Archiv 2014

28. Dezember 2014

Sonne! Es gibt sie noch! Ich dachte schon, sie hätte sich für die nächsten drei Monate verabschiedet. Bei strahlendem Morgen-Sonnenschein schmeckt das Frühstück auch gleich viel besser.

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Anton (li.) mit Freundin Winnie.

 

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Bandit (li.) und Falco.

Und die Außerirdischen wollen natürlich wieder eine „Extra-Wurst“.

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Paddy …

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… und Schecki am Heu-Drive-In.

Dabei ist Schecki ja eigentlich „schon groß“, wie Yvonne neulich bemerkte, als Schecki die extra für sie zurecht gelegte Heu-Portion verschmähte und lieber Verrenkungen an der Heuraufe machte.

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Schecki und ihre Klimmzüge an der Heuraufe – auch heute Morgen.

Verrenkungen, die hat heute auch noch jemand anderes gemacht: Kenny. Elke und ich haben uns kugelig gelacht als wir seine Heukisten-Turnübung sahen.

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Kenny juckt’s – an einer wirklich schlecht zugänglichen Stelle.

 

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Aber ein schlaues Pferd weiß sich zu helfen und zweckentfremdet kurzerhand die Heukiste.

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Dieser Gesichtsausdruck! Herrlich!

 

24. Dezember 2014

WeihnachtenGjpgfür alle Zwei- und Vierbeiner.

19. Dezember 2014

So langsam aber sicher kommt Weihnachtsstimmung auf. Wenn nur das Wetter ein wenig anders wäre. Diesen Dauerregen und Wind kann man nur mit stoischer Gelassenheit ertragen. Die Pferde machen es vor.

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Popo in den Wind und dann folgenden Gesichtsausdruck aufsetzen …

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Kenny: „Regen – da mache ich einfach „die Schotten dicht“.

Heute war ein Tag, an dem sich die Pferde freiwillig in den Ställen aufhielten. Es war einfach zuuuu naß!!

19 Uhr abends:
Zur Weihnachtsstimmung gehört auch Muße. Nachdem der große Regen vorbei war, bin ich nochmals zu den Pferden gegangen – und habe es mal wieder so genossen. Im Wechsel kamen die Gruppen runter in den Stallbereich zum Trinken: Dickmann mit Fin und Kenny, dann die drei von Yvonne und mittendrin – klar! – die „Außerirdischen“. Irgendwann „trollt“ sich der erste der Gruppe den Berg rauf zurück auf den Trail und die Anderen folgen.
Wenn ich drüber nachdenke, dass ich es noch erlebt habe, dass Pferde in Anbindehaltung stehen. Mein damaliges Schulpferd „Solo“ beispielsweise. Raus zum Reitunterricht und danach ab in den Ständer, in den er gerade mal reinpasste. Angebunden Jahr um Jahr, sich nicht einmal drehen können oder mit dem Maul jucken geschweige denn laufen, gegenseitige Fellpflege …
Wie anders ist das Leben hier für die Pferde, die sich den Trail wirklich erobert haben. Ganz selbständig entscheiden sie, wo sie sich aufhalten und mit wem. Die Herde hat sich jetzt, ein halbes Jahr nach Eröffnung des Paddocktrails, ganz klar gefunden. Es herrscht Ruhe und Eintracht – von kleinen Zwistigkeiten beim Futter einmal abgesehen.  Die Gruppen mischen sich: Banner orientiert sich an „den Chefs“, Dickmann wiehert nicht nur nach Fin, sondern auch nach „seinem“ zweiten Tinker „Kenny“. Der wiederum gesellt sich häufig zu Falco während Bandit oft mit Schecki zusammen am Heunetz steht. Neuzugang „Paddy“ lässt sich von keinem „die Butter vom Brot nehmen“ und stellt sich überall dazu. Ein wenig am Heunetz fressen; danach schauen, was an der Heuglocke los ist; zwischendrin den Durst stillen; ein wenig dösen auf dem Plateau; nochmals nachschauen, was in den Heukisten unten drin ist … und so geht der Tag dahin. Langeweile gibt es nicht. Einfach schön!

17. Dezember 2014

Heute im Angebot: halbe Ponys.

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Ein halber Sanso.

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Ein halber Paddy.

Nach wie vor ist die Heuraufe bei den Pferden sehr beliebt. Selbst das derzeit hier verfütterte langfaserige Heu, ungedüngt, aus Naturschutzflächen mit viel Strukturanteil wird ganz genau sortiert. Alles, was übrig bleibt, geht als Einstreu in die Ställe und wird dort nochmals genau von links nach rechts gewendet. Kurz: die Pferde sind beschäftigt.

12. Dezember 2014

Sturmtief Alexandra Hand in Hand mit Sturmtief Billie – da hatte Facebook heute eine kleine Nettigkeit, die ich gern teile:

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Genau so!!! Ein, zwei, drei Mantras – dann geht’s erst wieder mit dem Schubkarre durch den Sand schieben.

11. Dezember 2014

Was für ein Wetter! Regen, Hagel, Schnee, Sturm, Gewitter … alles dabei, nur keine Sonne. Derzeit – 14 Uhr – geht gerade die Welt unter. Es ist dunkel wie am Abend und schneit wie aus Kübeln.

Da waren die Regenschauer heute Vormittag ja noch harmlos. Auf jeden Fall ist es Pferde-in-den-Stall-geh-Wetter.

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Die erste Belegschaft (v.li.) Falco, Banner und Bandit.

Als Einstreu habe ich – nach einem Tipp von Yvonne – die Reste aus der Heuglocke genommen.

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Schichtwechsel: (v.li.) Banner (als Sozialarbeiter in vielen Gruppierungen geduldet), Fin und Dickmann.

Das Rest-Heu, das die Pferde nach vier Tagen in der Heuglocke am Boden verschmäht haben, ist als Stall-Beschäftigung sehr willkommen.

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Nochmals getauscht: (v.li.) Herdenchef Anton, Winnie und immer noch Banner.

Ach, und dann war da noch jemand, der als allererstes Probe-gelegen hat:

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Lilly nach ihrer Tobe-Runde.

 

4. Dezember 2014

Horses …. walking in a winter wonderland. Ja, der Winter ist im Paddocktrail angekommen.

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Puderzuckerwelt im Paddocktrail.

Puderzucker-Landschaft mit Puderzucker-Pferden. Da bietet sich gleich ein Bilder-Rätsel an. Welcher Schweif gehört zu welchem Pferd?

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Schweif Nummer 1.

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Schweif Nummer 2.

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Mähne – tut’s auch – Nummer 3.

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Schweif Nummer 4.

Schimmel können leider nicht teilnehmen.

2. Dezember 2014

Adventszeit – Zeit für einen besinnlichen Rückblick.

Eine liebe, nette, frühere Nachbarin hat mir ein ganz besonderes Adventsgeschenk gemacht: alte Fotos vom „Königsberg“ – so heißt das Gelände auf dem der Paddocktrail errichtet wurde. Der Königsberg war früher eine beliebte Rodelsstrecke für die Nachbarskinder.

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Paddocktrail – so sah’s hier früher aus. (Foto: Hildegard Behrens)

Wie man sieht, hat es hier immer schon die größtmögliche Freiheit für Tiere gegeben – und alle waren gemeinsam unterwegs. Oben sieht man meine Pferde, die Schafe, die kürzlich verstorbene Ziege „Binti“, meine Hündin „Berta“ – Vorgängerin von „Wonne“ – und oben rechts, ganz klein einen grünen Fleck: das bin ich.

Das untere Bild zeigt den typischen Winter auf dem Teut – im Volksmund „lippisches Sibirien“ genannt.

23. November 2014

Geschenke, Geschenke. Dabei ist doch erst in vier Wochen Weihnachten.

Geschenk Nummer 1 – für alle Pferde: die Heuglocke. „Na, ich glaube, da hast Du den Pferden ein richtig schönes Weihnachtsgeschenk gemacht“, sagte Yvonne gestern beim Anblick der Heuglocke, die wie immer Mittelpunkt der Pferdeherde war. Auch heute Morgen waren wieder ALLE elf Pferde an einem Ort anzutreffen:

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Heuglocke mit Pferdeherde im Morgendunst.

Geschenk Nummer 2 – für Paddy von Barbara: eine kleine, blaue Putzkiste …

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Putzkiste passend zur Ponygröße.

… mit allem, was Pony so braucht vom Striegel über den Hufkratzer bis zur Mähnenbürste (alles in blau natürlich) und dazu  …

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eine Schmusebürste.

Geschenk Nummer 3 – für Paddy von Barbara: eine kleine Futterschüssel – für die Belohnung nach der „Arbeit“ …

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Passend für 2 Möhrchen und eine halbe Banane: Paddys neue Futterschüssel.

Aber keine Angst! Nicht nur kleine Pferde bekommen hier etwas zu essen:

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Anton mit Winnie. Weil Winnie am Nachmittag noch Besuch von Besitzerin Kerstin bekommt, schaut sie hier nur zu. Normalerweise fressen die beiden „Unzertrennlichen“ gemeinsam Seite an Seite. Das nenne ich eine gute Stallgemeinschaft: wer Anton versorgt, füttert auch die Winnie mit und andersrum. Klasse!

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Gemeinsam fressen, gemeinsam dösen – Anton und Winnie teilen im wahrsten Sinn des Wortes „Tisch und Bett“.

 

20. November 2014 – am Nachmittag

Was macht meine Fußmatte auf dem Reitplatz?

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Die Fußmatte ist ein „Target“ – das Ziel für Paddy heute beim Clickertraining mit Yvonne (und Barbara).

Paddy sollte die Matte mit der Nase berühren und dann einen, zwei, später irgendwann mal vier Füße darauf setzen. Das Clickertraining dient dazu, Paddy möglichst viel zu loben und zu belohnen (mit Click und Möhrchen), mit ihm viele spannende Sachen zu machen damit er wieder Spaß am Zusammensein mit Menschen hat. Vielleicht wird ja mal eine Zirkusnummer draus.

VORHER wurde er chic gemacht – von Barbara Bliemetsrieder.

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Guck mal, Paddy. Bürsten ist gar nicht schlimm. Barbara und Paddy.

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Hufe auskratzen klappt auch schon wunderbar.

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Wenn das alles so spannend ist, dann gibt es ja vielleicht auch etwas zu essen? Wonne, Barbara und Paddy.

Und DIES  hier sollte auch ein „Arbeits-Foto“ werden: Yvonne putzt Bandit. Es wurde dann aber …

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… ein Schmusebild: Yvonne mit Bandit NACH dem Putzen.

20. November 2014

Jaime Jackson – der Mann ist schnell. Noch gestern Abend kam die Erlaubnis zur Verwendung des Fotos und er schickte aus „sunny California“ gleich noch eines hinterher:

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Jaime Jackson (Fotoquelle: Jaime Jackson)

Als „Erfinder“ vom Paddocktrail – er nennt es „Paddock Paradise“ – war er sehr erstaunt zu hören, dass es hier in Deutschland Probleme mit dem Namen „Paddock Paradies“ gibt und wollte Genaueres von mir wissen. Ich informierte ihn, dass sich meines Wissens nach jemand in den Niederlanden den Namen schützen ließ und die Verwendung Geld kostet.

Dazu Jaime Jacksons O-Ton in seiner Mail von gestern Abend:

„Dear Sylvia,

The name “Paddock Paradise” is copyrighted in my name, and I have not conveyed to anyone the “right” to use it exclusively except in limited ways for translations. I believe the person in the Netherlands registered the name for his website, but in no way does he have the right to limit others to use the term “Paddock Paradise” per se. At least the author (“me”) didn’t give him such permission!

If you wish to share this email with the others below, by all means feel free. You are all free to publicly call what you are doing “Paddock Paradise” without any objection from me.

Thanks again!

Jaime“

19. November 2014

Der „Erfinder“ des Paddocktrail, Jaime Jackson, ist derzeit  mit einer Titelstory in einem amerikanischen Pferdemagazin vertreten. Hier der Link zur Online Ausgabe.

Der erste Satz von ihm in diesem Artikel hat mich sehr gefreut. Er lautet sinngemäß: „Als ich 2006 das Buch über das Prinzip Paddocktrail schrieb, habe ich mir gewünscht, dass möglichst viele Menschen dem Ruf des Buches folgend, einen Paddocktrail auf ihrem Land anlegen und damit humanere und artgerechtere Lebensbedingungen für Pferde schaffen. Heute freue ich mich sagen zu können, dass genau das geschehen ist … auf der ganzen Welt“. So weit Jaime Jackson.

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Er hat’s erfunden, das Prinzip Paddock Trail: der amerikanische Schmied Jaime Jackson. (Fotoquelle: www.jaimejackson.com)

Hier, auf der Homepage zu dem von ihm angelegten Original-Ursprungs-Paddocktrail in Lompoc/Kalifornien, kann man Beispiele von Paddocktrails aus der ganzen Welt sehen: Holland, Dänemark, Hawai, England, Portugal, Australien und Deutschland. Was  man hier auch sieht: über Bodenbefestigung und Matsch-Vermeidung muss sich der Kalifornier keine Gedanken machen.

17. November 2014

Was für ein schönes Leben! Wer wird morgens bei Arbeitsantritt schon so nett begrüßt?

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Morgengruß von der „Tinker-Fraktion“ und Dickmann.

Heute steht die Heuglocke den dritten Tag und immer noch wird sie von den Pferden umlagert.

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Die Heuglocke – stets im Mittelpunkt.

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Schichtwechsel. Ponys wie immer ausgenommen.

Mittlerweile ist der Rundballen halb aufgefressen. Und jetzt werde ich genau beobachten, ob die Situationen eintreten, wegen derer ich mir einen dreimonatigen Test mit Rückgaberecht erbeten habe.

Frage 1: Wie weit stecken die Pferde den Kopf hinein? Bleiben sie an der Heuglocke hängen?

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Fin: Nase drin, Kopf draußen.

Frage 2: Verschieben die Pferde die nur 40 Kilo leichte Heuglocke – unter Umständen gegen die Elektrozäune o.ä. – im Versuch, das restliche Heu zu fressen?

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Die Heuglocke von innen: noch halb gefüllt mit trockenem Heu (trotz des großen Regens gestern). Bandit schmeckt’s.

Bislang sieht alles super-gut aus. Es ist aber auch noch relativ viel Heu in der Heuglocke. Ich werde weiter berichten. Bis jetzt  bin ich jedenfalls schwer begeistert von dem Ding. Die Pferde nehmen die Heuglocke sehr gerne an. Das Fressen an den vier Löchern ist absolut stressfrei. Ich denke, das liegt an der runden Form. Irgendwie – warum auch immer – nimmt die Rundung viel Stress-Potential raus. Ein rangniederes Pferd weicht einfach und geht ein Fressloch weiter. Dem „Stänkerer“ ist das in die Runde laufen anscheinend zu dumm oder zu anstrengend. An den rechteckigen Heuraufen scheint es leichter zu sein, das Territorium durch Quer-Stellen zu verteidigen. Insgesamt verläuft das Kopf-an-Kopf-Futtern ausgesprochen ruhig und entspannt.

Dank der bis auf dreißig Zentimeter über Bodenniveau ausgeschnittenen Löcher (mit in dieser neuen Variante abgerundeten Kanten) können vom Mini-Shetty bis zum Riesen-Pferd alle das Heu gut erreichen.

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Paddy, der Kleinste, tapfer mittendrin.

Da ich drei Mal täglich die Anlage sauber mache, halten sich auch die Futterverluste in Grenzen. Sie sind zwar deutlich höher als bei den anderen beiden Kasten-Raufen, wo nur etwas rausfällt, wenn die Pferde es rauswerfen, aber nicht so erheblich wie ich befürchtete. Eine Heuglocke aber ohne „Aufräumdienst“ über Tage einfach sich selbst zu überlassen – da würde mir persönlich zu viel wertvolles Futter zertrampelt. Es mag sein, dass ein Heunetz diese Verluste eingrenzt. Aber ich habe mich erst einmal gegen eine Futter-Beschränkung entschieden und gestern und heute mit dauerhaftem, auch ganznächtlichem Zugang zu viel, viel Heu festgestellt, dass die Pferde deutliche Fresspausen einlegen. Sie dösen direkt neben der Heuglocke oder wandern – und zwar ALLE Pferde. Selbst Fin, der „Fress-Sack“ auf vier Beinen, macht jetzt Fresspausen.

Fazit zur Heuglocke bis jetzt: funktioniert super und die Pferde lieben sie …

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Nicht wahr, Fin?!

Was ist mit den anderen Heuraufen? Tja, was ehemals Lieblingsfressplätze waren, sind derzeit Orte der Einsamkeit.

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Prall gefüllt, aber verwaist. Die ehemalige Lieblingsraufe Nummer 1. Wonne wundert sich auch. (Nein, tut sie nicht. Sie guckt immer so, wenn man sie für’s Foto drapiert.)

 

15. November 2014

Lange begehrt, gestern auf der Messe „EuroTier“ in Hannover hart erkämpft … endlich ist sie da: die Heuglocke.

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Nachbar Dieter Werkmeister hilft mir freundlicherweise beim ersten Kontakt mit meinem „Monstrum“. Zukünftig werde ich es, glaube ich, alleine schaffen, die Glocke über den Heuballen zu stülpen.

Nach Rückkehr von der Messe-Odyssee habe ich die Heuglocke gestern Abend um 21 Uhr erst einmal VOR den hinteren Eingang vom Trail gestellt. Ich wollte, dass die Pferde das „grüne Monster“ bei Tageslicht in aller Ruhe in Augenschein nehmen und sich langsam dran gewöhnen können. Es kam anders …

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Fertig zum Überstülpen. Schnell noch ein „Happs“ vom Heuballen: Banner und Falco.

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Zwei Minuten später: Was ist denn das?

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Drei Minuten später: völlige Akzeptanz. Falco, Banner und Bandit lassen es sich schmecken.

Die Heuglocke war definitiv interessanter als die direkt nebenan hängenden, prall gefüllten Heunetze. Im Verlauf des Tages war die Heuglocke „Versammlungsort Nummer Eins“ aller Pferde. Friedlich standen sie rundherum und ließen sich das Heu schmecken.

Ich fand die Heuglocke schon immer toll: einfach und praktisch. Wir haben sie nun drei Monate zum Testen. In dieser Zeit wird sich herausstellen, ob sie nicht nur genial einfach sondern auch einfach genial ist.

11. November 2014

Im Moment verwöhnt uns der November mit Sonnenschein und Plus-Graden.

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Früh-Morgen-Stimmung – es wird ein schöner Tag.

Aber der Winter steht schon in den Startlöchern und mit dem Winter kommt die alljährliche Frage: Soll ich mein Pferd eindecken oder nicht? Ich habe dazu einen interessanten Artikel gefunden nach dessen Lektüre so mancher vielleicht nochmal über das Eindecken seiner Pferde nachdenkt.

Hier einige wichtige Informationen, die ich mitnehme:

  • Der Fellwechsel bei Pferden wird durch „Photoperiodismus“ gesteuert. Das bedeutet: „Sensoren in der Pferdehaut reagieren auf den Wechsel der Tageslichtlängen. Das Pferd ist für den Wechsel zum Winterfell gleich nach der Sommersonnenwende bereit …
  • Kleinere Pferde haben ein dichteres Winterfell, weil sie gegenüber größeren Pferderassen erheblich mehr Wärmeverluste haben. Der Grund: „Eine größere Körperstatur ist im Hinblick auf die Thermoregulation in der Kälte von Vorteil, da das Verhältnis von Wärmeableitung über die Körperoberfläche zur Wärmeproduktion/dem Verbleiben der Wärme im Körper sich mit der Verringerung von Körpergröße erhöht“. Das musste ich auch zwei Mal lesen, aber es bedeutet: Kleinere Pferde verlieren mehr Körperwärme als größere Pferderassen. Sie brauchen deshalb ein dichteres Fell, haben oftmals einen runden Körperbau und dichtes, dickes Haar bis zu den Fesselgelenken. Kein Grund zur Sorge also wenn größere Pferde nicht unbedingt so „teddymäßig“ aussehen wir Shetlandpony Sanso.
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Dichtes Haarkleid von Pony Sanso …

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… bis zur „Zehenspitze“.

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Stand da nicht etwas von „rund“? Na, passt doch!

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Winterfell-Weltmeister sind die Ponys. Hier ein Detail-Blick auf Scheckis dichtes Fell.

  • Die Verdauung von langen Fasern erzeugt große Wärmemengen. Daraus folgt: Heu, Heu, Heu – 24 Stunden/Tag.
  • Können sie ihrem natürlichen Lebensrhythmus folgen, reduzieren Pferde ihre Bewegungsaktivitäten im Winter. Bei sinkenden Temperaturen werden sie zu „Energiesparern“. Zitat: Und aus diesem Grund ist es auch nicht angebracht, Pferde im Winter zum Training zu zwingen.
  • Das Fell der Pferde enthält natürliches Körperfett – eine „Kruste“ aus Schlamm/Sand (von den Paddocktrail-Pferden täglich gewissenhaft erneuert) schützt zusätzlich. Zitat: „Durch regelmässiges Ausbürsten der Haare wird die Talgschicht entfernt – der wasserabweisende Effekt geht verloren. Ebenfalls ist es nicht empfehlenswert, die Schicht aus Matsch, die das Pferd durch das Wälzen im Sand bekommt, zu entfernen – auch diese Schlammschicht hat schützende Eigenschaften“. Und weiter: „Es ist natürlich klar, dass das Abscheren des Pferdefells den Faktor Thermoregulation komplett zerstört“.
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Winnie – unsere Größte. Auch sie hat Winterfell angesetzt – nicht vergleichbar mit dem „Pelz“ der Ponys. Nun wissen wir auch, warum das so ist.

Fazit:

Wenn Pferde eingedeckt sind, erfahren sie nicht die „natürlichen Auslöser“ wie Temperaturwechsel, Tageslicht-Veränderung, das Training der Haarbalgmuskeln, die das Fell aufstellen oder die Erweiterung der Arterien. All dies ist aber notwendig, um die natürliche Thermo-Regulation in Gang zu setzen.

„Das Eindecken von Pferden kann den gesamten Thermoregulationsmechanismus außer Gefecht setzen, weil das Tier versucht, Körperteile, die nicht bedeckt sind, warm zu halten, wie z.B. den Nacken, den Kopf, Bauch und Beine. Denn: die eingedeckten Körperpartien werden überhitzt. Ein Pferd ist eben nicht in der Lage, nur spezielle Körperpartien zu erwärmen – der ganze Körper kühlt ab oder der ganze Körper erwärmt sich. Das Schwitzen unter den Decken birgt mehr Gefahren, als es dem Menschen bewusst ist“.

Und zu guter Letzt noch etwas, das die Biologen, die an diesem Artikel gearbeitet haben, dem Leser mit auf den Weg geben:
„Stärken Sie das Immunsystem Ihres Pferdes, indem Sie ihm (so weit wie möglich) ein Leben ermöglichen, das die Natur für es vorgesehen hat!

Den ganzen Artikel kann man hier lesen.

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Natürliche Pferdehaltung auf dem Paddocktrail – Sandkruste inklusive: Dickmann und Fin.

 

5. November 2014 – Paddy on Tour

Seit gestern ist Paddy, unser Neuzugang, auf dem Trail. Das Frühstücks-Heu war gerade verteilt und alle Pferde mit Fressen beschäftigt. Ich hielt diesen Zeitpunkt für geeignet, den Kleinen in die Herde zu integrieren. Es funktionierte hervorragend. Es gab keine Hektik, kein Gerenne, kein Gezicke. Es war so, als ob das kleine Pony schon immer mit dazu gehörte.

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Paddy an seinem Lieblingsplatz: unten vor dem Wäldchen …

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… mitten zwischen den anderen Pferden. Hier mit Anton und Winie …

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… im Vordergrund Banner ….

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… Kontaktaufnahme mit Banner, unserem Sozialarbeiter.

Leider war hier der Akku vom Fotoapparat leer. Sonst hätte ich Paddys Rundganz in Gänze dokumentieren können. Wie die beiden anderen Ponys, ist auch der dritte und kleinste „Außerirdische“ bei allen Pferdegruppen gut gelitten. Zwar muss das Ponychen weichen, weil derzeit noch jeder andere auf seinen Vortritt besteht. Aber gut, dann geht der kleine Mann eben 3 Meter zur Seite, 2,50 Meter, 2,00 Meter, 1,50 Meter – und „schwupp“, keiner hat’s gemerkt: er steht wieder mitten zwischen den anderen Pferden und knabbert Heu am Heunetz. „Der kommt durch“, war Yvonnes Kommentar bereits gestern.

Die spannende Frage war nur: Wird er sich wieder einfangen lassen? Mein Trick war: gaaanz spannende Dinge zu tun OHNE Paddy zu beachten, z.B. Blätter am Wegesrand betrachten, in meine Tasche greifen und die Möhre anschauen, andere Pferde streicheln, in aller Ruhe das Armband vom Clicker anziehen. Aus den Augenwinkel sah ich, dass Paddy immer näher kam. Bislang kannte er es nur, dass Menschen ihn anschauen, fixieren und sofort „ergreifen“. Dass jemand interessante Dinge macht OHNE etwas von ihm zu wollen, das kannte er nicht. Es dauerte gar nicht lange und Paddy „kroch“ mir fast in die Tasche, ließ sich streicheln, füttern und aufhalftern. Hier das Beweisfoto:

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Die Paddy-Nase und im Vordergrund das Halfter. Kurze Zeit später war die Nase drin; das Pony aufgehalftert.

3. November 2014

Heute war der Tierarzt bei Paddy: Grundimpfung Tetanus und Allgemeinuntersuchung.

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Wer guckt da schräg? Pony oder Tierarzt?

Beim Blick auf den Zahnstatus war die Überraschung perfekt. Paddy ist nicht 4 Jahre alt, wie sein Equidenpass sagt, sondern mindestens 6, höchstens 10 Jahre. Die letzten Zähne, die ein Pferd mit 6 Jahren bekommt, hat er bereits. Entweder hat da jemand  auf dem holländischen Pferdemarkt Equidenpässe am Fließband ausgestellt ohne das entsprechende Pony jemals gesehen zu haben oder der NL-Paardenpaspoort wurde irgendwo „gefunden“. Wenigstens passt die Transpondernummer. Das hatte das Veterinäramt Bielefeld kontrolliert.

4 Jahre oder 10 Jahre… Das ist egal. Hauptsache, das Pony ist gesund. Und das ist es. Lunge frei, Augen klar, Herz ok, gut genährt, keine Haarlinge oder sonstigen „Mitbewohner“. Der kleine Kerl ist topfit.

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Tierarzt Nasos Ioannou von der Tierarztpraxis Thoma in Bösingfeld – gebürtig aus Zypern – trägt die Impfung in Paddys Equidenpass ein.

31. Oktober 2014

Das Ziel des Tages für Paddy: die Herde aus der Entfernung kennenlernen und nachmittags mit Yvonne und Clickertraining aufhalftern üben.

Zum „Herde kennenlernen“, kam Paddy an der Longe, angepflockt auf die Weide während die anderen Pferde auf dem Trail ihr Frühstücks-Heu verzehrten.

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Frühstück mit ‚Freunden: Schecki …

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… und ein staunender Dickmann.

Nach dem Frühstück:

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Wälzen.

Das Pony an der Longe war natürlich unter Aufsicht. Ich habe in der Zeit rundherum den Trail „abgeäppelt“  … aber ein Mal kurz weggeschaut. Das Ergebnis: Paddy mit ausgezogenem Halfter weil der Kehlriemen – warum auch immer – aufgegangen war. Im vergnügten „Freigang“ lief er über die Wiese. Buckeln, rennen, springen, wiehern – aber natürlich als echtes „Wildpony“ auf gar keinen Fall zum Menschen zurückkehren. Was tun? Rettung nahte. Britta kam.

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Britta und Tochter Anna helfen beim Pony-Einfangen. Mit 3 Mann, 1 Lock-Pony, 1 Longe und 10 Möhren hat’s schließlich geklappt.

Nun heißt es für Paddy und uns erst einmal: Beziehungsarbeit machen. Dafür kam am Nachmittag Yvonne. Per Clickertraining lernte Paddy, dass ein Halfter nicht gefährlich ist.

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Yvonne beim Clickertraining mit Paddy.

 

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Dank Möhrchen und Clicker wird das Halfter interessant.

 

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Geht doch.

Ganz wichtig: die Trainingseinheit immer mit einem positiven Erlebnis abschließen … für Pony und Yvonne.

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Zwei, die Spaß haben.

Danke, Yvonne, für das Sponsoring des Clickertrainings.

 

30. Oktober 2014

Paddys zweiter Tag auf dem Paddocktrail. Der Schmied kommt zu Anton und Kenny. Zum Schluss ist das Pony „dran“.

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Nanu. Gerade noch so nett mit Sanso gemeinsam gefressen …

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… und jetzt das. Vorne geht ja noch. Vor allem, wenn Pony sich anlehnen kann und ab und zu mal eine Möhre abfällt.

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Hinten war dann nicht mehr so witzig: große Angst. Füße festhalten beim Fluchttier Pferd/Pony löst erst mal eine Abwehrreaktion aus. Aber Schmied Stefan Büscher weiß, wie er damit umgehen muss.

Ich war sehr gespannt auf das Urteil von Stefan Büscher. Nachdem er die Hufe gekürzt und hinten rechts den „Schnabelschuh“ beseitigt hat …

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Stefan Büscher mit dem abgeschnittenen Hufhorn.

… ist sein Urteil über Paddys Hufe gar nicht so vernichtend. Stefan: „Aufgrund der Huflänge, vor allem hinten rechts, hatte das Pony eine starke Trachtenfußung. Das ist so, als ob wir auf der Hacke laufen. Zum Abfußen musste er den Fuß drehen. Jetzt braucht er Zeit, sich an das normale Abfußen zu gewöhnen. In sechs Wochen sehen wir uns wieder. Aber vom Grundprinzip her sind seine Hufe gut: keine Hufrehe erkennbar und nur ganz wenig Strahlfäule.“

Na, das sind doch gute Nachrichten und ab geht’s erst einmal wieder ins „Zwergenland“. Danke, Stefan, dass Du diese Huf-Erst-Behandlung bei unserem Charity-Pony gesponsert hast.

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Paddy und Fin.

 

29. Oktober 2014

Ein neues Pferd ist angekommen:

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Paddy – unser Paddocktrail-Charity-Pony. Hier holen wir es gerade aus Bielefeld-Sennestadt ab. Stefan (Mitte), mein Fahrer und die beiden Amtsveterinäre Dr. Julia Friedrich (li.) und Dr. Hans-Helmut Jostmeyer (re.).

Paddy ist eines von acht vom Veterinäramt Bielefeld beschlagnahmten Shetlandponys, die alle letzten Dienstag auf dem niederländischen Pferdemarkt in Zuidlaren gekauft, in einem Doppel-Pferdehänger gepfercht ihre Reise nach Rumänien antreten sollten … in eine Zukunft, die man sich lieber nicht vorstellt. Paddy und die anderen sieben Ponys – tragende Stuten und Wallache im Alter von 2 bis 12 Jahren -hatten Glück, dass ein aufmerksamer LKW-Fahrer, der hinter dem Hänger fuhr nach einem Blick in das Innere des Gefährts die Polizei informierte.

Wegen der katastrophalen Transportbedingungen und weil der Fahrer zudem keine Exportpapiere für die Ponys vorweisen konnte, haben die Behörden die Tiere beschlagnahmt. Auf einem Hof in Sennestadt für’s Erste gut untergebracht, wurden nun dauerhafte Plätze für die Tiere gesucht. Ich erfuhr von dem Fall durch meine Freundin Marion, aktiv und vernetzt im Tierschutz. Sie schickte mir eine Email mit einem Satz, der mir zu Herzen ging: „Ich wünschte, ich könnte ein Pony nehmen und zu Dir stellen. Rumänien ist Horror pur!“

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Ein kurzer Zwischenstopp bei Stefan und Kerstin. Erste Kontaktaufnahme mit Paddy. (Foto: Stefan Scheiper)

Ich habe kurz überlegt, eine Rundmail an alle Einsteller geschickt und von allen eine positive Rückmeldung erhalten, dass wir ein Pony aufnehmen. Paddy ist unser Charity-Projekt. Er ist mein Pony – vollverantwortlich. Aber jeder beteiligt sich nach seinen Möglichkeiten – ideel, tatkräftig und finanziell. Den Auftakt machte gleich Stefan, der mit mir zum Pony-Abholen fuhr. Danke!

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Angekommen. Stürmische Begrüßung von Lilly und Wonne. Paddy nimmt’s gelassen.

Einige Tage wird Paddy jetzt im „Zwergenland“, dem Ponystall wohnen.

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Stefan schraubt die Ausbruch-Sicherung in passender Höhe fest.

Dort kann er sich in aller Ruhe an sein neues Zuhause, an die restliche Herde und vor allem auch an Menschen gewöhnen.

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Ein wenig Überredungskunst ….

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… und dann sind auch die Plastikvorhänge kein Problem mehr. Mutiges kleines Pony!

Die Menschen- mit denen hat Paddy noch keinen „Vertrag“. Wer weiß, was er erlebt hat. Er ist ehrlich und freundlich, schlägt oder beißt nicht, aber ist sehr zurückhaltend. Offensichtlich kennt er mit seinen 4 Jahren noch nichts. Entsprechend schlecht sehen seine Hufe aus.

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Der rechte Hinterhauf – auf dem Weg zum „Schnabelschuh“. Morgen kommt der Schmied.

Paddy bezog sein Quartier während die anderen Pferde auf der Weide waren. Er ist sehr duldsam, wiehert nur ab und zu. Aber dieses glockhelle Wiehern hat Herden-Chef Anton dann doch vernommen und eilte zusammen mit Winnie zum Stall.

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Anton und Paddy – der erste Kontakt.

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Paddy und Anton – auf Tuchfühlung.

Na, das sieht doch schon ganz gut aus. Paddy, wir wünschen Dir eine lange, gute Zeit bei uns im Paddocktrail!

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Und bald, ganz bald darfst Du auch zu den anderen Pferden.

 

27. Oktober 2014

Heute wurde im Paddocktrail das installiert, was eine Freundin von mir „Dutch Engineering“ nennt: vorgegebene Wege für Wasser. Wenn einer mit Wasser umgehen kann, dann die Holländer … und die Alverdisser. Mehr als dreißig Meter Kantsteine wurden in Beton gesetzt: um die Stallbereiche herum und schräg am Aufgang zum Trail.

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Schwelle am Trailaufgang. Sie leitet das Wasser vom unteren Stallbereich weg.

An der Arbeit waren: eine Majestät …

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Andreas Schlathaus, unser amtierender Alverdisser Schützenkönig im Arbeits-Outfit.

und der Chef …

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Herbert Schlathaus an meiner guten Atika-Mischmaschine.

Reichlich „Gerät“ war außerdem im Einsatz.

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Baufahrzeuge auf dem Reitplatz.

Wenn drei Mann anpacken, dann geht es voran. Am Nachmittag waren die Arbeiten beendet. Nun können wir uns sogar beim allerstärksten Sturzregen ganz entspannt zurücklehnen.

Und was machen die Pferde während die Menschen Flex, Mischmaschine, Hammer und Meißel kreisen lassen?

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… grasen …

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… grasen …

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… grasen mit Gast …

 

22. Oktober 2014

Vom Winde verweht und mit Schwimmflossen …

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Fin – von Zeit zu Zeit stand der Schweif waagerecht im Wind.

Heute war das Wetter einfach schrecklich – so schrecklich, dass die Pferde seit Öffnung des Trails die erste Nacht freiwillig unter Dach verbrachten. Während sie sonst immer unterhalb vom Wäldchen schlafen, dösen, beisammen stehen fand ich sie heute Morgen verteilt auf die Ställe: die beiden Schwarz-Weißen, Dickmann und Sanso in einer Gruppe und der gesamte Rest gemeinsam als zweite Gruppe. Nur Schecki zog völlig unbeeindruckt ihre Runden auf dem Trail.

Die Heunetze am Ende des Trails wurden auch über Tag größtenteils verschmäht. Es gab immer wieder Phasen, in denen sich die Pferde unterstellten und auf besseres Wetter warteten. Das hatte es bisher noch nicht gegeben. Bei Regen drehten die Pferde sonst ihr Hinterteil in den Wind und harrten der Dinge, die nur besser werden konnten. Aber heute …Einzig der Gang zu den Heuraufen war gerade noch zumutbar.

Die Wiese aber, die lockte heute Nachmittag trotzdem.

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Banner und Bandit … beschäftigt, egal ob’s stürmt.

15. Oktober 2014

Noch 70 Tage bis Weihnachten. Geschenke gab es schon heute – natürlich für die Pferde.

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Schweres Gerät auf dem Reitplatz.

Per LKW mit Hebekran wurden Kantsteine angeliefert. 25 cm hoch, 8 cm stark, 1 m lang, aus Beton – Gewicht pro Stück rund ein Zentner. Diese „Schwergewichte“ werden am Stalleingang verlegt und einbetoniert damit zukünftig das Schwemmwasser vom Trailaufgang draußen bleibt und die Einstreu drinnen, sauber und trocken. Der freundliche Fahrer hat die Steine schon mal in der Nähe der Baustelle platziert. Das schont den Rücken.

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17 x 49 Kilo. Die Palette ächzt und stöhnt.

 

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Noch 12 Säcke Zement dazu …

… so kann der „Bau-Spaß“ losgehen.

14. Oktober 2014

Thema: Bewegung auf dem Paddocktrail. Drei der zehn Pferde im Paddocktrail sind aus unterschiedlichen Gründen vorn (und nur vorn – alles andere wäre in einer Herdenhaltung nicht möglich) beschlagen: Banner, Bandit und die Stute Winnie. Wie viel die Pferde sich auf dem Paddocktrail bewegen, zeigt die Abnutzung der Hufeisen.

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Neues Hufeisen in voller Wandstärke.

Banner und Bandit haben ihre Hufeisen drei Mal so schnell abgelaufen wie in der anderen Haltung. Sie sind dauernd unterwegs und machen richtig „Strecke“, oftmals in flottem Tempo. Andere Pferde wie Fin und Dickmann lassen es eher gemächlich angehe, aber auch sie zeigen deutlich mehr Bewegung als in der bisherigen Haltung im Offenstall mit angrenzendem Paddock.

Die beiden hauptsächlichen Bewegungsanreize sind Wasser und Futter. Die Hauptgangart ist Schritt. Spielen und Toben beobachte ich kaum. Unkontrolliertes Rennen gar nicht.  Die Pferde sind ausgelastet und zufrieden. Laufen aus Freude zeigt die Herde manchmal nach dem Weidegang – vielleicht weil die Pferde hier lange Zeit grasten mit wenig Bewegung.

Der Tagesablauf – morgens bis mittags: Morgens in der Früh sind die Pferde auf dem großen Platz am Wäldchen zu finden. Dort haben sie die Nacht verbracht, wie die Kuhlen im Sand zeigen. Wenn ich das Heu verteilt habe, wird erst einmal gefressen.

Das Verzehren der ersten Heuportion geht ruhig vonstatten – zumeist in den angestammten Gruppen und an den bevorzugten Orten.  Spätestens eine Stunde nach dem Verteilen der Morgen-Heurationen bekommen die Pferde Durst und wandern – Gruppe für Gruppe, Kenny und Falco auch oft einzeln – runter zum Stallbereich. Dafür sind – je nach Aufenthaltsort des Pferdes – mindestens 150 Meter zurückzulegen. Unten am Stall wird getrunken und sofort geht es zurück auf den Trail. Ein erster Blick vom Plateau aus: alle noch da.

Wo gehen wir jetzt hin? Nach dem ersten Mal trinken, beginnt das “ Bäumchen-Wechsel-Dich-Spiel“ von Heuraufe zu Heuraufe und Heunetz zu Heunetz. Die ranghohen Pferde entscheiden, welchen Heufutterplatz sie jetzt ansteuern. Das führt dazu, dass die rangniedrigeren Pferde ausweichen und ebenfalls weiterwandern. So zieht die Herde über den Trail.

Am späten Vormittag, wenn alle satt sind, wird gedöst. Spätestens um die Mittagszeit sammeln sich die Pferde unten im Stallbereich und warten darauf,  dass die Weide geöffnet wird.

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Die Küchentür geht auf. „Kommst Du? Wir wären dann soweit zum Auf-die-Wiese-Gehen“.

8. Oktober 2014

Zwei Dinge muss ich heute loswerden.

Erstens – was richtig Schönes. Was haben wir hier für eine tolle Pferdeherde! Mit innerer Uhr. Heute Abend habe ich zum wiederholten Male die Pferde mit „Komm, komm“ von der Weide holen können – ganz ohne Halfter oder Strick. Die Herde war auf der unteren Weide und hatte mich mit meiner Schubkarre und den Heusäcken schon beobachtet.

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Drive in – Heu verteilen im Paddocktrail.

„Drive in“ nennt Elke meine Schubkarren-Wanderung zu Raufen und Heunetzen, die – so soll es sein im Paddocktrail – gaaaanz am anderen Ende des Trails liegen. Als ich dann heute alles aufgefüllt hatte, kamen die Pferde nur auf mein Rufen hin. Das war Gänsehaut-Feeling, wie sich erst Fin, dann Dickmann, dann Kenny und dann der Rest der Herde im Trab in Bewegung setzte, dann Galopp und zu mir kam. Hach!!! Das sind so Momente…

Zweitens gibt es noch was zum Weitersagen, Teilen, Helfen, das ich heute auf Facebook gepostet habe. Da nicht jeder auf Facebook ist, hier noch mal mein Aufruf:

Konikherde wird aufgelöst – Pferde in gute Hände zu verschenken
Meine Freundin muss sich aufgrund von Scheidung zumindest von einem Teil ihrer geliebten Konik-Pferde trennen. Wir haben hin und her überlegt, ob es eine andere Lösung gibt. Die gibt es nicht. Leider. Die Herde umfasst 18 Tiere im Alter zwischen 3,5 und 18 Jahren: Stuten, Wallache und einen gekörten Hengst, den sie behalten möchte. Von ihm stammt die Nachzucht. Es ist also keine „Hinterhof-Zucht“. Die Pferde leben in Offenställen und auf 7 Hektar Koppeln. Sie sind gesund, regelmäßig geimpft, entwurmt, mit gepflegten Hufen und täglich in der Hand. Sie wurden top-gepflegt – wie wir unsere eigenen Pferde auch pflegen würden. Sie kennen das Fohlen-ABC, sind jedoch nicht geritten oder gefahren. Idealerweise sind sie zu jeweils Zweit abzugeben. Der Standort ist nahe Stendal in Sachsen-Anhalt. Ich hoffe auf einen Schneeballeffekt im Internet und eine gute Lösung für diese Pferde. Bitte teilen. Kontakt über PN an mich. Ich danke Euch!

Konik

3. Oktober 2014

Wilma sagt „Tschüß!“. Sie geht in einen Stall am Wohnort ihrer Besitzerin. Anton in Trauer.

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Anton (re.) und seine große Liebe Wilma.

1. Oktober 2014

Heute fand ich einen interessanten Artikel über die Umgestaltung eines Stalles zum Paddocktrail. Er ist zwar schon etwas älter (2012), aber die Erfahrungen sind auch in 2014 dieselben. Hier der Artikel.

Die „Trailpflicht“ – Seite 5 – und die Gewöhnung an die selbstverständliche Benutzung der Wege konnte ich hier auch feststellen. Heute, nachdem alle Pferde mindestens zwei Monate im Paddocktrail leben, ist eine große Selbstverständlichkeit in der Nutzung der Wege, Abkürzungen, Kurven, Abhänge, Futterstellen zu beobachten.

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Haben den Überblick über die Wege auf dem Paddocktrail: die Ponies Schecki und Sanso. Alle Pferde, ob klein, ob groß, ob ehemaliges Boxenpferd oder vormals Offenstall-Bewohner nutzen den Trail mittlerweile souverän.

Die „Rennstrecken“ – Seite 5 – gibt es hier natürlich auch. Vor allem, wenn die Pferde von der Weide kommen, ist „reichlich Leben“ drin. Nicht immer, aber sehr oft, geht es im Galopp sofort auf die längeren Geraden und ab zu den Heuraufen oder Heunetzen. Einfach so aus Spaß!

Die Freundschaft, insbesondere auch unter den Stuten – Seite 5 „Herdendynamik & Freundschaften“ – ist hier auch zu beobachten. Nachdem eigentlich alle darauf gefasst waren, dass es zwischen den beiden großen Stuten „Wilma“ und „Winnie“ vermutlich Gequieke, möglicherweise sogar Streitigkeiten geben würde, ist das Gegenteil der Fall. Die beiden sind „ziemlich allerbeste Freunde“ und ganz oft gemeinsam unterwegs. Kürzlich konnte ich beobachten, wie sie zusammen Fellkraulen machten.

Arbeitsaufwand – Seite 6 – ja, die Wege werden länger, naturgemäß auch für die Menschen. Aber der letzte Satz „zufriedene Pferdegesichter und das Beobachten der Herde“, das für vieles entschädigt, spricht mir voll aus dem Herzen.

29. September 2014

Wieder einmal besuchte eine Gruppe den Paddocktrail Alverdissen. Die Paritätische Lebenshilfe Schaumburg-Weserbergland GmbH aus Hameln hatte den Paddocktrail zum Ziel ihres Tagesausflugs gemacht. Sechzehn Menschen mit Behinderung und zwei Betreuer kamen pünktlich um 10.30 Uhr vormittags hier auf dem Teut an.

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Das übliche „Schön-Schön-Aufgestellt-Foto“ am Eingang zum Trail: die Gruppe der Paritätischen Lebenshilfe aus Hameln.

Die Pferde hatte ich zu ihrer großen Freude zuvor bereits auf die Weide gelassen. Vorgezogener Weidegang, juchhu!!! Ich wollte sicher stellen, dass die Wege „pferdefrei“ sind.

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Sicher unterwegs auf dem Paddocktrail während die Pferde auf der Weide grasen.

Die besondere Herausforderung bei dieser Besuchergruppe: ein Teilnehmer saß im Rollstuhl. Wir wussten alle nicht, ob das funktionieren würde, aber einen Versuch war es wert. Der Plan war, den Rollstuhl entlang der Wege über die Weide zu schieben.

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Ruckel, ruckel – Ulli (Betreuer) und Maxi beweisen, dass sie geländetauglich sind.

Der Vorteil seiner Tour direkt über die Weiden lag für Maxi, den Rollstuhlfahrer, klar auf der Hand.

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Auf der unteren Weide angekommen.

Maxi ist Pferdefreund und war so den Pferden ganz besonders nah.

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Auf Tuchfühlung mit Dickmann, der – wie die anderen Pferde – interessiert Kontakt aufnahm und völlig gelassen sowohl auf die Besucher als auch das ungewöhnliche Gefährt reagierte.

Neben Pferden mag Maxi aber auch Hunde. Dass diese Zuneigung auch andersrum besteht, zeigt das Verhalten von „Wonne“. Sie wich ihm die ganze Zeit nicht von der Seite.

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Maxi und Wonne – zwei, die sich mögen.

Natürlich wurden wieder reichlich Fragen gestellt und Fotos geschossen.

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Rundgang mit Foto-Shooting. Das einzige Pferd „mit Griff zum Anfassen“ – mein Fin mit Maulkorb – posierte im Anschluss für das Abschlussfoto mit der gesamten Gruppe.

Das Highlight des Tages für „Wonne“ war ganz klar das Picknick nach dem Rundgang auf dem Hof.

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Maxi, jetzt mit Frikadelle: eindeutig ein Freund für’s Leben, findet Wonne.

Nett fand ich das abschließende Statement eines Besuchers: „Ganz toll, Deine Pferdezucht“! Vielen Dank. Das freut mich, dass es Euch gefallen hat. Ich fand unseren gemeinsamen Vormittag auch rundherum gelungen.

Besonders gefreut hat mich im Zusammenhang mit diesem Besuch auch die Spontaneität von Frank Jendreck von der Kulturagentur Landesverband Lippe. Weil Maxi und Ulli so geländetauglich und schneller unterwegs als erwartet waren, blieb noch Zeit bis zum Tagesausflugs-Ende um 15 Uhr. Ein Anruf auf der benachbarten Burg Sternberg, bei Frank Jendreck „Kann eine Gruppe Menschen mit Behinderung zur Besichtigung kommen – jetzt gleich und mit einem Rollstuhlfahrer?“ – wurde ohne das geringste Zögern mit  „Klar. Das geht“ beantwortet. So was nenne ich spontan und unbürokratisch. Für alle, die die Burg Sternberg, im Besitz des Landesverbandes Lippe, nicht kennen, hier der Link: Burg Sternberg.

24. September 2014

Diesen Blick aus der Küchentür heute Vormittag musste ich einfach fotografieren:

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Kenny bei der Fußpflege ….

Besitzerin Esther war natürlich dabei – und lächelt hier tapfer, denn eigentlich hat sie „Rücken“ und hat Kenny deshalb gebeten, ihr das „Puschel-Schneiden“ etwas zu erleichtern, indem er auf die Leiter „steigt“. Nett, oder?

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Esther frisiert die Puschelfüße von Tinker „Kenny“.

 

 

17. September 2014

Der September hat sich entschlossen, uns noch ein bisschen Sommer zu bescheren. Herrliche Tage – sonnig, trocken. Daher passt das heutige Thema gut: Huf-Feuchtigkeit.

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Banner beim Fußbad.

Auf dem Foto oben ist der „Möchte-Gern-Teich“ zu sehen, der nicht weiter ausgebaut wird. Schweren Herzens habe ich mich gegen einen Teich im Paddocktrail entschieden, weil ein stehendes Gewässer nicht wirklich sauber gehalten werden kann – es sei denn, es handelt sich um einen riesengroßen See.

Was ist aber nun mit der Huf-Feuchtigkeit und Elastizität, die ich genau durch ein solches Wasserloch für die Pferde erreichen wollte? Dazu fand ich bei einem Barhufpfleger einen super-interessanten Artikel, der mal wieder alles über den Haufen wirft, was ich bisher wusste oder glaubte zu wissen. Das Fazit vorab: die Hufwand nimmt weder Feuchtigkeit auf noch Pflegemittel. Das Pinseln und Einfetten kann man sich demnach sparen. Der einzige Teil des Hufes, der Wasser aufnehmen kann, ist die Hufsohle – und dies auch nur, wenn das Pferd über längere Zeit seine Hufe „wässert“.

Im Detail: Die Hufwand besteht zu 29 Prozent aus Wasser. Untersuchungen an Pferden in sumpfiger Umgebung, den Kaimanawa-Wildpferden in Neuseeland, die quasi dauerhaft im Sumpf stehen sowie den in der Wüste lebenden Brumby-Wildpferden, die auf heißem, trockenen Wüstensand laufen, ergaben, dass sich die Huf-Feuchtigkeit bei beiden Pferdearten überhaupt nicht unterschied. Es macht, bei genauer Überlegung auch Sinn, dass Hufe nicht „aufgeweicht“ werden müssen, um besser zu funktionieren … im Gegenteil, wie die Zusammenfassung zeigt.

Denn abschließend heißt es: Nach den Ergebnissen dieser Studie und den Literaturbelegen ist es sehr unwahrscheinlich, dass regelmäßiges Einweichen der Hufe in Wasser den Feuchtigkeitsgehalt im Horn der Hufwand verändert. Diese häufig empfohlene Praxis kann nur wenig dazu beitragen, die Gesundheit des Pferdehufs zu verbessern. Die Hufsohle dagegen kann durch externe Feuchtigkeitszufuhr beeinflusst werden. Weil die Sohle bei übermäßiger Feuchtigkeitszufuhr aber weich und anfällig für Quetschungen und Schäden wird, kann regelmäßiges Einweichen der Hufe der Hufgesundheit sogar abträglich sein. (Quelle und vollständiger Artikel hier)

Und so trauere ich meinem nicht realisierten Teich schon viel weniger hinterher und freue mich stattdessen auf einen weiteren Sand-Wälzplatz für die Pferde an dieser Stelle.

11. September 2014

Ja, wo laufen sie denn – ja, wo laufen sie denn hin …

Jeden Mittag, wenn es auf die Weide geht, bietet sich mir dieses herrliche Bild:

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Die Pferdeherde auf dem Weg zur Weide.

Wenn dann klar ist, welches Weidetor sich öffnen wird, geht’s rund auf dem Paddocktrail:

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Falco, Bandit

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und Wilma eilen zur Weide.

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„Kontoll-Instanz“ Anton muss alle im Blick behalten – auch die Nachzügler.

Die 3er-Gruppe „Falco-Banner-Bandit“ sowie das unzertrennliche Gespann „Anton-Wilma“ nahmen heute den unteren Weg zur Weide am Wäldchen. Der Rest entschied sich für die alternative „Einflugschneise“ von oben:

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(v.li.) Winnie, Schecki und Fin

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Huch, zu schnell für den Fotoapparat: Sanso.

Auf der Weide angekommen, gab es wilde Bocksprünge: Lebensfreude pur. Und danach, wie üblich, das große Wälzen:

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Wilma in ihrem Element: Wälzen auf der Weide.

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Ebenfalls „umgekippt“: Tinker Fin.

 

8. September 2014

Oh, oh. Die Zweibeiner machten betretene Gesichter während sie die Vierbeiner am Strick halten.
Heute Vormittag war der Pferde-Zahnarzt da und das volle Mitgefühl war auf Seiten der Pferde. Fünf von ihnen hatten einen Termin bei Tierärztin Katrin Kroker. Zähne nachschauen stand auf dem Programm.

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Vor der Behandlung des Pferdes steht die Beratung des Besitzers: Tierärztin Katrin Kroker (li.) mit Elke, Besitzerin von Anton.

Damit die Arbeit entspannt für Mensch und Tier vor sich gehen kann, erhalten die vierbeinigen Patienten vor der Behandlung eine Sedierung. „Das Zähne-Raspeln tut den Pferden nicht weh. Aber es ist ziemlich laut“, erklärt Kroker. Außerdem – das hatte mir mal ein anderer Tierarzt erklärt – dauert die Behandlung schon mal eine gute halbe Stunde oder länger. Kämpft das Pferd dabei ständig gegen das Maulgatter an, kommt es zu Verspannungen in den Kiefermuskeln, wodurch das Tier unter Umständen noch tagelang Spannungsschmerzen hat. Also: lieber locker bleiben mit Sedierung.

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Katrin Kroker hört Anton ab. Sie will vor der Sedierung des Pferdes sicher gehen, dass keine Lungen- oder Herzprobleme vorliegen.

Vor der Zahn-Behandlung steht die Feststellung des Ist-Zustandes. Dazu tastet Katrin Kroker die Zahnreihen mit der Hand ab, um eventuelle Haken zu erfühlen. Diese Haken entstehen – so erklärt uns die Fachfrau – weil der Oberkiefer des Pferdes größer ist als der Unterkiefer. Mangels Abrieb an den Ecken bilden sich spitze Haken – zumeist am Oberkiefer außen und am Unterkiefer innen. Ich durfte heute einmal erfühlen, wie spitz diese Haken wirklich sind … und habe mich tüchtig erschrocken. Sie sind so scharf wie ein Reißzahn, ziemlich „aua“. Was sie anrichten können, wenn sie nicht entfernt werden, ist übel: Verletzungen der Wangenschleimhaut mit schorfigen, wunden Stellen, die man noch Jahre später ertaten kann. Dort heilt die Schleimhaut unter Umständen nie wieder. „Diese Stellen entstehen oft dort, wo beim Gebiss der Sperrriemen verschnallt und damit die Mundschleimhaut an die scharfen äußeren Zahnhaken gepresst wird“. Die Tierärztin beschreibt wahre Krater in der Mundschleimhaut, die sie schon gesehen und ertastet hat. Was Pferde alles so aushalten … müssen. Ich hatte selbst kürzlich einen abgebrochenen scharkantigen Zahn, der meine Zungenschleimhaut verletzte. Nach nur drei Tagen konnte ich kaum noch sprechen und mir taten Nacken- und Kiefermuskeln weh weil der Schmerz ausstrahlte. Ich kann die Schmerzen durch Zahnhaken jetzt nachvollziehen.

Aber zurück zu den Pferden. Nach der Sedierung legt Katrin Kroker das Maulgatter an. Die Vorderzähne von Ober- und Unterkiefer liegen auf Metallplatten. So kann das Maul geöffnet und fixiert werden. Es hat mich – und auch die anderen Pferdebesitzer – sehr beeindruckt, wie ruhig die Tierärztin mit den Pferden umgeht und wie routiniert und gründlich sie arbeitet. Mit einer Bohrmaschine und einer kleinen Scheibe werden die Haken abgeraspelt.

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Banner beim Zahnarzt. Das Maulgatter ist zum einen wichtig für die Sicherheit von Pferd und Tierarzt, zum anderen notwendig, um auch die hinteren Zähne zu erreichen, die bis weit nach hinten – ungefähr bis zur Hälfte der Pferdewange – reichen.

Immer wieder überprüft Katrin Kroker mit einem Griff ins Maul, ob die scharfen Kanten abgerundet sind. Zu guter Letzt kontrolliert die Tierärztin, ob das Pferd Zahnstein hat. „Der bildet sich zumeist an den unteren Zähnen. Ob ein Pferd zu Zahnstein neigt, hängt mit der Zusammensetzung seines Speichels zusammen“, so Kroker. Den Zahnstein entfernt sie mit einer kleinen Zange. Die gute Nachricht für alle Pferde: Karies – die bei uns Menschen übliche Zahnkrankheit – kommt bei Pferden nur sehr selten vor. „Das passiert eigentlich nur, wenn ein Pferd sich den Zahn irgendwie verletzt hat – zum Beispiel, weil es auf einen Stein gebissen hat“, weiß die Tierärztin.

Zahnhaken, weil der Oberkiefer größer ist als der Unterkiefer – da fragt sich der Laie: Ist das Pferd eine Fehlkonstruktion mit vorprogrammiertem falschen Zahnabrieb? Und wie machen das die Wildpferde? Antwort: Das Gebiss des Pferdes ist seiner ursprünglichen Nahrung – hartem Steppengras – optimal angepasst. Unsere Pferdefutter dagegen sind weich. Auch unser Gras hat eine ganz andere Konsistenz als Steppengräser. Kroker: „Sie können Hierzulande Ihr Pferd gar nicht so füttern, dass es keine Haken bekommt“. Der Ratschlag alter Pferdeleute „Gib dem Pferd ganzen Hafer, damit es besser mahlen muss“ ist für Katrin Kroker nicht ansatzweise problemlösend. Kroker: „Man muss sich nur die kurze Zeit anschauen, die ein Pferd benötigt, um sein Kraftfutter zu fressen. Diese wenigen Minuten sind für einen korrekten Zahnabrieb völlig unzureichend“.

Daher rät die Tierärztin, Pferde ein Mal jährlich zahnärztlich untersuchen zu lassen. Das ist gerade bei jungen Pferden besonders wichtig. Vor dem heutigen Tag, dachte ich immer, es wäre genau andersrum: alte Pferde müssen zum Zahnarzt. Aber auch hier kann Katrin Kroker nachvollziehbar erklären: „Bei jungen Pferden schieben die Zähne noch viel mehr und es kann schneller zu Haken kommen“.

Die Tierärztin hat noch einen weiteren Tipp für Jungpferdebesitzer: „Lassen Sie vor dem Anreiten die Zähne kontrollieren“. Die Wolfszähne, die sowohl Stute als auch Hengst/Wallach im Oberkiefer bekommen können, sind oftmals Grund für Irritationen beim Gewöhnen an das Gebiss. Katrin Kroker: „Diese Zähne – manchmal nur erbsengroß – sind nicht richtig im Kiefer verwurzelt. Ein Anstoßen des Gebisses kann sie schädigen oder lockern“. Wenn ein junges Pferd beim Auftrensen dauerhaft wehrig ist, könnten  Wolfszähne der Grund dafür sein.

Nach dem „Zahnarzt-Spuk“ durften die Pferde entspannen und in separaten Boxen ihren „Rausch“ ausschlafen:

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Die Augenlider sind noch schwer. Anton döst. Er hat die Zahnbehandlung überstanden.

3. September 2014 – LAG trifft Bauamt

Heute war endlich der große Tag: die Stallexpertinnen der LAG (Laufstallarbeitsgemeinschaft e.V.) waren hier zur Vor-Ort-Beratung. Der Paddocktrail Alverdissen ist Mitglied der LAG. Bereits vor einigen Wochen hatte ich mich zu einem Vorort-Beratungsgespräch angemeldet. Im nächsten Jahr möchte ich mich auch der Zertifizierung stellen. Die LAG vergibt von 1 bis 5 Sterne für Aktiv-/Laufställe und bewertet dabei von der Tränke über die Stallapotheke bis hin zum Zustand von Weide, Zäunen und Ställen eigentlich alles, was im Stall vorhanden oder nicht vorhanden ist.

Heute ging es aber erst einmal um eine Info für mich, wo und wie ich die von mir geplanten Änderungen (weiterer Stallbau, weitere Tränke) am besten in Angriff nehme und ob die bestehende Anlage gut geplant ist oder wo es Änderungsbedarf gibt. Es kamen Annette Wagener-Kettler aus Seelze und Ursula Rust aus Garbsen, die als geschulte LAG-Expertinnen mit den Augen eines Pferdes den Paddocktrail begutachteten. Ursula Rust führt selbst einen Aktivstall mit 40 Pferden. Annette Wagener-Kettler entwickelt Einrichtungen für Pferdebetriebe. Mit zum Termin geladen war Hans-Ulrich Drawe vom Bauamt der Stadt Barntrup, der gleich die baurechtliche Seite zu den geplanten Änderungen beisteuern konnte.

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Annette Wagener-Kettler (li.) und Ursula Rust (Mitte, LAG-Inspektorinnen) treffen Hans-Ulrich Drawe (re., Bauamt Stadt Barntrup) im Paddocktrail – und Dickmann findest es super-interessant.

Nach diesem Termin bin ich ziemlich stolz. Das Urteil der beiden Stallexpertinnen war positiv: eine sehr schöne Anlage. An die Hand  bekam ich einige Hausaufgaben, die ich bis zur Zertifizierung erledigen will. Außerdem weiß ich jetzt ganz genau, wo Stall und Tränke zu bauen sind. Wie heißt es so schön im Lied der Gruppe Geier Sturzflug: „Ja, ja, ja, jetzt wird wieder in die Hände gespuckt …“ und der Paddocktrail Alverdissen noch ein Stückchen schöner gemacht.

Und wenn ich’s irgendwie möglich machen kann, bin ich nächstes Jahr dabei und lasse mich auch zur LAG-Inspektorin ausbilden. Das ist für jemanden, der sich für Pferdehaltung interessiert, der wohl schönste Job der Welt.

30. August 2014

Wie war das? Haben wir August oder April? Es sollte solch eine schöne Krimi-Lesung im Paddocktrail werden zugunsten von Animals‘ Angels … und dann kam der große Regen. Schön wurde es trotzdem – mit weniger Besuchern und nach Plan B. Von den 50 Strohbunden kamen nur 20 als Sitzgelegenheit zum Einsatz und sie lagen auch nicht auf der Weide vor einem grandiosen Sommer-Sonnenuntergang, sondern im neu gebauten Stall mit auf dem Dach prasselndem Regen.

Der Autorin Bettina Cordes machte es nichts aus im kleinen Kreis zu lesen.

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Bettina Cordes liest aus ihrem Hühnerkrimi. Die passende Deko hatte sie mitgebracht.

In der Lesepause nach rund vierzig Minuten gab es hausgemachten Zwiebelkuchen und Federweißen sowie den einen oder anderen kurzen Abstecher auf den Paddocktrail. Die Besucher waren allesamt Tierfreunde und Tierbesitzer. Es gab die „Geflügelzüchter-Front“ und die „Pferde-Fans“ und es gab Mischungen aus beiden. So hielt eine Besucherin aus Berlebeck lange Zeit Pferde und nun Hühner.

Zu Gast war auch ein Mitarbeiter der Lippischen Landeszeitung, der alles fotografisch festhielt und einen Artikel schreiben wird.

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Reinhold Sölter von der Lippischen Landeszeitung.

Im zweiten Teil der Lesung – ganz hervorragend gemacht von Bettina, die extra Stimmtrainingskurse besucht hatte – wurde es pünktlich zum Einsetzen der Dämmerung schummrig-schön-schaurig. Und dann hatten wir, sehr zur Freude der Gäste, vierbeinigen Besuch:

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Kenny schaut uns zu fortgeschrittener Stunde ein wenig über die Schulter.

Am Ende des Abends waren sich Autorin und Besucher einig: Schön war’s. Gemütlich. Etwas Besonderes. Nochmals ein Grund zur Freude war der anschließende Kassensturz. Es sind 120 Euro für Animals‘ Angels zusammengekommen. Vielen Dank – allen Spendern und Helfern und der Autorin Bettina Cordes – hier mehr Infos zu Bettina und ihrem Buch „Hühnerroman“!

28. August 2014

Uff! Ich bin gerade ein bisschen schockiert. Die beiden Weiden im Paddocktrail sollen „renoviert“ werden – eine im Oktober, die zweite im Frühjahr. Sie sollen artenreicher mit verschiedenen Grassorten nachgesät werden. Auf der Suche nach geeigneten Weidemischungen für Pferde und beim Durchblättern der heute neu erschienenen „Pferd & Freizeit“ (Mitgliederzeitung der VFD – Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland e.V.) – Infos hier – stieß ich auf Erstaundliches.

Dass das Jakobskreuzkraut hochgiftig ist, wissen wir alle. Dass aber auch zwei in nahezu allen Weidegras-Mischungen vertretene Futtergräser, das Deutsche Weidelgras und der Rohrschwingel, zu „Giftpflanzen“ mutieren können, war mir völlig neu. Beides sind „Hochleistungsgräser“, geeignet für Rinder und Kühe, sehr resistent und daher auch für Pferdeweiden „gern genommen“. Sie gewährleisten ein dauerhaftes „Grünland“ – auch bei schwierigen Bedingungen.

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Die untere Weide im Paddocktrail mit Kenny, der am Zaun seine Besitzerin erwartet. (Foto: Esther Czepan-Eickhoff)

Aber sie haben eine fatale Eigenschaft: Unter bestimmten Voraussetzungen wird in diesen Gräsern ein für unsere Augen verborgener „Bewohner“ aktiv. Es ist eine Art Pilz, der dann Giftstoffe ausscheidet, wenn sein Wirt, das Weidelgras/der Rohrschwingel, Stress hat: bei Dürre, Nährstoffmangel oder Überweidung.

Pferde in freier Wildbahn würden einfach weiterziehen und diese Grasflächen meiden, denn sie merken anscheinend sehr wohl, dass ihnen das Gras nicht bekommt. Das können unsere Pferde aber nicht. Die Autorin des sehr interessanten Artikels, die Biologin Dr. Renate Vanselow – Link hier – hat es so formuliert: „Die Natur kennt keine Zäune“ – hier aber sind sie gang und gäbe. Bei Pferden in Gefangenschaft, die in einem so dicht besiedelten Land wie Deutschland mit hart umkämpften landwirtschaftlichen Flächen leben, muss man daher Kompromisse finden.

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Sofort-Maßnahme für leichtfuttrige Pferde: Weidegang mit Maulkorb. Er reduziert die Grasaufnahme um rund 30 Prozent. Fin (vorn, mit Maulkorb) zusammen mit Kenny. (Foto: Esther Czepan-Eickhoff)

Was können wir also tun für unsere Pferde? Geraten wird das, was bereits Teil des Prinzips Paddocktrail ist: Weidegang stundenweise und Zufütterung mit Heu. So sind die Pferde nicht GEZWUNGEN, sich ausschließlich von der Weide zu ernähren.

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Dickmann – ausruhen mit einem Hälmchen Heu im Maul.

Darüber hinaus ist „Bewegung das A und O“, befindet Dr. Vanselow und rät: „Viel körperliche Bewegung der Tiere ist im Sinne einer Entgiftung positiv zu sehen, denn Schweiß scheidet Gifte aus …“ Auch hier bewährt sich wieder das Prinzip Paddocktrail, das die Pferde in Bewegung bringt.

 

24. August 2014

Heute möchte ich einen Sieger küren – den Gewinner vom Paddocktrail Alverdissen.
Genauer gesagt ist es eine Gewinnerin:

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Shetlandpony-Stute Schecki (18)

Sie hat, seit sie auf dem Paddocktrail lebt, eine Wende um 180 Grad in die positive Richtung gemacht.

Vorher:

Schecki ist ein hochgradig rehegefährdetes Pony. Alles begann mit einer schweren Kolik im Jahr 2009. Die Tierärzte in der Tierklinik wollten sie einschläfern. Ich habe um sie gekämpft … und gewonnen.

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Schecki im Jahr 2009 in der Pferdeklinik.

Danach hatte Schecki immer mal wieder Probleme mit Hufrehe – zum Schluss ganz massiv im Jahr 2013. Sie hatte zuvor eine homöopathische Hochpotenz erhalten, weil sie dauerhaft einen hohen Hormonstand hatte – vergleichbar dem in der Hochrosse. Dies ließ auf ein Zyste schließen, die bei einem solch kleinen Pony schwierig zu operieren ist. Kurz: es gab eine Zeit, als Schecki sehr krank war, viel lag und sich im Grunde seit 2009 über Jahre von der Herde absonderte. Sie stand überwiegend im Stall. Freiwillig ging sie kaum noch raus. Auch ohne akuten Reheschub war Schecki ein „Drinnenpony“ und eine Einzelgängerin.

Heute:

Das ist Schecki heute …

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Auf dem Paddocktrail unterwegs mit Sanso.

Schecki ist seit Eröffnung des Paddocktrails den ganzen Tag von morgens bis abends unterwegs. Sie geht mit allen Pferden mit, schließt sich den unterschiedlichsten Gruppen an, kommt mit allen klar und hat ganz offensichtlich wieder großen Spaß am Leben. Schecki hat sich auf dem Trail absolut positiv entwickelt – mental und körperlich. Ich freue mich sehr für meine kleine Stute.

Nachtrag v. 3.9.2014 zu Schecki: Die Blutwerte sind da. Große Freude! Der Hormonspiegel ist normal. Die Zyste ist weg dank der Hochpotenz des homöopathischen Mittels Pulsatilla. Klasse!!!

 

22. August 2014

Eine Woche ist vorbei. Was macht Winnie?

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Ihr Gesichtsausdruck spricht Bände – finde ich. Winnie ist größtenteils entspannt. Von mir bekommt sie in Absprache mit der Besitzerin Bachblüten: Walnut – die Blüte für den Übergang/den Wechsel, Honeysuckle – die Blüte, die bei Stall- und Besitzerwechsel sowie Verlust eines Freundes tröstet und Vervain – gegen ihre Nervosität. Winnie ist jetzt Tag und Nacht mit den anderen Pferden zusammen, kennt sich gut mit den Wegen auf dem Trail aus und hat sich gleich der „Chefgruppe“ angeschlossen.

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(v.li.) Anton, Wilma und die Winnie … mit Fragezeichen über dem Kopf. Darf ich mit an Eure Futterraufe?

Erstaunlicherweise ist Winnie ganz eng mit Wilma befreundet. Das übliche „Stuten-Gezicke“ – das gibt es zwischen den beiden nicht. Sie sind dicke Freundinnen und unterhalten sich durch leises Brummeln. Kein Gequieke, was absolut unüblich für Winnie ist, wie die Besitzerin mir sagte. Die beiden Stuten waren von Anfang an ein Herz und eine Seele – und natürlich darf Winnie aus der Heuraufe fressen:

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und da ist auch noch jemand Anderes … (ganz links)

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Über dieses kleine gescheckte Pony werde ich morgen etwas schreiben.

19. August 2014

Heute ist Neuzugang Winnie den vierten Tag im Paddocktrail. In dieser Zeit hat sich bereits viel verändert. Winnie ist der Herde ein ganzes Stück nähergerückt – im wahrsten Sinn des Wortes:

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Gemeinsame Mahlzeiten verbinden: Winnie ganz nah bei Anton und Wilma, nur durch den Weidezaun getrennt.

Ihre „Eingewöhnungsbox“ hat Winnie bereits nach einem Tag gegen einen Platz auf der Weide getauscht. So ist sie den anderen Pferden Tag und Nacht sehr nah. Lediglich der Weidezaun trennt sie noch von der Herde.

Es folgte der nächste Schritt: Winnie wurde mit ausgesuchten Herdenkollegen auf den Trail geschickt während der Rest der Herde Weidezeit hatte.

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Bandit (li.) durfte als erstes zu Winnie, weil er sie so gern mag. (Foto: Yvonne Steinbock)

In dem Moment als Bandit zu Winnie auf den Trail ging, wurde klar: ES KANN NUR EINEN (Chef) GEBEN – Anton „Allmächtig“. Der große Weiße legte nur kurz das linke – oder war es das rechte? – Ohr zur Seite und Bandit traute sich auch außerhalb der Weide nicht näher an Winnie ran. Einmal kurz gemeinsames Heu fressen – dann Antons dezente Warnung und Bandit stand brav abseits.

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Anton – er ist zu einem souveränen, ganz offensichtlich entspannten Herdenchef geworden.

Mit Bandit würde Winnie den Trail also nicht kennenlernen. Außerdem orientierte sie sich auch instinktsicher am ranghöchsten Pferd. Das hieß: Bandit durfte wieder auf die Weide und Anton auf den Trail. Das war ganz wunderbar. Die beiden waren ein Herz und eine Seele.

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Anton zeigt Winnie wie das geht – mit den Heuraufen. (Foto: Yvonne Steinbock)

So weit, so gut … am zweiten Tag. Nur trat jetzt das Problem auf, dass Anton zwar gern mit Winnie wandern gehen würde, aber sofort reagierte, wenn Wilma auf der Weide nach ihm rief. Das erhoffte große Wandern blieb also wiederum aus.

Im nächsten Schritt, am dritten Tag, wurden Winnie, Anton und Wilma vergesellschaftet. Es war fraglich, ob Wilma eifersüchtig reagieren würde. Aber das war nicht der Fall. Anton hat beide Stuten ganz hervorragend betreut.

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Alles gut mit (v.li.) Anton, Winnie und Wilma. (Foto: Elke Grabenhorst)

Nun geht es weiter mit Anton, Winnie, Wilma plus meine beiden Pferde mit den beiden „Außerirdischen“, den Shetlandponys. Die 3er-Gruppe wird zuletzt mit Winnie vergesellschaftet, weil unter Umständen damit zu rechnen ist, dass Bandit und Anton sich ein wenig um Winnie streiten werden. Bevor das passiert – oder auch nicht – sollte Winnie auf jeden Fall „Trail-Kompetenz“ haben und die Wege kennen.

16. August 2014

Nein, es geht nicht immer alles so glatt, wie man es gern hätte. Winnie hatte gestern Abend noch eine Audienz beim Tierarzt. Sie war von einem anderen Herdenmitglied gebissen worden. Niemand hatte damit gerechnet – vermutlich die Pferde am wenigsten – dass nach dem ruhigen gemeinsamen Weidegang auf dem Trail eine Situation mit Pferden von links, Pferden von rechts, Winnie in der Mitte zu Stress führen würde. So viele Artgenossen waren für die Stute, die bislang nur Box und Weidegang mit ihrem Wallach-Freund kannte, einfach zu viel. Also wird Winnie jetzt die „Langzeit-Einführung“ bekommen.

Gestern Abend noch bezog sie ihre „Integrations-Box“ – den hinteren Teil vom Unterstand, der mit Flexgates abgetrennt wurde und den Reitplatz, dessen zweiter Aufgang zum Trail ebenfalls oben abgesperrt wurde.

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Essen – doof. Trinken – doof. Alles doof – ohne Euch. Winnie möchte so gern zu den Anderen. Aber das geht nur „häppchenweise“.

Die ganze Nacht hat Winnie oben am Aufgang verbracht. Ich habe sie nachts um 1h besucht. Sie stand auf der einen Seite  und die Herde leistete ihr im Schichtwechsel auf der anderen Seite, oben auf dem Aussichtsplateau Gesellschaft.

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Besuch von Kenny. Winnie ist unsicher, aber interessiert.

In der „Integrations-Box“ mit dem großen Auslauf ist Winnie sicher, hat aber dennoch Kontakt zur Herde. Die Pferde kommen jedes Mal, wenn sie zur Tränke gehen, direkt am Reitplatz und am Unterstand vorbei. Von ihrem Aussichtspunkt am Trailaufgang hat Winnie ihrerseits den Trail und die anderen Pferde im Blick.

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Anton auf Besuch bei Winnie.

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Fingall riskiert einen Blick.

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Kenny und Dickmann – sie dürfen mit Winnie aus einer Heuraufe fressen. Diese ist mittig unter der Trennwand platziert.

Da Winnies Verletzung sehr gut versorgt ist, heilt und ihr keine Probleme bereitet, durfte sie heute Nachmittag schon wieder auf den Trail während die anderen Pferde Weidegang hatten.

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Winnie – ganz hinten auf dem Trail – umrundet die grasende Herde.

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Winnie wandert.

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Winnie wandert weiter. Sie zieht immer größere Kreise.

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Mutiges Mädchen – der Weg an der Straße mit den Heunetzen war anfangs sehr furchteinflößend und nur gemeinsam mit Besitzerin Kerstin für Winnie machbar. Jetzt wandert sie ganz alleine dort längs.

Ich bin sehr gespannt, wie sich Winnie weiter entwickeln wird. Sie wird noch viel lernen müssen, z.B.: dass sie auch aus Wasserbottichen trinken kann – nicht nur aus Selbsttränken; dass sie wandern, wandern, wandern und wenn sie mag draußen im Sand übernachten darf; dass Schafe, Ziegen und Geflügel – die Nachbar-Tiere vom Paddocktrail – keine pferdefressenden Ungeheuer sind. Sie wird lernen, wie man aus Heunetzen frisst. Und Winnie wird auch lernen, wie „Pferdeherde“ funktioniert. Denn: in Winnie steckt immer noch ein Pferd, dieses hoch-soziale Wesen. Das  zeigt mir das nachfolgende Bild ganz deutlich:

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Winnie, Du schaffst das!!!

Ja, und was macht der Rest?

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Kenny (Mitte) vor zwei Wochen angekommen, hier mit Dickmann und Fingall.

Kenny ist integriert. Sein bester Kumpel, der „Kenny-Mate“ ist Falco. Hier haben sich zwei Einzelgänger-Pferde gefunden. Die beiden mögen sich auf ihre ruhige Art wirklich richtig gern. Auch mit Dickmann und Fin steht Kenny oft zusammen.

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(v.li.) Kenny, Dickmann und Fingall.

Und dann ist da noch die Sache mit dem „Captain’s Dinner“ …

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(v.li.) Wilma, Schecki, Sanso und Anton.

 

15. August 2014

Winnie ist angekommen. Die 20jährige Hannoveraner-Stute lernt hier „die große Freiheit“ kennen und wird sie hoffentlich genießen.

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‚Angekommen: Winnie aus Lemgo mit ihren Besitzern.

Den Ablauf kennen wir ja nun schon:

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´Hoch auf den Trail – zunächst am Halfter geführt.

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Erst einmal einen Überblick verschaffen während die Herde auf der Weide ist. Sich in Ruhe einen Überblick verschaffen – das scheint Winnies Spezialität zu sein.

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NATÜRLICH kommen alle mit auf die erste Einführungsrunde.

Von der Weide aus gab es interessierte Blicke – vor allem von den beiden „Gigolos“ …

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Anton – hier bei einer vorsichtigen Kontaktaufnahme.

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Bandit, der anscheinend seine Chance auf eine „eigene“ Stute gekommen sieht.

Der Rest der Herde ist interessiert – aber nur auf Beobachtungsposten.

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Kenny – gucken ist erlaubt.

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Anbändeln durfte aber nur Bandit.

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Noch mal einen Überblick verschaffen vom mittleren Rondell aus.

Die anderen Pferde waren kein Problem für Winnie. Aber dann kam die Sache mit den Heuraufen.

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Oh je, da habe ich mal lieber Angst.

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Ob es von dieser Seite aus besser geht?

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Okay. Ich kann’s ja mal probieren.

Dennoch blieben die Heuraufen erst einmal unheimlich. Da kann man nicht vorbei gehen. Geht alleine gar nicht. Aber wenn jemand mitkommt …

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Winnie auf dem Wäldchen-Weg.

Wie gut, dass es eine Alternative zu Heuraufen gibt: Heunetze. Da kann man schon mal einen Probe-Happen nehmen.

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Kerstin, die stolze Besitzerin mit Winnie am unteren Heunetz. Dort hängen jetzt zwei Heunetze – schließlich sollen ja alle stressfrei satt werden.

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Weiter geht’s an der Seite von Kerstin Richtung Haus- und Stallbereich.

Nach einer knappen Stunde durfte Winnie zu den anderen Pferden auf die Weide. Auch hier war klar, wer ihr Favorit ist: Bandit.

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Unscharfes Foto – aber ein rührendes Bild. Der Rest der Herde zog sich dezent zurück während Winnie und Bandit erste Kontakte knüpften.

Vermutlich liegt es daran, dass ihr bisheriger Weide-Kollege auch ein Fuchs ist. Winnie fühlte sich jedenfalls gleich zu Bandit hingezogen. Warten wir mal ab, wie sich die Sache weiter entwickelt.

Was auf jeden Fall sofort funktionierte, war eine ganz andere Vierbeiner-Freundschaft:

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Wonne mit Lilly – dem „Winnie-Begleithund“.

14. August 2014

Besuch auf dem Paddocktrail. Heute Nachmittag war der Bürgermeister da: Jürgen Schell – mehr Infos über ihn hier oder auf Facebook – hier.

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Barntrups Bürgermeister Jürgen Schell mit Ehefrau Andrea und Tochter Nele – beide Reiterinnen und große Pferdefans …

 

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… wie man hier bei Nele sieht. Jedes, wirklich JEDES Pferd wurde gestreichelt.

Weil der Paddocktrail der erste und einzige seiner Art in Lippe ist, wollte sich Barntrups erster Bürger ein Bild von der Pferdehaltung hier machen … und war begeistert. Das freut mich!!!

Natürlich wurde der Trail zuvor auf Hochglanz geputzt – kein Pferdeapfel weit und breit. So gehört sich das. In schönem Kontrast dazu standen die Pferde, die sich nach einem ergiebigen Regenguss just zuvor im Sand gewälzt hatten.

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Besonders gut erkennbar am Schimmel.

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Am Palomino.

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Und am „Teilbereichs-Schimmel“.

Aber die drei Besucher waren sich einig: dreckige Pferde in freier Natur sind glückliche Pferde.

Gefreut hat mich die Aussage von Andrea Schell, die seit Jahrzehnten reitet: „Ich würde nicht mehr in einem Reitstall reiten wollen, wo Pferde kein artgerechtes Leben führen können“.

13. August 2014 – Essen & Trinken auf dem Paddocktrail.

Heute: Trinken!!!

Im Paddocktrail gibt es derzeit 3 heizbare Selbsttränken – eine weitere ist außerhalb der Ställe geplant – und 2 Wasserbottiche vor den Ställen. Während Letztere eigentlich nur dazu dienten, die großrahmigen Pferde außerhalb der Ställe zu tränken, musste ich feststellen, dass mittlerweile alle Pferde – ausnahmslos – NUR aus den Wasserbottichen trinken. Die Selbsttränken im Stall sind trocken. Sie wurden schon seit Wochen nicht betätigt. Interessant.

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Pferde sind Saugtrinker und lieben offenes Wasser sowie eine natürliche Trinkhaltung mit abgesenktem Kopf und Ausfallschritt. Wilma genießt das kühle Naß.

Nach ein wenig Literaturstudium weiß ich auch warum: Pferde sind Saugtrinker. Das bedeutet, dass sie bei der Wasseraufnahme Ober- und Unterlippe fest zusammenpressen. Durch eine kleine Öffnung saugen sie das Wasser in großen Zügen ein und schlucken es mit Kaubewegungen ab. (Deshalb schlabbern und kauen die Pferde auch den letzten Schluck oft aus.)

Bei den hier installierten Selbsttränken handelt es sich um übliche Rohrventiltränken. Diese sind – zusammen mit den  Druckzungentränken – am meisten verbreitet. Bei beiden müssen die Pferde mittels Druck auf die Zunge/einen Rohrnippel Wasser anfordern. Lediglich ein kleiner Rest steht in der Tränkeschale – sicher auch aus hygienischen Gründen.

Dieses Trinkverhalten behagt dem Pferd, wenn es die Wahl hat, aber nicht sonderlich – wie ich gerade feststelle. Viel lieber mag es als Saugtrinker aus einem „stehenden Wasser“ in seiner Tränke trinken. Deren Schale sollte ausreichend groß sein und das Wasser selbständig nachlaufen. Dafür gibt es sogenannte Schwimmer- oder gewichtsbasierte Tränken, die stets eine gewisse Menge Wasser bevorraten und so den Pferden das natürliche Saufen in langen Zügen ermöglichen. Auch die ohne Stromanschluss frostfrei zu haltenden Balltränken gehören dazu. Allerdings funktionieren sie nur bei mäßigen Frostgraden und einer Mindestanzahl von etwa 10 Pferden.

Für meinen Paddocktrail habe ich aus meiner praktischen Erfahrung daher folgenden Schluss gezogen: die zum Winter geplante weitere heizbare Tränke wird eine Schwimmertränke und keine Rohrventiltränke sein.

Ausgesprochen interessant fand ich auch die Hinweise zur Höhe der Tränke. Beim natürlichen Trinkverhalten senkt das Pferd den Kopf ab. Empfohlen wird daher die Anbringung der Tränke in einer Höhe von 0,3 bis 0,4 mal Widerristhöhe – für Anton mit Stockmaß 1,70 Meter also in einer Höhe zwischen 50 und 70 Zentimeter über Bodenniveau. Vergleichen Sie einmal die Höhe der Tränken in den normalen Pferdeboxen. Sie sind zumeist viel zu hoch angebracht, weshalb die Pferde das Wasser schlechter abschlucken. (Quelle: Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten, 2009 – hier der Link)

Damit die in passender, niedriger Höhe angebrachte Tränke nicht verschmutzt wird, sollte man im Außenbereich einen Sockel drumherumbauen – beispielsweise aus Bruchsteinen – und in Boxenhaltung einen möglichst großen Abstand von der Tränke zur Krippe wahren oder die Tränke für das Pferd gut erreichbar außerhalb der Box anbringen. Der Sockel erfordert von den Pferden auch den – ebenfalls an das natürliche Trinkverhalten angelehnten – Ausfallschritt, den Dickmann hier in Ansätzen zeigt:

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Dickmann und Fin an der Tränke. Vor dem Winter werden die Bottiche durch eine heizbare Schwimmer-Tränke ersetzt.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch das Trinkverhalten der Wildpferde. Sie suchen, da sie zum Teil mehrere Kilometer zur Wasserstelle wandern müssen, diese nur ein Mal täglich auf, in Ausnahmefällen auch nur alle zwei Tage. Steht Wasser in nächster Nähe und ständig zur Verfügung, trinken Pferde öfter. Der Wasserbedarf ist abhängig von der Witterung und der Bewegung. Durchschnittlich rechnet man mit 3 Litern Wasser pro Kilo Futter-Trockenmasse.

Hier auf dem Paddocktrail gibt es zwei Zeiten, zu denen ALLE Pferde die Tränke aufsuchen: nach dem morgendlichen Heu-Frühstück und nach dem nachmittäglichen Weidegang. Ansonsten schätze ich, dass jedes Pferd bei den derzeit sommerlichen Temperaturen, rund 5 bis 6 Mal täglich zur Tränke geht. Je nach „Anreise-Entfernung“ ist das schon der erste Kilometer Bewegung auf dem Trail, dem sich viele, viele weitere anschließen.

8. August 2014 – Internationaler Spaßtag auf dem Paddocktrail

… und zum Schluss stand die Welt für Maxi auf dem Kopf.

Die ICJA-Austauschstudenten (mehr Infos zu ICJA hier), die derzeit im Westfälischen Kinderdorf in Barntrup (mehr Infos zum Kinderdorf Lipperland hier) ein „Working Camp“ machen, waren heute Nachmittag da.

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Nettes Gruppenfoto zum Auftauen.

Nach einer Runde über den Trail mit Pferde bewundern …

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(v. vorn) Chrystal und Sandy aus Taiwan, Natalia aus Rußland mit Wilma.

und schon mal Erinnerungsfotos schießen …

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Tatiana (aus Rußland) macht Fotos, Fotos, Fotos.

ging’s los mit „horse riding“.

Schritt 1: Pferd einfangen

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Dickmann wird „abgeführt“ von (v.li.) Harvey aus Süd-Korea, Teamerin Marie und Sandy.

Schritt 2: Pferd putzen

 

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Teamwork für „das Grobe“ …

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Natalia (Rußland) beim „polieren“.

Schritt 3: Pferd satteln

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Na, Maxi ….

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… wie war das noch mit dem Schlips-Knoten?

Schritt 4: ab in den Sattel – die Mutigen zuerst. (Für alle Fehlersucher: Nein, man reitet nicht mit Shorts. Ja, man trägt keine Sandalen am Pferd. ABER den „steifen Hut“, den setzen alle auf.)

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Guillem aus Spanien – der Name bedeutet zu Deutsch Wilhelm – geführt von Maxi Waros.

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Tatiana will (fast) alleine.

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Die beiden Schwestern helfen sich gegenseitig: Klara (im Sattel) und Kristina – beide aus Tschechien.

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Teamerin Kathi legt einen flotten Trab hin.

Und jetzt kommt Maxi! Trommelwirbel, Tusch!

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Schulterstand auf Dickmann. Braves Pferd!!!

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Die Welt steht Kopf – für Maxi. Und sie lacht immer noch.

Schritt 5: beim Pferd bedanken

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Dickmann – so ein Lieber – mit Natalia.

Und dann, nach drei Stunden Pferde gucken, reiten, knuddeln, hieß es leider Abschied nehmen.

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Noch schnell ein Foto mit dem Dickmann: Tatiana (li.) und Natalia.

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Natalia mag sich nicht trennen …

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… und begleitet Dickmann bis auf die Weide. „Only one minute please“, sagt sie.

Aber dann heißt es wirklich: Off you go! Macht es gut! Take care – all of you!

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Tschüß! Teamerin Marie.

Was ich, neben den vielen netten Gesprächen und Begegnungen, von diesem Nachmittag mitnehme, sind die Worte von Chrystal (Taiwan):

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Chrystal – 1,50 klein – mit Dickmann.

Chrystal reitet in Taiwan – „bigger horses“, größere Pferde, die aber in „small stables“ – engen Boxen leben. Vielleicht, hoffentlich trägt sie – zusammen mit den anderen – das Prinzip Paddocktrail hinaus in die Welt.

 

6. August 2014 – Essen & Trinken auf dem Paddocktrail.

Heute: Essen, Teil 2

Die Kraftfuttergabe ist in einer Offenstallhaltung wie dem Paddocktrail immer eine spezielle Herausforderung. Es gibt die Möglichkeit, den Pferden Futtereimer mit ihrer Ration umzuhängen. So löst es Gut Heinrichshof, die wohl größte deutsche Paddocktrail-Pensionspferdehaltung. Eine weitere Möglichkeit ist die Konstruktion von Fressständen. Die empfohlenen Maße sind: Widerristhöhe x 2 = Länge und Widerristhöhe : 2 = Breite. Für große Pferde wie Anton oder Wilma mit 1,70 m Stockmaß müsste der Fressständer 3,40 m lang und 0,85 m breit sein. Das nimmt bei in Kürze 11 Pferden zum einen viel von der Stallfläche in Anspruch. Zum anderen habe ich in der Vergangenheit nur mäßig gute Erfahrungen damit gemacht. Fin und Dickmann hatten Fressständer. Dickmann als Langsam-Fresser und rangniedriges Pferd hatte sichtbaren Stress, wenn sich Fin im Nachbarständer auch nur bewegte. Ich habe die Fressständer daher abgebaut und mich auch für den Paddocktrail dagegen entschieden.

Angedacht ist daher eine automatische Kraftfutterstation, die in Zusammenarbeit mit einer Technik-Schülerarbeitsgruppe am Gymnasium Barntrup entstehen soll. Die Schüler sind bereits in die Planungen eingestiegen, haben eine Lösung ausgetüftelt, die ein kompliziertes Wiegen ersetzt und viele weitere Details. Ich bin gespannt, wie es nach den Sommerferien (ab 19.8.) weitergeht.

Bislang übernehmen die Pferdebesitzer das Füttern von Kraftfutter und Mineralfutter aus Futtereimern außerhalb vom Trail.

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Heute Morgen nach dem Ausritt: Kraftfutter aus dem Eimer für Tinker Kenny.

Minerallecksteine sind auf dem Trail frei zugänglich. Bis auf Kenny und Anton sind hier alle Pferde leichtfuttrig und kommen augenscheinlich mit Heu, Mineralleckstein und gelegentlichem Zufüttern gut zurecht. Bei Fin gab es sogar aufgrund der fast auf Null reduzierten Müsli-Gabe eine ausgesprochen positive Entwicklung: seine Raspe – schorfige Stelle ähnlich Mauke, aber in Höhe des Vorderfußwurzelgelenks – ist komplett verschwunden. Ich wollte es der Züchterin seinerzeit nicht glauben als sie sagte „liegt alles an der Fütterung“. Stimmt. Für den dicken Tinker waren schon zwei Handvoll Müsli täglich zu viel.

Was gehört noch ins Kraftfutter? Öl – dachte ich bislang und habe meinen Pferden kaltgepresstes Leinöl gegeben. Viele Fütterungsexperten empfehlen es. Die Biologin Dr. Christina Fritz – die mit ihrem Buch „Pferde fit füttern“ die Meinungen polarisiert – macht dazu eine klare Ansage: weglassen. DENN Pferde haben keine Gallenblase, die große Mengen Galle, die für die Fettverdauung nötig wären, ausstoßen könnte. Vielmehr fließen ständig kleine Mengen Galle in den Darm, der auf die Verwertung von Raufutter, das kaum Fett enthält, ausgelegt ist. Außerdem könne der Öl-Nahrungsbrei im Dickdarm zur Störung der Darmflora und damit auch zur schlechteren Verdauung des Raufutters führen. Unzureichend verdautes (aufgespaltenes) Fett werde vom Körper abgestoßen – und zwar auch über die Haut. Ihre These: das schöne, glänzende Fell, das sich sehr zur Freude des Pferdebesitzers nach der Ölfütterung zeigt, ist eigentlich eine Stoffwechsel-Störung. Puh. Das ist harter Tobback, aber überdenkenswert.

4. August 2014 – Essen & Trinken auf dem Paddocktrail.

Heute: Essen!!!

Das Hauptfuttermittel für Pferde ist und bleibt Raufutter (Heu + Gras). Auf dem Paddocktrail gibt es derzeit beides: ca. 3-4 Stunden täglich Weidegang plus in der restlichen Zeit Heu „ad libitum“, wie es so schön heißt, also zur freien Verfügung. Auch Stroh ist für die Pferde immer zugänglich.

Was die „Soll-Menge“ Heu betrifft, sind sich Biologen und Fütterungsexperten (genannt seien die Biologin Dr. Christina Fritz, Margot Berger, Ingolf Bender) einig: 8-10 Kilo Heu für ein Großpferd pro Tag. „Was durchschnittlich in unseren Ställen verfüttert wird, ist etwa die Hälfte dieser Ration“, so Dr. Fritz (Quelle: Pferdplus 12/11).

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Heu „ad libitum“ und hier ungehindert als „Schnäppchen“ aus der Schubkarre.

Hmh. Da wollte ich doch mal ganz genau wissen, wie das hier auf dem Paddocktrail ist. Dazu habe ich verschiedene Heubunde gewogen. Ergebnis: Gewichte zwischen 9 und 11 Kilo, also im Durchschnitt 10 Kilo pro Bund. Die 8 Pferde (Stockmaß von 1,46 bis 1,70 m) plus 2 Shetties erhalten jetzt im Sommer zusätzlich zur Weide 7 bis 8 Bunde pro Tag, verteilt auf vier Heufutter-Plätze. Damit liegt die verfütterte Menge genau im Ideal-Bereich.

Dass die Pferde das auch so empfinden, zeigt die Tatsache, dass in den letzten Tagen oftmals sogar morgens noch Heu in beiden Heunetzen übrig war. Die Raufen, wo die Pferde ungehindert „zugreifen“ können, sind zumeist leer gefressen.

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Sanso und Schecki am Heunetz. In dieses „Großraumnetz“ passt ein kompletter Ballen Heu.

Dass ich am Morgen Rest-Heu vorfinde, ist relativ neu. Es zeigt mir: Pferde, die Heu „ad libitum“ zur Verfügung haben, fressen nach einer gewissen Übergangszeit nicht mehr als Pferde, die ihre Ration zugeteilt bekommen … es sei denn, man hält sie so knapp,wie Dr. Fritz oben beschreibt. Anfangs war es so, dass die Pferde über Nacht alles Raufutter „ratzputz“ aufgefressen hatten. Kein Hälmchen Heu war übrig. Ich erkläre mir das so, dass die Erfahrung von „Mangel“  dazu führte, dass quasi „auf Vorrat“ gefressen wurde. Wer weiß, wann es wieder satt gibt. Ich dachte schon: Hilfe, die hören ja nie auf zu fressen. Ein Irrtum, wie sich herausstellte. Jetzt, nach knapp zwei Monaten dauerhaftem Zugang zum Heu ist die „Wende“ da.

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Heunetze – sie sollen die Futteraufnahmezeit verlängern.

Mit dieser Erfahrung überlege ich, ob ich an den großen Heuraufen überhaupt noch „Fress-Verzögerer“ wie Heunetz oder Heugitter einbaue. Die Tatsache, dass manchmal auch hier noch Rest-Heu übrig ist, zeigt mir: so schnell fressen die Pferde auch aus den Raufen nicht. Ich werde das weiter beobachten.

Die Fressdauer betreffend fand ich einen Vergleich zum Wildpferd ausgesprochen spannend: das Wildpferd ist 16 Stunden am Tag mit Futtersuche (Wandern) und Futteraufnahme beschäftigt. Weiter mit Dr. Fritz: „In Boxenhaltung sind Pferde dagegen durchschnittlich nur sechs Stunden mit Nahrungsaufnahme beschäftigt und zwei Stunden erhalten sie Auslauf bzw. werden durch den Menschen bewegt. 16 Stunden haben sie dann absolut nichts zu tun„. Ich denke sogar,  dass zwei Stunden tägliche Bewegung durch den Reiter ziemlich optimistisch hoch gegriffen sind und das kaum ein Pferdebesitzer leistet, oder? Hand auf’s Herz! Also: 16-18 Stunden Langeweile und Nichtstun. Das macht nicht nur was mit der Psyche des Lauftieres Pferd, sondern auch mit seinem Körper, denn ohne Bewegung wird auch der Darm träge. Die Biologin beschreibt  Symptome wie Koliken und Fehlgärungen – und nicht zu vergessen: die Pferde-Geißel „Magengeschwür“. Wie weit Magengeschwüre, bedingt durch falsche Fütterung mit zu langen Fresspausen, verbreitet sind, zeigt eine Studie der dänischen Endokrinologin Nanna Luthersson. Per Endoskopie-Untersuchung bewies sie bei augenscheinlich gesund wirkenden Pferden, dass 80 – 90 Prozent von ihnen an Magengeschwürden litten.

Wenig Bewegung plus falsche Fütterung = krankes Pferd. Im Umkehrschluss: viel Bewegung plus Raufutter ad libitum = gute Voraussetzungen für gesunde Pferde. In diesem Sinne arbeite ich täglich mit dem Schubkarren-Heu-Bringdienst daran, dass die Pferde hier zufrieden und gesund sind – nicht wahr, Sanso?

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1. August 2014

Ein neues Pferd ist angekommen …

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Tinker Wallach „Kenny“. Im Hintergrund wird bereits das „Willkommen-Grillen“ vorbereitet.

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Besitzerin Esther – glücklich gelandet nach einem Zwei-Stunden-Ritt.

 

Während die Männer den Grill betreuen, zeigt Esther ihrem Kenny den Trail. Die anderen Pferde sind dabei auf der – in diesem Fall ausnahmsweise einmal geschlossenen – Weide und beobachten das Geschehen … nun ja … mäßig interessiert.

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Und jetzt Kenny alleine …

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Nase an Nase mit dem großen Chef Anton.

 

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Dickmann und Fingall riskieren auch einen Blick.

Alles verläuft absolut ruhig und friedlich. Nach nur einer Stunde holen wir die anderen Pferde von der Weide.

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Die Herde lernt „den Neuen“ kennen.

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Kurzer Check von Bandit …

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… dann geht’s erst mal gemeinsam Richtung Tränke.

Währenddessen wollen die Zweibeiner noch ein wenig debattieren.

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Kerstin (li.) & Kerstin Lemgo (re.), die mit Pferd Winni Mitte August einziehen wird.

 

Pferde gucken macht einfach Spaß.

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Die beiden „Anton“-Frauen: Britta (li.) und Elke.

Nun ist es aber Zeit für den gemütlichen Teil.

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Der Grillmeister „hat fertig“ – und die Fotografin schon Schieflage.

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Während die Zweibeiner es sich schmecken lassen, macht Neuankömmling Kenny, dieses abgeklärte, ruhige, freundliche, ganz besondere Pferd das, was er laut Besitzerin Esther immer in neuen Situationen macht:

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Kenny denkt nach.

 

29. Juli 2014 – die Zweite – großer Bahnhof

… auf dem Paddocktrail. Pferde-Physiotherapeutin Edda Eickhoff ist da. Eine Freundin beschrieb sie mir als „die Frau mit den Goldenen Händen“. Lange hatte ich vergeblich versucht, sie zu erreichen. Nun wurde Kerstin, Besitzerin von Wilma, aktiv und es hat auf Anhieb geklappt. Zum Glück. Fin ging lahm – ein akutes Hufgeschwür, wie auch Edda feststellte, das heute vom Schmied behandelt wurde. Dennoch wollte ich nach Fins „Auszeit“ letztes Jahr jemand haben, der immer mal wieder „einen Blick riskiert“. Anton trat seit einigen Tagen hinten links kurz. Er hat ja altersbedingt Arthrose. Wilma ist sowieso noch in Reha seit ihrer Verletzung im letzten Jahr. Viel Arbeit wartete auf Edda.

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Edda Eickhoff und Anton.

Um ihre Behandlung und die Griffe ein wenig zu dokumentieren, habe ich Edda gefragt, ob ich Fotos machen darf. Ich durfte und hoffe, dass die Bildunterschriften, die ich hier verfasse, so ungefähr passen.

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Eine Blockade im Halswirbelbereich wird gelöst.

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Kreuzdarmbeingelenk … Anton hat nichts. Aber viele Pferde haben hier Probleme.

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Nicht lachen! Auch das „Am Schweif-Ziehen“ und Wirbel-Ertasten gehört zur Behandlung.

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So ein großes Pferd wie Anton fordert ganzen Körpereinsatz – vor allem, wenn man so zierlich ist wie Edda.

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Bei aller Konzentration auf die vierbeinigen Patienten: Zeit zum Fragen beantworten hat Edda immer.

29. Juli 2014

Mit Pferden wandern … auf dem Paddocktrail. Als mein Kollege, Wolf Scherzer, von der Lippischen Landeszeitung Ende Mai hier war um einen Bericht zur Eröffnung zu machen, entstand ein Super-Foto, das für mich „typisch Paddocktrail“ ist. Ich erleb’s jeden Morgen beim Heu verteilen und Abäppeln. Danke, Wolf!

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Fingall und ich – gemeinsam unterwegs. (Foto: Wolf Scherzer)

26. Juli 2014

So langsam, ganz langsam mischen sich die einzelnen Pferdegruppen untereinander. Aktive „interkulturelle Zusammenarbeit“ leisteten von Anfang an die beiden Ponies.

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Friedliches Miteinander: Sanso (li.) mit Bandit, dem Chef der 3er-Bande.

Jetzt sehe ich immer öfter, dass die Stute Wilma – bislang eifersüchtig von Anton bewacht – beispielsweise mit Banner schmusen darf, dem „Sozialarbeiter“ der 3er-Gang … und Anton schaut entspannt zu. Heute Morgen fraßen Fin und Dickmann gemeinsam mit Wilma und Anton aus einer Heuraufe. Das wäre vor zwei Wochen noch nicht möglich gewesen.

Das Miteinander ist derzeit tiefenentspannt. Allerdings werden – so vermute ich und Berichte anderer Paddocktrail-Betreiber bestätigen das – die Pferde auch weiterhin überwiegend in ihren Gruppen bleiben, wo sie gemeinsam wandern, fressen, ruhen. Der Traum von einer ganz großen Herde wird wohl ein Traum bleiben. Ein solches Verhalten kann sich vermutlich nur in einer über Jahre gewachsenen Wildpferdeherde entwickeln – und auch da gibt es ja Freundschaften und Gruppenbildung.

Zum Thema Sozialleben von Pferden lese ich gerade ein interessantes Buch: „Gesunder Pferdeverstand für Menschen“ von Linda Weritz – mehr Infos zum Buch hier. Mehr Infos zu Linda Weritz hier. Das Buch stand lange ungelesen in meinem Bücherschrank. Vor allem der erste Teil, der das Verhalten von Pferden in der Herde analysiert und die Rolle von Leithengst, Leitstute beschreibt sowie das Pferdeleben in gemischten Gruppen, gleichgeschlechtlichen Gruppen etc. thematisiert, ist für mich als Paddocktrail-Betreiberin interessant. Aus der Seele gesprochen hat mir die Feststellung der Autorin, dass ein Miteinander in der Herde nicht nur auf Dominanz, verbunden mit ständigem Machtgerangel beruht. Wir Menschen behandeln Pferde oftmals nach dem Motto „ich Chef, du nix“. Dabei vergessen wir komplett, dass diese hoch-sozialen Wesen viel mehr Facetten im Zusammenleben kennen als bloßes Dominanzgehabe. Im Verhalten Pferd-Pferd wird nicht ständig die Rangordnung abgefragt – siehe oben. Die Frage „Wie ist das im Verhältnis Mensch-Pferd?“ – hat mir sehr zu denken gegeben. Ich erinnere mich dabei an den Ausspruch eines Wanderreit-Führers, der die extremen Auswirkungen von Pferde-Erziehung so beschrieb: „Was übrig bleibt, ist kontrollierter Fleischtransport“. Er meint – willenlose Wesen. Dazu der Schlussatz von Linda Weritz als Leitstern: „In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, dass Sie Ihr Pferd und seine Persönlichkeit bei der Arbeit und im Umgang zum Strahlen bringen, dass dieser Glanz auf Sie zurückfällt und Sie stets mit einem Blick begrüßt werden, der da sagt: ‚Schön, dass du da bist – uns was machen wir heute?'“

 

23. Juli 2014  – Wandern auf dem Paddocktrail

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Die 3er-Gruppe kommt von der Tränke am Stall zurück auf den Trail.

Nach knapp zwei Monaten Betrieb mit Beobachtung der Pferde hat sich herausgestellt, dass es bestimmte besonders intensive Wanderzeiten gibt:

  • nach dem Heu-Frühstück am Morgen gehen die Pferde abwechselnd in Gruppen zur Tränke am Stall und wandern anschließend mehr als den üblichen Weg zum nächsten Heunetz
  • nach der Weidezeit in den Abendstunden kommt richtig Leben in die Herde. Da geht es – kaum dass die Pferde von der Weide runter sind – im flotten Trab oder Galopp über den Trail. Es scheint fast, als ob sie sich den Trail zurückerobern. Die Pferdegruppen beobachten sich gegenseitig sehr genau. „Wer wandert als erstes Richtung Heuraufe? Schnell hinterher“. Oftmals drehen die Pferde dabei aus reiner Bewegungsfreude mehrere Runden.
  • in den frühen Morgenstunden. Das genieße ich besonders, denn ich kann das Schnauben der Pferde und die Schritte auf dem Trail vom Schlafzimmer aus hören. Einmal im Bett aufrichten, aus dem Fenster schauen: ah, da wandern sie, nahezu direkt vor meinem Fenster entlang. Herrlich! Das Leben IST ein Ponyhof!
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Wilma (vorn) und ihr Schatten Anton auf dem gleichen Weg, den die 3er-Gruppe zuvor beschritt.

Abgesehen von den oben beschriebenen „Rush-Hours“ ist den ganzen Tag über Bewegung in der Herde: kleinere Gänge von Heunetz zu Heunetz, immer gruppenweise. Bevorzugt bewegen sich die Pferde dabei in ruhigem, gleichmäßigen Schritt, in entspannter Kopf-Haltung – genau in der Gangart, für die viele Reiter kaum Geduld aufbringen, die jedoch für die Durchblutung und den Muskelauf- sowie Stressabbau so wichtig ist.

Die meisten Kilometer machen eindeutig die Mitglieder der 3er-Gruppe und das kleinste Pferd der Herde: Sanso. Wollte ich Plätze/Ränge nach Bewegungsfreude der Pferde vergeben, sie würden so aussehen:

  1. Platz:  Bandit (er ist ständig irgendwo auf Achse, oft allein, dann wieder auf dem Weg zu „seinen Leuten“)
  2. Platz: Shetlandpony „Sanso“ (stetig, stetig in kleinen Nähmaschinen-Schritten, macht der Kleinste und Älteste richtig Meter)
  3. Platz: Banner (er hängt sich oft an Bandit, seinen Chef – aber lässt es ruhiger und langsamer angehen)
  4. Platz: Falco (ja, er bleibt auch gern länger am Heunetz oder im Unterstand und lässt die anderen ihrer Wege ziehen)

Die „Rote Laterne“, den letzten Rang muss ich leider meinem Tinker „Fin“ verpassen. Er ist ein echter Energiesparer, der sich nur im äußersten Notfall oder unter Gruppenzwang – wenn alle anderen auch laufen – in Bewegung setzt.

22. Juli 2014 

Hmh. Drei Fragezeichen über meinem Kopf. Ich hatte mich ja entschlossen, den Teich nicht zu bauen – aus hygienischen Gründen. Ich glaube, solch eine Wasserfurt bleibt nur sauber, wenn ein Bach, also ein fließendes Gewässer sie speist. Bislang haben sich die Pferde auch überhaupt nicht für den „Möchte-Gern-Teich“ interessiert, der sich nach dem Regen selbst gebildet hatte. Bislang …

Aber nun sehe ich dieses Bild:

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Banner nimmt ein Fußbad.

Und genau für solch ein Fußbad für die Hufe wünsche ich mir eine Wasserfurt im Paddocktrail. Ich glaube, ich werde doch nochmals über Teich-Alternativen nachdenken, denn die Senke mit WENIG – die Betonung liegt auf WENIG – Wasser lieben die Pferde doch sehr, wie man sieht.

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Banner (li.) und Bandit im „Möchte-Gern-Teich“.

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Bandit beim „Rauskrabbeln“. Das gibt Muskeln in der Hinterhand.

20. Juli 2014  –  Teil 2

Süchtig nach Sommer

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Anton (li.) und Dickmann unterwegs auf dem Teut Richtung Bega.

Gestern Abend im Sattel. Heute Abend im Sattel. Elke und ich können derzeit nicht genug bekommen von gemütlichen Ritten in den Sonnenuntergang. Gestern ging’s Richtung Hettberg und zurück durch Alverdissen-City (Letzteres war so nicht geplant, aber dennoch nett). Heute erkundeten wir die andere Richtung: den Teut und die Stoppelfelder vor Bega mit einem Abstecher bei den Nachbarn Klaus und Claudia Sievers auf dem Eselhof Teut.

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Auf dem Eselhof Teut. Danke Claudia für’s Foto machen und Danke Klaus für’s Pferdeäpfel wegschaufeln – im Bild links unten. (Foto: Claudia Sievers)

Der Eselhof liegt rund einen Kilometer entfernt vom Paddocktrail. Wer Lust hat, etwas über Esel zu lernen oder gemütliche Spaziergänge mit Langohren zu unternehmen zu unterschiedlichen Themen ist bei Claudia und Klaus Sievers auf dem Teut genau richtig. Mehr Infos hier.

20. Juli 2014: Frühstück „Bei Ponys“

Dieses Bild der Eintracht …

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Anton (li.) und „seine“ Stute Wilma beim Frühstück

… wagt keines der anderen Pferde zu stören. Die 3er-Gang hält stets gebührenden Abstand von Chef und Chefin. Dickmann und Fin schleichen sich schon mal an der Heuraufe vorbei zur nächsten. Aber so gar nicht beeindruckt sind die Ponys, die eine eigene „Frühstücks-Strategie“ entwickelt haben. Schecki zeigt, wie es geht:

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Schritt Eins: Ganz dezent dazugesellen und dabei völlig uninteressiert in die anderen Richtung schauen.

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Schritt Zwei: Bei passender Gelegenheit – wenn „die Großen“ nicht aufpassen – schnell ein Häppchen nehmen.

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Schritt Drei: Wer sagt, dass man das Maul nicht so voll nehmen soll? Es müssen schließlich Vorräte geschaffen werden.

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Schritt Vier: Geschafft! Jetzt schnell wieder ganz klein machen … und essen.

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Größenvergleich Heuraufe-Pony

Dabei geht es auch ganz stressfrei:

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„Mundgerecht“ serviertes Heu in den Heunetzen.

Aber auch Sanso hat kurze Zeit später eine andere Idee. Zu sehr verlockt es, einmal dabei zu sein beim …

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„Captains Dinner“ mit den Chefs.

19. Juli 2014: 

Heute Morgen ganz früh. Der Paddocktrail hat Besuch. Nur von wem?

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Diese Beiden saßen auf der oberen, großen Weide im Paddocktrail. Mich ließen sie leider nicht näher als zwanzig Meter an sich heran, so dass die Fotos mit der kleinen Kamera und äußerstem Zoom fast alle unscharf wurden. Als ich sah, dass sie mit den Pferden überhaupt kein Problem hatten und Banner, Bandit und Falco auf ihrem Weg zur hinteren Heuraufe bis auf einen Meter an sich herankommen ließen, mischte ich mich mitten unter die Pferde und so gelangen mir die Aufnahmen.

Wieder im Hause setzte ich mich gleich an den Rechner. Ziemlich klar anhand ihrer Stimmen hatte ich sie als „Gänse“ ausgemacht. Aber welche Sorte? Google wusste es. Es sind Wildgänse aber KEINE Kanadagänse, Brandgänse, Saatgänse, Ringelgänse, Blässgänse, Graugänse . Nein, diese Beiden sind etwas ganz Besonderes, ja Exotisches. Es sind Nilgänse. Der Kringel um ihre Augen ist markant.

Nilgänse stammen eigentlich aus Ägypten. Wikipedia bezeichnet sie als „Gefangenschaftsflüchtlinge“. Wir romantisch, dass sie hier im Paddocktrail Heim und Bleibe gefunden haben. Hach. Noch was Romantisches gefällig? Nilgänse sind heilige Vögel, dem Gott Amun gewidmet. Sie sollen das Licht in die Welt gebracht haben – als „große Gackerer“.

Ich vermute, dass meine 8köpfige Gänseschar, die hier täglich als „große Gackerer“ den ganzen Teut unterhalten, das Pärchen angelockt hat. Die Idylle auf dem Paddocktrail mit den drei großen Weiden, dem kleinen Wäldchen zum Verstecken, meinem Gartenteich und den anderen Gänsen muss ihnen gefallen haben. Nach einem gemächlichen Spaziergang über die Weiden und Wege auf dem Trail, flogen sie jedoch davon. Ich habe sie noch lange in der Nähe gehört und hoffe, sie ganz bald und ganz oft wiederzusehen.

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Junge (und Mädel) – komm bald wieder, bald wieder auf den Trail.

 

 

18. Juli 2014: 

Hitze, Hitze, Hitze. Keine Lust zu Fotografieren. Zeit für eine Rückschau auf den Paddocktrail in der hiesigen Presse.

Den Auftakt machte die Lippische Landeszeitung in der Ausgabe v. 24./25. Mai 2014:

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Es folgte eine Woche später der Nordlippische Anzeiger in seiner Ausgabe v. 31.5.2014:

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und heute kam noch eine ganz besondere Zeitung dazu …
Die Ferienspielzeitung des KOMM e.V. „Tempus“ v. 18.7.2014:

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17. Juli 2014: 

13.30 h. Gefühlte 30 Grad C. Siesta im Paddocktrail. Die Hitze brütet. Die Weide ist offen. Kein Interesse. Alle bleiben bei diesen Temperaturen mit „Bremsen-Alarm“ unter Dach:

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Wilma und Anton im linken Abteil.

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Banner, Bandit … und hoppla … nur das Hinterteil erwischt …

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… Falco …, die 3er-Gang im rechten Abteil.

Seit der große Unterstand in zwei Bereiche eingeteilt wurde, ist die Lage noch entspannter. Die 3er-Bande steht sozusagen Nase an Nase mit dem Chef – sicher getrennt durch eine Bretterwand in der Mitte des Unterstandes. Alles völlig entspannt und stressfrei.

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Der hintere Teil des Unterstandes wird an dieser Seite noch geschlossen. Dafür wurden vom Reitplatz aus an der schmalen Seite zwei Eingänge geschaffen.

Die alten Ställe werden nach wie vor am liebsten und eigentlich ausschließlich von meinen Pferden genutzt. Pferde sind Gewohnheitstiere.

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Dickmann

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Fingall

Und daneben:

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Sanso sicher im „Zwergenland“. Schecki ist vorsichtshalber ganz im Stall verschwunden.

So was nennt man „Hundstage“, oder?

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Wonne – mit Ausruhen vollkommen ausgelastet.

16. Juli 2014: Fragen – Fragen – Fragen

Seit Eröffnung des Paddocktrails erhalte ich per Email Fragen unterschiedlichster Art. Das Interesse, vor allem an der praktischen Umsetzung ist riesen-groß. Das sehe ich auch in der Xing-Gruppe und der Facebook-Gruppe zum Thema „Paddocktrail“.

Ich habe hier mal einige Fragen, die mich erreichten und meine Antworten zusammen gestellt:

Frage v. 5.6.2014 von Martina und 10.7.2014 dieselbe Frage von Kyra: Habe gerade mal auf deiner Internetseite Paddocktrail Alverdissen gestöbert. Finde ich klasse. Befinden uns selber auch gerade im Aufbau eines Pensionsbetriebes mit Paddocktrail. Hattest du große Schwierigkeiten bezüglich Genehmigungen usw.? Vielleicht kannst du mir verraten, ob du im Außen- oder Innenbereich bist?Wie hast du das denn bei der Landwirtschaftskammer angestellt, als Landwirtin im Nebenerwerb angesehen zu werden?

Meine Antwort v. 12.7. (natürlich habe ich auch Martina zeitnah im Juni geantwortet): Ich liege im Außenbereich und zusätzlich noch im Landschafts- und Quellschutzgebiet. Ich habe es geschafft, aber es war zäh. Als klar war, ich müsste Landwirtin im Nebenerwerb werden, um „privilegiert“ zu sein und im Außenbereich bauen zu dürfen, habe ich im ersten Schritt Dr. Tanja Romanazzi (mehr Infos hier) mit dem Erstellen eines Plans plus Businessplan zur Vorlage bei der Landwirtschaftskammer beauftragt. Das Geld war es mir wert und es hat geklappt. Ich hätte alle Posten, die man aufführen muss, überhaupt nicht auf die Reihe bekommen. Landwirschaftskammer: Ich hatte hier einen Ortstermin. … Ich habe die Einmaligkeit des Paddocktrail in Lippe (unser Kreis) herausgestellt. So was gibt es hier noch nicht. Glaube an Dein Projekt, glaube an den Paddocktrail und kommuniziere das entsprechend. Immer wieder. Ich wünsche Dir ganz viel Glück.

Frage v. 1.7.2014: Hallo, welchen Schotter haben Sie auf den Wegen im Trail verwendet? Treten die Pferde sich Steine in die Hufe ein? Viele Grüße Katrin

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Barhufe und Schotter – hier der Huf von Fin bei der Vermessung zur Anpassung von Hufschuhen. Viele Pferdebesitzer haben Angst, dass die Pferde sich Steine eintreten.

Meine Antwort v. 2.7.2014: Hallo Katrin. Ich habe hier Schotter der Körnung 0/32 eingebaut – in großen Teilen als Unterbau, aber an den beiden Aufgängen auch als Tretschicht. Ich habe mich bewusst und aus Kostengründen für Schotter mit 0-Anteil entschieden, weil ich den Boden nicht durchlässig benötige, da Gefälle eingebaut wurde. Bislang habe ich beste Erfahrungen. Es ist nicht ein Stein im Huf. Da haben wir uns alle schon gewundert und natürlich gefreut. Allerdings ist das Abäppeln vom Schotter wirklich übel. Ach ja: es gibt auch Recycling-Material aus Abbruchhäusern. Das ist noch günstiger. Ich durfte es hier aber nicht verbauen, da die Anlage in einem Quellschutzgebiet liegt.

Frage v. 11.7.2014: Hallo, ich habe mal eine Frage. Mit was für einem Erdbohrer haben Sie die Pfosten für den Trail gebohrt? Wir wollen auch einen Trail machen und suchen gerade die „einfachste“ Möglichkeit. Viele Grüße, Melanie

Meine Antwort v. 12.7.2014: Hallo Melanie. Die Wahl des Erdbohrers solltest Du nach Bodenbeschaffenheit machen. Ich habe vom 1-Mann-Motorbohrer von Stihl, über 2-Mann-Motorbohrer von Stihl bis hin zum großen Bohrer hinter dem Trecker alles im Einsatz gehabt.

11. Juli 2014

Guten Morgen, Deutschland. Guten Morgen, Paddocktrail. Wir spielen das morgendliche Bäumchen/Heuhaufen-Wechsel-Dich-Spiel.

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1. Heuraufe mit Chef und Chefin – Anton (li.) und Wilma.

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2. Heuraufe mit der Dreier-Gang: (v.li.) Falco, Bandit und Banner. Glück gehabt. Eigentlich stehen die drei an dritter Stelle der Rangordnung.

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2. Heuraufe. Schichtwechsel. So kennen wir es: Dickmann (li.) und Fin – in der Rangordnung auf Platz Zwei.

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2. Heunetz. Ok. Dann geht’s hier weiter mit dem Frühstück für die Dreier-Gruppe.

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Ist auch ganz nett, findet Banner (vorn).

Hoppla. Da fehlt doch noch jemand …

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Klein, aber sie weiß sich zu helfen: Shetty-Stute Schecki nimmt schon mal einen „Happs“.

Seit er es am Dienstag vor Publikum geschafft hat, durch das halb-offene Weidetor zu „wischen“, weiß Sanso sich erst recht zu helfen:

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Shetty-Wallach „Sanso“ bei einer „Zwischenmahlzeit“. (Im Vordergrund der Strich ist ein Elektrozaun mit „vollem Saft“, wie die Messung ergab.) Ab sofort trägt das Pony halbtags und nachts Fressbremse.

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1. Heunetz: Zu guter Letzt haben die „Außerirdischen“ auch ihr Plätzchen gefunden.

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Nicht wahr, Sanso, Du alter Schelm.

10. Juli 2014

Regentropfen, die an Dein Fenster klopfen. Hier blieb es heute um 18 Uhr nicht beim „klopfen“. Es prasselte. Nach dem großen Wolkenbruch, der im benachbarten Extertal sogar als Hagel runterkam, war mein „Teich“ gut gefüllt.

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Go west!

… der Sand vom oberen Laufweg hat sich bei dem Wolkenbruch gen Westen aufgemacht um sich im „Teich“, der ja gar keiner werden soll, zu sammeln. Die „oberste Bauaufsicht“ inspiziert das neu entstandene Biotop.

 

8. Juli 2014

16 Ferienspielkinder aus Alverdissen und 3 Betreuer besuchten heute im Rahmen der Ferienspiele des Barntruper KOMM e.V. – mehr Infos hier – den Paddocktrail. Vor der rund 1,5-stündigen Begehung gab es eine kleine Einweisung: bitte nicht füttern, bitte vor dem Anfassen erst die Pferde ansprechen, ruhig und langsam gehen, LEISE sein und in der Mitte der Wege eine Laufgasse für die Pferde frei halten. Viel Input für die 6- bis 11Jährigen, die sich am Aufgang zum Trail erst einmal zu einem Gruppenfoto postierten:

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Gruppenfoto der Ferienspielkinder des KOMM e.V. Das kleine braune Etwas in der Mitte ist Pony Sanso … reichlich beschmust an diesem Vormittag.

Dann ging’s rauf zu den Heuraufen – immer die Pferde im Schlepptau. Die Kinder hatten überhaupt keine Berührungsängste. Ein kleiner Junge, der von Wilma neugierig verfolgt wurde, sagte nur: „Ach, ich dachte, das ist ein Mensch“. Dann drehte sich der Knirps um und streichelte dem im Verhältnis zu seiner Körpergröße drei Mal so großen Pferd die Nase. „Hmh, riecht das lecker“, war der Kommentar zum Heu in der Raufe, das sich Wilma und Anton gerade schmecken ließen.

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Kinder und Pferde – ein großes Glück.

Weiter ging’s zur nächsten Heuraufe mit Fragen wie „Frau Frevert, kennst Du ….“ und dann kamen zig Pferdenamen von Rocky, Linda und so weiter, auf denen die Kinder entweder Reitunterricht bekommen oder voltigieren. Ich fand es erstaunlich, dass bei dieser zufälligen Auswahl von Kindern rund fünfzig Prozent bereits Pferde-Erfahrung haben oder regelmäßig Pferdesport betreiben.

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Eine Gasse in der Mitte für die Pferde – das klappte nach entsprechender Erklärung ganz hervorragend.

Auch die Kinder, die vom KOMM e.V. in der Offenen Ganztagsschule betreut werden, gehen regelmäßig zum Voltigieren. Das zeigt: Reiten ist kein Sport für eine elitäre Minderheit. Reiten ist Breitensport. Reiten ist Jugendarbeit. Reiten und der Umgang mit Pferden schulen das Selbstbewusstsein, das Körpergefühl und die Fähigkeit Verantwortung zu übernehmen. Daher, liebe Politiker, überlegt es Euch gut, ob Ihr eine Pferdesteuer einführen und den Kindern damit die Chance auf einmalige Erlebnisse mit dem Lebewesen Pferd nehmen wollt.

Wo war ich? Ach ja, bei der zweiten Heuraufe:

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Anton nimmt Kontakt auf. „Du, Frau Frevert, warum ist das Pferd so gelb?“ …

… das war nur eine von vielen, vielen Fragen, die mir die Kinder stellten. Die meisten konnte ich beantworten. So nehmen die Ferienspiel-Kinder Informationen über den „Erfinder“ des Paddocktrail-Prinzips Jamie Jackson mit nach Hause, die Info, dass ein Boxenpferd nur 170 Meter am Tag läuft, ein Wildpferd aber rund 30 Kilometer und ein auf dem Paddocktrail gehaltenes Pferd immerhin zwischen 5 und 20 Kilometern. All dies wird in den Artikel einfließen, den die Kinder nach der zweiwöchigen Ferienspiel-Zeit über ihre Erlebnisse schreiben wollen.

Und was nehme ich mit? Auch ein paar Zahlen. Ich weiß jetzt, dass es auf dem Fußweg von Alverdissen-City bis zum Paddocktrail, den die Kinder heute morgen zurücklegten, 470 Nacktschnecken gibt.

Zum Abschluss war noch die Frage zu beantworten: „Wie kommen die Pferde auf die Weide“? Meiner Erklärung dazu „Dies hier ist ein Weidetor mit flexibler Elektrolitze“ lauschten zum Schluss der Führung nicht nur die Kinder sehr aufmerksam, sondern auch von mir unbemerkt ein Vierbeiner: Shetlandpony Sanso. Er nutzte die praktische Demonstration, wie man das Weidetor öffnet, dazu, sich schwupps selbst auf die Weide zu bringen. Dann wollten alle anderen Pferde natürlich auch.

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Weidegang – heute mal ein bisschen früher. Dafür sorgte Pony Sanso (im Vordergrund) – der Schlaumax.

 

 

5. Juli 2014

Oh, wie mich das freut! Die Haltungsform Paddocktrail für Pferde gewinnt immer mehr Interessenten – auch im Bereich der Landwirtschaft. Gestern rief dieser nette, junge Mann bei mir an:

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(Foto: Privat)

Es ist Jonas Bornebusch, 23, Student an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde. Infos zur Hochschule hier. Er schreibt derzeit an seiner Bachelor-Arbeit, die er dem Thema …. „Paddocktrails in Deutschland“ gewidmet hat. Sein Interesse ist „hausgemacht“, denn auf dem elterlichen landwirtschaftlichen Betrieb Gut Wahrberg im schönen Altmühltal nahe Nürnberg – Infos hier – stehen 60 Pensionspferde.
Gemeinsam haben wir seinen Fragenkatalog abgearbeitet – beginnend mit „Wie sind Sie auf das Prinzip Paddocktrail gekommen“ über die Betriebsgröße, die Höhe der Investitionen, Informationen zur Rau- und Kraftfutter-Fütterung, die Ausgestaltung des Paddocktrails „Welche unterschiedlichen Bereiche haben Sie auf dem Trail“ bis hin zum täglichen Arbeitsaufwand und dem erzielten Umsatz. Bis auf die Frage „Gibt es einen Unterschied in der Nutzung des Trails durch die Pferde im Winter“ konnte ich ihm alle seine Fragen beantworten.
Jonas war im Gegenzug so freundlich, mir schon ein erstes Fazit seiner im August fertig werdenden Bachelor-Arbeit zu verraten. „Der Paddocktrail ist eine Haltungsform, die sich besonders gut für Betriebe eignet, die nicht so viel Fläche haben, aber dennoch eine artgerechte Pferdehaltung bieten möchten“, erklärt er mit typischem Landwirt-Blick auf Flächen-Ressourcen. Er besuchte 7 Betriebe – vom kleinen Paddocktrail in Privathand bis zum großen Pensionspferde-Paddocktrail Gut Heinrichshof – und führte dazu noch Telefon-Interviews. Außerdem hat Jonas bei seiner Recherche festgestellt, dass der Paddocktrail sehr gern als Genesungsprogramm für Pferde genutzt wird. Hufrehe, Arthrose, Lungenemphysem – für Pferde, die Probleme im Bereich Huf, Lunge, Bewegungsapparat haben, hat sich diese Haltungsform als Mittel der Wahl etabliert.
Ich möchte hier noch die seelische Komponente als Benefit hinzufügen: die Ausgeglichenheit der Pferde, der Wohlfühlfaktor Sozialkontakte und die Möglichkeit zu freier Bewegung 24 Stunden am Tag.
Lieber Jonas, Du hast Dir ein tolles Thema für Deine Bachelorarbeit ausgesucht. Danke, dass ich sie, wenn sie fertig ist, lesen darf.

4. Juli 2014

Im untergehenden Licht der Sonne zufrieden wandernde Pferde, ein Schnauben hier, ein leises Wiehern dort, eine Halbmondsichel, davor die hier zahlreich wohnenden Fledermäuse – DAS hatte ich gestern Abend beim „Probezelten“ auf der großen Weide im Paddocktrail – neugierig beäugt von allen Pferden. In diesem romantischen Moment der „Glückseligkeit“ dachte ich einmal nicht an:

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PFERDEÄPFEL

Denn bei aller Romantik muss man es ganz deutlich sagen: grasende, Heu fressende Pferde produzieren jede Menge Pferdeäpfel. Die sind im Konzept des Paddocktrail der „Knackpunkt“. Während der übliche Stall, Paddockstall, Offenstall räumlich begrenzt ist, gibt es auf dem Paddocktrail lange Wege, die saubergehalten werden müssen – und zwar in Handarbeit, denn einfach mit dem Frontlader abschieden und aufladen, ist in diesem Haltungssystem mit seinen unterschiedlichen Untergründen und vor allem bei meinen räumlichen Gegebenheiten (bergrauf/bergrunter) nicht möglich. Wie wichtig Hygiene im Paddocktrail ist, zeigt die Tatsache, dass Jörg Weber im Buch „Paddock Trail“ diesem Thema ein ganzes Kapitel gewidmet hat. Er schreibt: Es versteht sich von selbst, dass peinliche Hygiene (= regelmäßiges Abmisten des Trails) eine Grundanforderung an diese Haltungsform ist. Seine Anlage wird – wie der Paddocktrail Alverdissen, samt Weiden – zweimal täglich komplett gemistet. Der Arbeitsaufwand derzeit bei 9 Pferden liegt hier bei knapp drei Stunden pro Tag. Aber die Plackerei ist auch für etwas gut. Dazu Hufschmied Jörg Weber: In den vergangenen Jahren erlebten wir keinen Fall von Strahlfäule.

 

1. Juli 2014

In der aktuellen Cavallo gibt es einen, nein gleich zwei interessante Artikel zum Thema „Paddocktrail“: auf S. 124 erklärt der Schmied Burkhard Rau die Auswirkungen unterschiedlicher Böden auf die Hufqualität; auf S. 132 geht’s um „Schöner wohnen für Pferde“ und den idealen Stall. Zitat aus Letzterem: In freier Wildbahn gehen Pferde bis zu 16 Stunden am Tag mit gesenktem Kopf grasend über die Wiese. Dabei legen sie bis zu 30 Kilometer zurück. Der Vergleich zur Bewegung eines Boxenpferdes – drei Absätze weiter zu lesen – hat mich sehr traurig gemacht: In der Box bewegen sich Pferde lediglich 170 Meter am Tag. Dem ist nichts hinzuzufügen
Ich bin so froh, den Paddocktrail angelegt zu haben. Die Mühe der Bauarbeiten hat sich gelohnt. Die Pferde sind immer unterwegs … wie man sieht:

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Shetties … zielstrebig auf dem Weg zur Heuraufe.

29. Juni 2014

Wenn einer eine Reise macht, dann kann er was erleben. Auch Merrit und Lasse aus Hannover wollten beim Besuch ihrer Tante Elke (Besitzerin von Anton) im Extertal etwas erleben. Das hat auf dem Paddocktrail geklappt. Die Pferde präsentierten, angestiftet von Wilma, zunächst fünf Minuten lang wilde Galoppaden um den gesamten Trail – einfach so aus Spaß. Völlig neue Seiten. Dann gab es eine laaaange Pony-Einfang-Aktion mit glücklichem Ausgang – wie man unten sieht. Na, das war doch mal ein gelungener Tag auf dem Land für zwei Großstadt-Kinder.

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Ganz stolz nach einer Runde Ponyreiten: Merrit auf Schecki (li.) und Lasse auf Sanso (re.) mit Elke und Christian Grabenhorst als geduldige Ponyführer … mit nassen Füssen.

27. Juni 2014 – die Erste

Heute Mittag waren drei Schüler des Städtischen Gymnasiums Barntrup mit Schulleiter Friedrich-Martin Dreier da. Sie sind Mitglieder der Arbeitsgruppe „Jugend forscht“, die in anderen Jahrgängen bereits einige Preise „abgeräumt“ hat. Wir wollen gemeinsam einen Kraftfutter-Automaten für den Paddocktrail entwickeln und bauen – mit dem gewissen Etwas. Nach einer Begehung des Paddocktrails …

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… folgte eine erste Besprechung. Da die Jungs es von ihrem „Direx“ gewohnt sind, zum Auftakt einer jeden Stunde, zunächst fünf Tafeln Schokolade als „Denkfutter“ zu erhalten, wollte ich mich auch nicht lumpen lassen, wie man sieht ….

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Brüten bei Tee und Kuchen über den Plänen für einen Pferdefutter-Automaten: die Technik-Genies der 9. Klasse des Städtischen Gymnasiums Barntrup (v.li.) Marlon Roche (14), Schulleiter Friedrich-Martin Dreier, Jakob Schmidt-Rhaesa (15) und Luca Wehrmann (16).

Bereits im Vorfeld hatten die Jungs eine Zeichnung angefertigt und sich überlegt, welche Bauteile benötigt werden: 5 Ampere-Relais, Nanoline-Steuerung, Ablaufdiagramme. Ich verstand nur Bahnhof. Der nächste Schritt ist der Besuch einer solchen Fütterung in einem Betrieb, um die Abläufe und Anforderungen in der Praxis kennenzulernen. Eine entsprechende Pferdeanlage zu finden, ist nun mein Job. Wenn es nach den Jungs geht, würden sie am liebsten gleich in den Sommerferien starten. Aber … so schnell geht’s nicht. „Lieber gut planen als zwei Mal bauen“, bremst Schulleiter Dreier, der – und das finde ich riesig nett – obwohl er nächste Woche in den Ruhestand geht, dieses Projekt dennoch begleiten wird. DANKE!

27. Juni 2014 – die Zweite

Um 15 h ging’s technisch weiter. Luftbilder vom Paddocktrail sollten gemacht werden. Ich konnte dafür den Naturfilmer Ulli Schaper-Krieglsteiner aus Hameln gewinnen. Er kam mit einem silbernen Koffer. Inhalt: eine kleine „Drohne“ mit Kamera.

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Ulli macht die Drohne flugfertig. Wonne ist völlig aus dem Häuschen. Das Ding piept und surrt und blinkt und dann …

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… hebt es ab.

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Drohne mit Kamera

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Die Steuerung und der Bildschirm, auf dem man die Luftbilder vom Boden aus mitverfolgen kann.

Die Kamera schießt unentwegt Fotos, was ganz lustig ist, denn als erstes fotografierte sie beim Start die Paddockplatten in Großaufnahme. Aber dann ….

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Ab geht’s in die Luft. Da kann Wonne nur staunen – und ich fotografieren. (Foto: Ulli Schaper-Krieglsteiner)

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Immer höher, immer höher. Bis zu 300 Meter hoch kann die kleine Drohne fliegen. Die Pferde lassen sich bei ihrem täglichen Weidegang nicht stören. (Foto: Ulli Schaper-Krieglsteiner)

Irgendwann war der kleine „Flieger“ so hoch, dass er den kompletten Trail fotografieren konnte. So war der Plan. Die Ergebnisse sind unter „Bauplan“ eingestellt. Eine Beschreibung des Trails folgt hier in Kürze. DANKE! an Ulli, der übrigens zwei ganz tolle Naturfilme gemacht hat. Der erste zeigt Moschusochsen in einem Naturpark in Norwegen und der zweite, gerade fertig gestellte 23.000 Kraniche in Schweden. Ulli saß dafür u.a. einen ganzen Tag in einer kleinen Kiste. Aber es hat sich gelohnt. Wohl selten kam jemand so nah an die scheuen Kraniche heran. Die Musik zu diesen beiden Filmen hat Elke Kuboschek gemacht. Sie spielt Hang und singt – fantastisch, überirdisch, muss man gehört haben. Hier mehr Infos über Ulli. Hier mehr Infos über Elke.

25. Juni 2014

„Interessant. So was habe ich noch nie erlebt. Die Pferde unterhalten sich ja richtig“, erklärte mir heute Carmen, die sich derzeit um Anton kümmert. Anton hatte auf dem Sandplatz am Wäldchen gelegen. Wilma, seine geliebte Stute, brummelte „Kommste mit“ und zog los Richtung Stall zum Wasser trinken. Anton stand natürlich sofort auf, aber bevor er Wilma folgte, brummelte er Dickmann und Fin zu, die am Heunetz direkt nebenan stand „Kommt Ihr auch mit“. Die Beiden wiederum brummelten der 3er-Gruppe zu, die an der benachbarten Heuraufe fraßen. Schließlich machten sich alle Pferde geschlossen auf den Weg zur Tränke. Carmen beschrieb die Kommunikation nicht als das übliche Wiehern, sondern tatsächlich als Abstimmung, die in eine gemeinsame Wanderung mündete. „Ich hatte richtig eine Gänsehaut“, sagte sie. Ach, ist das schön, Pferde so zu erleben!

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Kommunikation unter Pferden auf dem Paddocktrail. Die 3er-Gruppe (v.li.) Banner, Bandit und Falco schaut interessiert dem Zweispänner von Nachbar Klingenberg zu, der heute Abend unten auf der Straße entlangfuhr. (Foto: Yvonne Steinbock)

23. Juni 2014

Uff! Geschafft! Die immer länger gewordene Startseite mit ihren drei Rubriken „Praxis“, „Pferdeverhalten“ und „Produkte“ wurde in einzelne, übersichtliche Seiten gesplittet. Nicht wundern, sondern einfach auf die Unter-Punkte klicken, dann geht’s weiter.

22. Juni 2014

Alle Pferde lieben die Heukiste mitten auf dem Reitplatz: viel Platz drumherum, alles im Blick, prima. Dabei ist dort nur Stroh drin. Dennoch vergnügen sich die Pferde in Wechselschichten an dieser Heukiste. Irgendwer „puzzelt“ immer darin. Wenn – so wie auf dem Foto – das Liebespaar Anton und Wilma die Kiste belegen, steht die 3er-Herde schon oben auf dem Beobachtungsposten und wartet auf eine Gelegenheit. Es gibt eben so „Lieblings-Sachen“ – auch bei Pferden.

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Ein beliebter Platz ist die Heukiste mitten auf dem Reitplatz. Im Hintergrund: einer der beiden Aufgänge zum Trail.

 

21. Juni 2014

13 h. Die Pferde gehen auf ihre tägliche Runde Weidegang. Ich handhabe es so, dass ich morgens zunächst alle Heuraufen und -netze auffülle. Die Pferde fressen sich satt. Inzwischen kann der Tau auf dem Gras abtrocknen. Nachmittags geht’s dann raus auf die Weide für ca. 3 Stunden. Ich habe ein einziges Mal in meinem Leben eine Kolik bei meinem Pony Schecki gehabt, weil sie heißhungrig morgens auf die feuchte Weide kam. Sie hatte eine Gaskolik. Es ging in der Klinik um Leben und Tod. Seitdem habe ich es mir zur Regel gemacht, die Pferde mit einem gut gefüllten Heubauch auf die Weide zu schicken – idealerweise wenn der Tau weggetrocknet ist, denn: „Tauhüten ist Tothüten“. Diese Regel habe ich von einem alten Schäfer gelernt.

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Die Herde auf der oberen Weide. Sie ist die größte der drei Weiden innerhalb des Trails.

18. Juni 2014

Abendstunde auf dem Paddocktrail. Die Herde war heute den ganzen Tag auf dem Trail unterwegs. Der Stallbereich lag verwaist. Lediglich um Wasser zu trinken, kehrten die Pferde zum Stall zurück. Auch Banner und Falco, die sich sonst gern auf dem Reitplatz aufhalten, dösen, Stroh fressen, gingen heute auf Wanderschaft.

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SO wünscht sich das jeder Paddocktrail-Besitzer: die Herde wandert.

 

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Anton (vorn) ist deutlich entspannt. Niemand macht ihm „seine“ Stute Wilma (2.v. vorn) streitig.

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Allerdings hat Bandit, Herdenchef der „3er-Herde“, das Geschehen genau im Blick.

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Und das freut mich ganz besonders: Schecki, mein Hufrehe-Pony ist wieder mobil und war ebenfalls den ganzen Tag „on Tour“.

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Dieses Bild – gemächlich wandernde Pferde von Ferne auf dem Trail – ist immer wieder schön.

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Banner und Falco auf dem Weg zu ihrem Lieblingsplatz: …

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… dem Plateau oberhalb vom Reitplatz. Hier hat sich Bandit hinzugesellt.

16. Juni 2014

Morgenstunde auf dem Paddocktrail. Fast hätte ich es geschafft, das Liebespaar Wilma und Anton beide liegend, schlafend auf dem Reitplatz abzulichten. Aber ich war 10 Sekunden zu spät dran und Wilma hat mich entdeckt.

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Wilma und Anton – morgens um 6 Uhr.

14. Juni 2014

Die Rangordnung ist für’s Erste geklärt. Nach einem Tag des gegenseitigen Beobachtens und In-die-Schranken-Weisens waren, als ich heute Morgen um 5 h aus dem Schlafzimmerfenster schaute, alle Pferde auf dem Trail. Das blieb eigentlich den ganzen Tag so. Zwei zusätzliche Heunetze sorgen dafür, dass sich die drei Pferdegruppen, die sich gebildet haben, aus dem Weg gehen können. Interessant war für mich, wie sich im Lauf dieses zweiten Tages die drei Gruppen immer mehr annäherten und untereinander mit Wiehern den Kontakt hielten. „Wo seid ihr“? Man behält sich im Blick. Nachdem heute Nachmittag das Heu eingebracht war, gingen alle Pferde plus zwei „Außerirdische“ gemeinsam auf die Weide.

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Das erste Mal gemeinsam auf der Weide.

Als es nach der Weidezeit zurück auf den Trail ging, haben mir Sanso, Dickmann und Fin das „Einsammeln“ der Pferde sehr leicht gemacht. Das Halfter, das ich mitgenommen hatte, kam nicht zum Einsatz. Der kleine Sanso ging vorweg, um meine abendliche Heu-Verteil-Runde wie üblich zu verfolgen und „schwupps“ waren auch alle anderen Pferde aus dem Weidetor raus wieder auf dem Trail. Das war einfach!

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Fin – natürlich als Erster an der Heu-Schubkarre.

13. Juni 2014

Drei neue Pferde sind angekommen – eine kleine Herde, die sich bereits kannte. Herzlich willkommen Bandit, Banner und Falco.

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Die drei Neuen (v.li.) Bandit (Painthorse), Banner (Quarterhorse) und Falco (Araber-Partbred) – auf erhöhtem Beobachtungsposten.

Mit diesem Trio wird’s auf dem Teut richtig bunt. Schimmel, Rappe, Falbe, Dunkelfuchs, Brauner, SchwarzSchecke, FuchsSchecke – was für eine schöne Herde!

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Die Drei auf ihrer ersten Solo-Kennenlern-Runde auf dem Trail – natürlich im Galopp.

Es gibt aber nicht nur (fast) alle Farben, sondern auch Größen. Vom 1,70-Meter-Pferd bis zum 85-Zentimeter-Pony.

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Banners erster Kontakt mit den „Außerirdischen“: Pony Sanso.

Der zweite „Zwerg“ lässt wie immer den Herren der Schöpfung den Vortritt bei der Begrüßung:

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Schecki schaut erst einmal aus dem sicheren Stall, was so passiert.

 

12. Juni 2014

Heute war der Tag der Spendenübergabe. 160 Euro gingen an das Tierheim Detmold. Vereinsvorsitzender Christopher Imig bekam einen ganzen Batzen 5- und 10 Euro-Scheine in die Hand – sozusagen noch „warm“ aus der Spendenbox vom Tag der Offenen Tür. Das Tierheim – dahinter steht der Verein Tierschutz der Tat e.V. – sagt „DANKE“. Bei 50.000 Euro jährlichen Kosten allein für tierärztliche Behandlungen und Medikamente – plus Futter-, Personal-, Etcetera-Ausgaben – wird klar, dass Spenden überlebensnotwendig für den Verein sind. Verwendet wird diese Spende vermutlich für eine Operation.

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Spendenübergabe im Tierheim Detmold. Vereinsvorsitzender Christopher Imig und Hündin „Leyla“ sagen „DANKE“. (Foto: Tierheim Detmold)

Im Tierheim leben derzeit 135 Katzen, 5 Kaninchen und 19 Hunde – einer, oder besser eine, Staffordshire-Hündin „Leyla“ musste mit auf’s Foto. Schwanzwedelnd kam sie auf uns zu und legte sich uns gleich dekorativ zu Füßen. Leyla ist nur ein Einzelschicksal von vielen Tieren in der Obhut des Tierheims, das für 7 lippische Kommunen die Aufgabe eines „Fundbüros“ für Tiere übernimmt und Fundtiere – „das sind die meisten, die hier bei uns landen“, so Imig – aufnimmt. Leyla wurde vom Veterinäramt Lippe aus einer illegalen Haltung in Detmold zusammen mit ihren 8 Welpen beschlagnahmt. „Wir haben ihre Welpen großgezogen und alle gut vermittelt“, freut sich Imig. Nur für Leyla, die nun schon 6 Jahre im Tierheim ist, fand sich noch kein Zuhause. Als „Kampfhund“ verschrien, haben es Rassen wie Staffordshire-, Pitbull-, oder Bull-Terrier in der Vermittlung immer sehr schwer – vor allem, wenn die Hunde, wie Leyla, bereits ausgewachsen sind.

„Aber wer einmal das freundliche, menschenbezogene und vor allem auch kinderfreundliche Wesen dieser Hunde kennengelernt hat, ist ihrem Charme erlegen“, weiß Christopher Imig, der selbst einen „Kampfhund“ aus dem Detmolder Tierheim besitzt. „Frieda“, die Pibull-Terrier-Hündin ist bereits sein zweiter „Listenhund“.

Imig: „Es ist traurig, welch einer medialen Hetzjagd diese Hunde ausgesetzt sind seit dem Vorkommnis in Hamburg, wo zwei von ihrem Besitzer scharf abgerichtete Hunde ein Kind töteten. Die Hunde selbst sind einfach nur freundlich“. Für „Leyla“ hofft er auf nette neue Menschen. Wer Interesse hat, wendet sich an das Tierheim Detmold unter www.tierheimdetmold.de.

9. Juni 2014

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Am Zaun herrscht Gedränge, sowohl im Lager der

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Zweibeiner

als auch auf Seiten der

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Vierbeiner

Alle wollen SIE sehen – und sie ist sich dessen ganz offensichtlich bewusst:

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WILMA – noch ein wenig gestresst von der Anreise.

Wilma ist das zweite Gastpferd, eine Hannoveraner-Rapp-Stute. Sie zog heute Mittag ein. Was für eine Schönheit! Mit einem Stockmaß von real 1,70 m ging sie – als sie es Zwei- und Vierbeiner auf der anderen Zaunseite mal so richtig zeigen wollte – für gefühlte 2 m durch.

Aber kaum dass die anderen Pferde wieder mit auf denTrail durften, den Wilma mit ihrer Besitzerin Kerstin zunächst allein erkundete, war Ruhe. Mit gesenktem Hals, im Schritt, wanderte die Herde gemeinsam, vollkommen ohne Gezicke: das übliche Bild. Es ist wirklich erstaunlich, wie schnell Pferde auf dem Paddocktrail in eine bestehende Herde integriert werden können. Weil es keine Sackgassen, Ecken oder Kanten gibt, sondern einen dauernden Endlos-Rundlauf und der Stressabbau für Pferde über dauerhaftes Wandern funktioniert, kommt der Neuankömmling sehr schnell wieder runter auf „Normalniveau“. Auch Wilmas Aufnahme im Paddocktrail lief stressfrei ab.

8. Juni 2014

9 Uhr – Pfingstsonntag. Der erste gemeinsame Ausritt mit Elke und Anton. Wir haben das angrenzende Klosterholz erkundet.

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Satteln: Anton und Dickmann mit Elke, die alle Hände voll zu tun hat die Beiden mit Blick zur Kamera zu positionieren.

Die kleine Eingewöhnungsrunde verlief sehr entspannt. Dickmann und Anton sind ja auch zwei alte Hasen.

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Elke und Anton – unscharf, weil’s so gewackelt hat.

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Endlich bin ich auch mal auf einem Foto drauf mit meinem Seelenpferd Dickmann.

6. Juni 2014

Strahlend blauer Himmel, gute Aussichten für die nächsten Tage – das kann nur eins bedeuten: Heu-Wetter. Heute wurden meine Wiesen gemäht. Die drei Stücke innerhalb des Paddocktrails erforderten einiges an Geschick vom Trecker-Fahrer. Aber es hat gut funktioniert. Jetzt heißt es „Daumen drücken“, dass das Wetter hält.

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Heu-Wetter!!!

3. Juni 2014

Paßt, wackelt und hat Luft: das 1,70 Meter-Pferd Anton im alten Stall. Schon gestern Nachmittag ging er wie selbstverständlich an die Tränke. Heute Morgen standen alle drei großen Pferde zusammen im Stall. Völlig entspannt. Einfach schön!

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Anton im Stall. Mal schauen, was in Fins Krippe zu finden ist. Damit sich der Neuling besser zurecht findet, habe ich die Streifenvorhänge zur Seite genommen.

2. Juni 2014

Das erste Gastpferd ist eingezogen. Herzlich willkommen, Anton! Wie geplant hatte ich für den Neuankömmlung den Reitplatz abgesperrt. So konnte Anton über den Zaun schon einmal Kontakt knüpfen. Das lief alles so entspannt, dass wir gemeinsam beschlossen haben, nicht die angepeilte Stufen-Eingewöhnung – 1-2 Stunden Reitplatz, dann restliche Herde auf Weide mit Neuankömmlung auf dem Trail und dann alle zusammen – abzuwarten. Anton durfte gleich in die Herde. Gemeinsam machten sich die großen Pferde sofort daran – Anton vorweg – den Trail abzulaufen. Shetlandpony Sanso ging ein Stückchen mit, hatte dann aber keine Lust mehr. Schecki, die einzige Dame, hatte keine Zeit für Begrüßungsrituale – und überhaupt … die Männer sollen das erst einmal unter sich klären. Die Heukiste war für sie viel interessanter. So harmonisch habe ich selten eine Herden-Zusammenführung erlebt. Schon nach wenigen Minuten wälzte sich Anton im Sand auf dem mittleren Platz im Trail und meine beiden Großen standen drumrum. Besser kann es nicht gehen!

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Herzlich willkommen, Anton!

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Unterwegs auf dem Trail – so schnell kann Integration bei Pferden funktionieren. Im gemächlichen Schritt erkundet Anton sein neues Territorium. Kein Rennen, kein Schlagen, kein Beißen, sondern gemeinsames Wandern Runde um Runde.

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Das übliche Bild im Paddocktrail: die Pferde sind unterwegs.

 

1. Juni 2014

23.15 Uhr abends. War das schön heute! Ich freue mich, dass so viele Menschen zum Tag der Offenen Tür gekommen sind. Die ganze Straße war zugeparkt. Immer wieder kamen neue Besucher. Es gab keine einzige Minute Leerlauf. Meine beiden Helferinnen in der Küche hatten alle Hände voll zu tun und sorgten ständig für Nachschub an Kaffee, Kuchen, Würstchen, Salaten. Vielen Dank Euch Beiden. Sicherlich mehr als 100 Besucher sind an diesem Tag über den Trail gewandert – mit mir in einer der vielen Führungen oder allein oder in selbst gewählten Gruppen. Es kamen sogar Besucher aus dem 180 Kilometer entfernten Breckerfeld bei Dortmund, um sich vom Paddocktrail Alverdissen Ideen für ihren eigenen, gerade im Bau befindlichen Paddocktrail für ingesamt 27 Pferde in Pensionshaltung zu holen. Die Züchterin von Fin war mit Familie und Freunden aus der Lüneburger Heide angereist. Freunde aus Niedersachsen, Detmold, Nachbarn, Reiterkollegen, Einsteller und viele, viele Menschen, die ich bislang nicht kannte, aber die schnell miteinander ins Gespräch kamen, bevölkerten Hof und Trail. Es war eine schöne und entspannte Atmosphäre. Zwischendrin meine Pferde.  Ich habe den Tag sehr genossen und ich finde es toll, dass diese Form der Pferdehaltung so großes Interesse weckt. Am Ende des Tages gab es noch eine schöne Überraschung. In der Spendenbox für Speisen und Getränke kamen nach einem ersten Kassensturz mehr als 150 Euro zusammen. Nach Besuchervotum – das übrigens sehr knapp ausfiel – geht das Geld an das Tierheim in Detmold. Hier einige Impressionen des Tages:

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9 Uhr morgens: die Ruhe vor dem Sturm.

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Kerstin Vieregge (3.v.re., stellv. Landrätin, CDU-Kreisvorsitzende) nach der offiziellen Eröffnung auf der ersten Runde über den Trail mit Klaus Nolting (2.v.re. CDU-Gemeindeverbandsvors. Dörentrup) und Klaus Röhl (re., Fraktionsvors. Bündnis 90/Grüne Barntrup). (Foto: Kathrin Laffin-Schmid)

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Auf geht’s zu einer weiteren Führung über den Trail.

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Referent: Schmied Stefan Büscher aus Kalletal.

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Referentin: Tierheilpraktikerin Dagmar Mönnig aus Alverdissen.

26. Mai 2014

Nach der Abendrunde … „Gute Nacht, Freunde“ …

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Etwas gemogelt: das Bild ist von Anfang Mai – und wiederholt sich seitdem jeden Tag. Abendzeit ist Trailzeit.

25. Mai 2014

…. mit gefühlten 25 Grad C im Schatten. Der Trail lockt wenig bei der Hitze -zumal es in der Eingewöhnungszeit zusätzlich zum Heu in den Außen-Heuraufen noch ein Heu-Stroh-Gemisch im Stall gibt. Ich mische diesem immer mehr Stroh bei, um den Pferden das reine Heu in den Draußen-Raufen auf dem Trail schmackhaft zu machen. Aber bei solchen Temperaturen, wenn die Wahl heißt „schwitzen oder zupfen“, entscheiden sich meine Pferde für Letzteres und suchen noch die kleinsten Halme Heu aus dem Gemisch – zumindest in der heißesten Zeit des Tages. Wenn es aber heißt „Komm, Komm“ und ich vorgehe in Richtung Weide, dann kommt Bewegung in die kleine Herde. Die Pferde wissen genau, dass es Zeit für den täglichen Weidegang ist. Es ist erstaunlich zu sehen, wie gut sie sich schon an den veränderten Tagesablauf nach Öffnung des Trail gewöhnt haben. Bereits jetzt sind bestimmte Dinge, wie auch im vorherigen Post beschrieben, Routine. Trotz letzter Bauarbeiten mit Sägen, Bohren, Hämmern und demnächst noch einem Minibagger-Einsatz ist Ruhe eingekehrt. Ruhe bedeutet Sicherheit.  Immer gleiche Routinen im täglichen Ablauf wissen Pferde sehr zu schätzen.

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Ab auf die Weide: Dickmann vorne weg

 

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Fingall hinterher

 

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und dann: einträchtiges Grasen.

23. Mai 2014

Eine knappe Woche sind die Pferde jetzt auf dem Trail. Der fleißigste Wanderer ist der kleine Sanso. Er ist fast den ganzen Tag auf den Wegen unterwegs. Ob die Anderen mitkommen, ist ihm ziemlich egal. Er zieht seine Runden. Schecki, seine Stallkollegin, ist immer noch gehandicapt durch ihre leider zum Dauerthema gewordene Hufrehe – zum Glück abklingend. Dickmann und Fingall gehen stets gemeinsam los. Für beide beginnt der Tag mit einem Heu-Frühstück. Es folgt ein ausgedehntes Nickerchen im Stall – lang ausgestreckt, wohlig grunzend. Wenn es am späten Vormittag nicht zu heiß ist, ziehen sie wieder los. Die Wanderungen dauern oftmals mehrere Stunden mit ausgiebigem Aufenthalt am Lieblingsplatz: unterhalb des kleinen Wäldchens. Hier wälzen sich die Pferde, stehen, dösen, haben dabei alles im Blick und ein schattiges Plätzchen. Ein Muß für alle ist zum Abschluss eines jeden Tages die gemeinsame Abendrunde:

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Unterwegs mit Blick auf das weite Land.

21. Mai 2014

Vier Tage weder Telefon noch Internet. Zwangs-Urlaub am Schreibtisch. Aber jetzt …

Es ist viel passiert in der Zeit. Das Wichtigste und Schönste und der Lohn der ganzen Arbeit: die Pferde sind seit Samstag auf dem gesamten Trail unterwegs. Am Samstagnachmittag war es soweit. Die letzten Schranken fielen und die Pferde machten die erste Runde im Galopp. Die Ponies rechts rum; Dickmann und Fingall links rum, Treffen in der Mitte und dann gemeinsam weiter. Es ist so ein Glück, die Pferde so zu sehen. Mittlerweile, am dritten Tag nach Öffnung, sehe ich meine Pferde – außer bei Mittagshitze – kaum noch im Stall. Gemächlich ziehen sie Runde um Runde. Wir alle sind sehr glücklich!!!

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Fingall auf seiner ersten flotten Runde über den Trail.

 

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Schecki und Dickmann genießen den Riesen-Auslauf.

 

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Sanso, der kleine Mann, berghoch unterwegs zum „Wäldchen-Weg“.

13. Mai 2014

Und irgendwas fehlt immer – in diesem Fall das Material für die zwei von mir zusätzlich vorgesehenen Pfosten an der Rückwand im neuen Stall. Einkaufsliste von heute: 1 x Schlauchwasserwaage, 2 x Estrichbeton im 40kg-Sack, 2 x H-Pfosten-Anker 14,1 cm, 4 x Sechskantschrauben 10 x 160 mm und 2 x Eichen-Massivholz-Pfosten 14 x 14 cm … und jetzt kommt’s – 2,50 Meter lang und SCHWER. Posten 1 bis 4 passten problemlos in den Kofferraum. Bei Posten Nummer 5 musste etwas improvisiert werden …

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12. Mai 2014

14.30 Uhr – der neue Pferdestall ist da. Ein 40 Tonner, 20 Meter lang hat die Einzelteile für den Stall an Bord. Jetzt geht’s an den Aufbau. Ich freue mich schon auf das nächste Richtfest.

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9. Mai 2014

Heute war der „Danke Sabine“-Tag. Sabine – selbst Reiterin und Pferdehalterin – hat eine Fortbildung beim Elektrozaun-Hersteller Horizont besucht. Sie hat das Material für die Zäune im Paddocktrail zusammengestellt, dafür zwei dicke Kataloge gewälzt und ich erfuhr, was man alles so braucht für eine derart komplexe Zaunanlage. Isolatoren anschrauben, Seil und Litze einhängen – das war Elektrozaunbau für Dummies – und bereits seit geraumer Zeit erledigt. Nun ging es ans „Eingemachte“: Tore, Erdkabelverbindungen unterhalb der Wege, Ecken, drei verschiedene Stromkreise. Der Paddocktrail soll immer Strom haben; der Reitplatz muss separat zu schalten sein, damit bei Benutzung der Strom ausgeschaltet werden kann und die angrenzende Ziegenweide unterliegt sowieso Alcatraz-Standards. Viele kleine Schachteln mit Röllchen, Ösen, Schiebern, Platten im Plastikgehäuse lagen bereit. Alle diese seltsamen Puzzle-Teile warteten auf ihren Einbau in die Elektrozaunanlage. Ich kann nur staunen wie Sabine aus dem Inhalt dreier Kästchen ein Tor aus Elektro-Elastik-Seil gebaut hat – ein Material, das sowohl mir als auch dem Elektriker bis dato völlig unbekannt war.

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4 Meter-Tor zur unteren Weide mit Elektro-Elastik-Seil.

Das Seil ist genial. Gespannt deckt es die gesamte  Torbreite von knapp vier Metern ab. Hakt man die Torgriffe aus, macht sich das Seil ganz klein. Keine Schlingen, keine Verletzungsgefahr. Weil die äußere Hülle nicht leitet, können die Seile bei geöffnetem Tor an einem Haken am Pfeiler einfach eingehängt werden.

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Auf solche Lösungen muss man erst einmal kommen: Rolle mit Elektro-Elastik-Seil am Tor.

Die Flexgate-Tore bieten ähnliches, sind aber um ein Vielfaches teurer. Ich bin begeistert. Leider wurden wir zum Schluss wieder einmal richtig naß. Der Himmel gab alles: Hagel, Regen, Sturm. Wir mussten die Arbeit unterbrechen. Nächste Woche geht’s weiter. „Einen Vormittag brauchen wir noch“, schätzt Sabine. Das wird dann der zweite „Danke Sabine“-Tag.

3. Mai 2014

Ein herrlicher Tag! Drei Monate habe ich auf diesen Moment hingearbeitet – an Schreibtisch und Schubkarre. Heute durften die Pferde zum ersten Mal auf den Trail. Der erste kleine Rundlauf wurde geöffnet. Leuchtende Augen: bei Vierbeinern und Zweibeinern. Zunächst ging Chef „Dickmann“ ganz vorsichtig zum Aufgang.

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Nanu, da ist ja offen.

Ein kurzes Zögern, Verstärkung holen. Als sich auch Fin und Sanso am Aufgang vom Trail versammelt hatten, wagte es „Dickmann“.

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Im Trab den Berg hoch.

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Fingall sofort hinterher.

Sanso, der kleine Mann, als Dritter:

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Jetzt aber schnell.

Schecki, die Vierte im Bunde, hatte die Neuigkeiten noch gar nicht bemerkt. Nachdem ich ihr den Aufgang gezeigt hatte, lief sie in der zweiten Runde mit.

Der spätere Teich war besonders interessant. Rein, raus, rauf, runter ging es durch die Senke.

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Fingall testet die Brombeer-Ranken am Teich.

Pferde, die zufrieden über ihre Welt schauen.

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Bei dem Anblick geht mein Herz auf.

Dieser Tag hat alle glücklich gemacht.und er endete mit einem grandiosen Sonnenuntergang …

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1. Mai 2014

Begehung des Paddocktrail mit Dr. Klaus Steinheider NABU Lippe.  Thema „Giftpflanzen für Pferde“. 1,2 Hektar Fläche sind groß; das kleine Wäldchen im Trail sehr dekorativ und unbedingt erhaltenswert; die Sträucher und Bäume an der Süd-Ost-Grenze des Trail ökologisch sinnvoll und ein Vogelparadies. Dennoch geht das Wohl der Pferde vor. Ich wollte daher auf  „Nummer Sicher“ gehen und vom NABU-Fachmann wissen, ob irgendwo auf dem Areal Giftpflanzen wachsen. Ergebnis: vielseitige Vegetation im Wäldchen mit Wildkirsche, Buche, Holunder – gut gegen Stechmücken und andere Plagegeister -,  wilder Heckenrose, Weißdorn, Sanddorn, Brombeere. Alle diese Pflanzen sind ungiftig. Eine Rote Heckenkirsche, die mitten im Wäldchen steht, wird heute – tut mir als Pflanzenfreund weh, aber geht nicht anders – eliminiert. Sie enthält Bitterstoffe, wird daher vermutlich nicht gefressen, ist durch einen Zaun vom Trail getrennt, sowieso nur in großen Mengen schwach giftig. Dennoch: sie muss weichen. An der Süd-Ost-Grenze des Trail hat der Nachbar seine wuchernde Ligusterhecke bereits vor zwei Wochen komplett entfernt. Prima. Nun wird der Elektriker noch dafür sorgen, dass der Strom so fließt, wie er soll und dann heißt es: Freie Fahrt für freie Pferde!

 

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Weißdorn schmeichelt Wildkirsche. Das Wäldchen im Trail.

26. April 2014

„Guck mal, da läuft ein Dach über Deine Weide“!

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Stimmt! Wo will es wohl hin? Nachdem es sich über den Anstieg vom Reitplatz zum Trail gekämpft hat, steuerte es direkt auf die Heuraufen zu. Das Ganze sechs Mal und am Abend des heutigen Tages sah das Ergebnis dann so aus:

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Richtig schick!

24. April 2014

50, 90, 140 cm – Kordel, Holzbrett, Elektroband. Nach mehreren Hundert Metern Zaunbau haben wir den Rhythmus langsam drin. Die Einzäunung der Wege auf dem oberen Trail ist fast komplett. Das Dach für die Heuraufen ist auch heute angekommen. Die Pfostenanker für den Stall sind betoniert. Arbeit an vielen Fronten. Oh, wie ich mich auf den Tag freue, an dem die Pferde endlich auch diesen Ausblick über den Trail haben:

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19. April 2014

Und wieder ein Stück weiter. 14 Löcher für die Fundamente des neuen Pferdestalls sind gebohrt. Ich hatte schlimmste Befürchtungen, weil ich den Boden gut kenne. Wir sind hier auf dem Teut „steinreich“. Für 5 Zaunlöcher hatte ich seinerzeit einen ganzen Tag benötigt. Heute standen 14 Löcher, 80 cm tief auf dem Plan. Wie gut, dass der große, blaue Traktor engagiert war. In 1,5 Stunden war der Spuk vorbei. Ich weiß jetzt, was ich mir zu Weihnachten wünsche …

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18. April 2014

Ich habe gerade einen Artikel gefunden, der mir aus dem Herzen spricht zum Thema „Magengeschwüre bei Pferden“ … und sogar noch etwas gelernt. Ich dachte bislang, dass es zur Vermeidung von Magengeschwüren um die Futteraufnahme geht (also dauerhaft Futter, was bei leichtfuttrigen Pferden schnell zu Übergewicht führt). JEIN, musste ich gerade lesen: es geht auch um’s Kauen. Beim Kauen wird neutralisierende Lauge erstellt. Der Pferdemagen – auf dauerhafte Futteraufnahme eingerichtet produziert ständig, unabhängig davon, ob es etwas zu verdauen gibt oder nicht – Magensäure. Gibt es nichts zu verdauen und wird die Magensäure nicht durch Lauge neutralisiert, kommt es zu schmerzhaften Magengeschwüren – unbemerkt, denn ein Pferd klagt nicht.

Nach ihrer Rundreise durch Pensionspferdeställe kommt die Autorin des Artikels zu folgendem Fazit: Viele Pferdebesitzer haben wenig Einfluss auf die Fütterung. Das übernehmen Pensionsstallbetreiber. Diese denken leider oft genug mehr an die Rentabilität, als an die Gesunderhaltung ihrer Schützlinge. Der Dienstleistungssektor Pferdestall ist… diplomatisch ausgedrückt…oft ausbaufähig.

Hier im Paddocktrail Alverdissen ist das anders. Es gibt 24 Stunden Rauhfutter – an unterschiedlichen Futterstellen. Mit Heunetzen und Gitterstabmatten wird die Heuaufnahme verzögert. So werden die Pferde zum Zupfen, Kauen und damit Speicheln angeregt.

Für alle, die mehr lesen wollen, hier der Link zum Artikel: http://www.equimondi.de/magazin/pferdegesundheit/pferdekrankheiten/103-magengeschwuere/152-magengeschwuere

16. April 2014

Aktion im Pferde-Paddock: der neue Stall wurde eingemessen. „Abwinkeln“ nannte das der Architekt. In der Praxis hetzten 3 Leute von links nach rechts und zurück mit dem Bandmaß in der Hand. Hier 11,90 Meter, dort 4 Meter, dort 3 Meter, ergibt in der Diagonalen … Satz des Pythagoras??? … Nein, ich bin Schreiberling und bei solch technischen Dingen nur für Handlanger-Tätigkeiten zu gebrauchen. Daher fielen mir Aufgaben zu wie Tasche halten, Bandmaß aufrollen, Unmengen an Holz, Pflöcken und Brettern sowie Maurerschnur, Akku-Schrauber und ähnliches mehr ranschaffen. Aber den „Nück“ (gängiges Wort unter Lippischen Maurern für einen speziellen Knoten) habe ich dann doch hinbekommen. Im Endeffekt steht nun ein Gerüst aus Brettern und Schnüren im rechten Winkel und den Ausmaßen vom neuen Stall. Derjenige unter uns, der eine Zeichnung lesen kann, weiß nun genau, wo die 40 cm-Durchmesser-Löcher für die Stallfundamente gebohrt werden müssen.

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Nivelliergerät im Pferdepaddock –
der neue Stall wird eingemessen.

15. April 2014

Ich träume bald von Haufen: den großen, den kleinen und den ganz großen … den wir heute weggeschaufelt haben. Mal sind es Sandhaufen (am Wochenende). Heute waren es Hackschnitzel von der guten deutschen Eiche. Sie wurden zehn Zentimeter dick auf dem langen Weg an der Ostseite des Trails verteilt. Zwar waren sie leichter als Sand aber die Tücke lag im Detail: diese Dinger wollten einfach nicht auf die Schaufel. Sie knubbelten sich zusammen und erst mit Hilfe von Händen und Füßen ließen sie sich aufladen. Aber auch das ist geschafft.

 

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Hackschnitzel verteilen – die Erste. Am Donnerstag kommt Nachschub.

12. April 2014

Die Dächer für die Heuraufen sind bestellt; Isolatoren und Bänder für die Zäune kommen Mittwoch; die Pfostenanker für den Stall sind bereits angekommen. Es gibt viel zu tun. Heute stand das Verfüllen der Ecoraster um die Draußen-Heuraufen auf dem Arbeitsplan.

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Ecorasten verfüllen – viele kleine Sandhäufchen werden eingefegt.

 

Eigentlich sollte die Arbeit im „Wellness-Bereich“ bleiben, aber dann hat uns der Ehrgeiz gepackt und abends waren rund 150 Quadratmeter Ecoraster mit Sand verfüllt. Geschafft!!!

Und zwischendurch war auch noch Zeit, die herrliche Kirschblüte am Trail zu genießen.

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Frühling!!!

 

5. April 2014

Heute haben wir „Meter“ gemacht – genauer gesagt 120 Meter Zaun an der Nordseite des Paddocktrail (s.unten) und noch nicht nachgemessene Meter an der Ostseite hinter den beiden Außen-Heuraufen. Das Ergebnis:

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Heufutterplatz in Sicht – nur noch 120 Meter!

Das obige Foto wurde von der Westseite aufgenommen, vom Aufgang zum Trail. Also, wenn ich Pferd wäre, würde ich mich auch auf den Weg machen zu dem Gebilde da oben am Horizont – schon allein aus Neugier. Und wenn es dann dort noch etwas zu fressen gibt, ist die Welt in Ordnung. Ach ja, der Aufgang zum Trail – da war noch was …

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Der Job ist klar, oder?

3. April 2014

Mensch gegen Maschine? Nein.
Dieser High-Tech-Radlader ersetzt gefühlte Tausend Schubkarren.
Der Sand auf dem Trail ist nahezu verteilt.

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2. April 2014

Wir können das erste Richtfest feiern. Bei einer der beiden Außen-Heukisten auf dem Trail wurde heute die Dachkonstruktion fertig. Wie war das noch mit Hillebille – diesem lippischen Brauch? Der Bauherr – in diesem Falle die Baufrau – und die Handwerker, allen voran die Zimmerleute, sagen Sprüche auf und schlagen mit Hammer und Axt im Takt. Anschließend wird mit einem kräftigen „Hoch“ auf das neue Haus und sein langes Leben angestoßen.

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Die Außenheukiste in den Maßen 1,50 x 2,50 Meter. Das Dach wird mit Blechdachziegeln gedeckt.

31. März 2014

Aktion in der Morgenstunde: 500 Quadratmeter Ecoraster-Paddockplatten werden geliefert. Zum Glück konnte ich den Fahrer überreden, die sieben Paletten ganz nahe am Trail abzuladen. Dazu musste er rückwärts auf den Reitplatz fahren.

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Das war eng. Aber alles ging gut.

Und wer lässt sich von dem gelb-blauen Ungetüm überhaupt nicht beim Frühstück stören?

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Dickmann (re.) und Fin – mittlerweile Baumaschinen- und LKW-erprobt.

28. März 2014

Sonne, Sonne, Sonne. Die ganze nächste Woche soll es trocken bleiben. SO war es bestellt. Am Montag wird daher ab 11 Uhr der Sand geliefert und auf die Wege gefahren. Ebenfalls am Montag kommen die Ecoraster-Paddockplatten. Gerade abgeladen wurden die noch fehlenden 8er-Recycling-Zaunpfähle. Die Jungs mit dem Radlader, der den Sand verteilt und dem Zaunbohrer stehen „Gewehr bei Fuß“. Habe ich noch was vergessen? Nein. Ich denke, wir sind arbeitsfähig.

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Morgensonne über dem Paddocktrail.

24. März 2014

Die Pfähle für die Einzäunung am Aufgang vom Reitplatz zum Trail sind gesetzt. Noch fehlen Holz und Litze und es hat eher wenig von einem Pferdezaun.

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Pferdezaun oder Riesen-Mikado?

23. März 2014

Sonntag. Und am siebten Tage sollst Du ruh’n … oder Löcher für Zaunpfähle bohren. Zumindest war das Wetter ordentlich und ich war perfekt ausgerüstet.

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Wichtige Utensilien beim Zaunbau:
Wasserwaage, Benzin für den Erdbohrer und Fachpersonal für die Bauaufsicht.

22. März 2014

Ein produktiver Tag:
mit dem Architekten wurde der neue Stall eingemessen (hoffentlich spielen die Pferde mit den Markierungen nicht Fußball); den Zaun am Reitplatz schon zu zwei Drittel wieder aufgebaut (damit die Pferde bald wieder ihren gewohnten Auslauf haben) und die drei „Drinnen-Heukisten“ sind auch (fast) fertig. Das „fast“ ist dem Regen geschuldet, der den Teut abends heimsuchte. Dabei hatten der LKW-Fahrer, der den Sand für die Wege liefern will und ich gestern ganz klar eine Bestellung beim Universum aufgegeben: 3 Tage Sonne, trocken und leichter Wind. Ich glaube, ich mach’s nochmal schriftlich.

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Die „Drinnen-Heukisten“ aus massiver Buche mit (fast) fertigem Verbiss-Schutz: jeweils 60 kg schwer und „Elefanten-tauglich“.

20. März 2014

Ich habe heute meine Baumwurzeln zu den ganz vielen anderen Baumwurzeln zu Veolia-Umweltservice in Humfeld zur Entsorgung  gebracht und den Betriebsleiter Torsten Grote gefragt, was damit passiert. Interessant, interessant. Die Baumwurzeln werden zunächst zerkleinert und dann z.B. als Filtermaterial für Abluftanlagen in Schlachthöfen eingesetzt – so nach dem Prinzip „Saline“: die zuvor angefeuchteten Dreckpartikel fangen sich an den feinen Wurzeln. Alternativ werden die geschredderten Baumwurzeln verheizt oder als Tretschicht auf z.B. einem Paddocktrail eingesetzt. Also, ihr Baumwurzeln, vielleicht sehen wir uns mal irgendwann wieder.

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19. März 2014

Warten auf trockenes Wetter – bevor es auf dem Trail mit den Bauarbeiten weitergehen kann.

14. März 2014

Nach einer Woche Baggerarbeiten sind alle Wege angelegt und der Schotter eingebaut. Am späten Nachmittag fährt zum krönenden Abschluss die Straßenbau-Walze dort schon mal Probe, wo bald die Pferde laufen werden: auf dem 520 Meter langen Paddocktrail.

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 Mutig … der steile Aufgang vom Paddock zum Trail.

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Freitagabend, 19 Uhr. Tschüss Walze. Der Unterbau ist fertig.

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11. März 2014

Heute war der große Häcksler da, hat die Äste zerkleinert und als Mulch auf dem Hang verteilt.

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Zeitgleich wird seit zwei Tagen gebaggert und der Mutterboden abgefahren. Noch diese Woche soll der Unterbau mit Schotter fertig werden. Der Paddocktrail nimmt langsam Form an.

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6. März 2014

Gut eine Woche Rodungsarbeiten sind vorbei. Die beiden Aufgänge vom Paddock zum Trail sind planiert und ich habe „Rücken“.

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Aber … freie Fahrt für den Bagger!

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