgewiesenen Magengeschwüren wieder gesund und fit wurde.

So arbeiten wir mit vielen kleinen Schritten daran, dass Nollaig fit, gesund und … nun ja … vielleicht nicht ganz so rund wie sein Tinker-Kollege Fin wird.