Pferd – Pferd

23. Juli 2014  – Wandern auf dem Paddocktrail

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Die 3er-Gruppe kommt von der Tränke am Stall zurück auf den Trail.

Nach knapp zwei Monaten Betrieb mit Beobachtung der Pferde hat sich herausgestellt, dass es bestimmte besonders intensive Wanderzeiten gibt:

  • nach dem Heu-Frühstück am Morgen gehen die Pferde abwechselnd in Gruppen zur Tränke am Stall und wandern anschließend mehr als den üblichen Weg zum nächsten Heunetz
  • nach der Weidezeit in den Abendstunden kommt richtig Leben in die Herde. Da geht es – kaum dass die Pferde von der Weide runter sind – im flotten Trab oder Galopp über den Trail. Es scheint fast, als ob sie sich den Trail zurückerobern. Die Pferdegruppen beobachten sich gegenseitig sehr genau. „Wer wandert als erstes Richtung Heuraufe? Schnell hinterher“. Oftmals drehen die Pferde dabei aus reiner Bewegungsfreude mehrere Runden.
  • in den frühen Morgenstunden. Das genieße ich besonders, denn ich kann das Schnauben der Pferde und die Schritte auf dem Trail vom Schlafzimmer aus hören. Einmal im Bett aufrichten, aus dem Fenster schauen: ah, da wandern sie, nahezu direkt vor meinem Fenster entlang. Herrlich! Das Leben IST ein Ponyhof!
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Wilma (vorn) und ihr Schatten Anton auf dem gleichen Weg, den die 3er-Gruppe zuvor beschritt.

Abgesehen von den oben beschriebenen „Rush-Hours“ ist den ganzen Tag über Bewegung in der Herde: kleinere Gänge von Heunetz zu Heunetz, immer gruppenweise. Bevorzugt bewegen sich die Pferde dabei in ruhigem, gleichmäßigen Schritt, in entspannter Kopf-Haltung – genau in der Gangart, für die viele Reiter kaum Geduld aufbringen, die jedoch für die Durchblutung und den Muskelauf- sowie Stressabbau so wichtig ist.

Die meisten Kilometer machen eindeutig die Mitglieder der 3er-Gruppe und das kleinste Pferd der Herde: Sanso. Wollte ich Plätze/Ränge nach Bewegungsfreude der Pferde vergeben, sie würden so aussehen:

  1. Platz:  Bandit (er ist ständig irgendwo auf Achse, oft allein, dann wieder auf dem Weg zu „seinen Leuten“)
  2. Platz: Shetlandpony „Sanso“ (stetig, stetig in kleinen Nähmaschinen-Schritten, macht der Kleinste und Älteste richtig Meter)
  3. Platz: Banner (er hängt sich oft an Bandit, seinen Chef – aber lässt es ruhiger und langsamer angehen)
  4. Platz: Falco (ja, er bleibt auch gern länger am Heunetz oder im Unterstand und lässt die anderen ihrer Wege ziehen)

Die „Rote Laterne“, den letzten Rang muss ich leider meinem Tinker „Fin“ verpassen. Er ist ein echter Energiesparer, der sich nur im äußersten Notfall oder unter Gruppenzwang – wenn alle anderen auch laufen – in Bewegung setzt.

25. Juni 2014

„Interessant. So was habe ich noch nie erlebt. Die Pferde unterhalten sich ja richtig“, erklärte mir heute Carmen, die sich derzeit um Anton kümmert. Anton hatte auf dem Sandplatz am Wäldchen gelegen. Wilma, seine geliebte Stute, brummelte „Kommste mit“ und zog los Richtung Stall zum Wasser trinken. Anton stand natürlich sofort auf, aber bevor er Wilma folgte, brummelte er der 3er-Gruppe zu, die am Heunetz direkt nebenan stand „Kommt Ihr auch mit“. Die Drei wiederum brummelten Dickmann und Fin zu, die an der benachbarten Heuraufe fraßen. Schließlich machten sich alle Pferde geschlossen auf den Weg zur Tränke. Carmen beschrieb die Kommunikation nicht als das übliche Wiehern, sondern tatsächlich als Abstimmung, die in eine gemeinsame Wanderung mündete. „Ich hatte richtig eine Gänsehaut“, sagte sie. Ach, ist das schön, Pferde so zu erleben!

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Kommunikation unter Pferden auf dem Paddocktrail. Die 3er-Gruppe (v.li.) Banner, Bandit und Falco schaut interessiert dem Zweispänner von Nachbar Klingenberg zu, der heute Abend unten auf der Straße entlangfuhr. (Foto: Yvonne Steinbock)

14. Juni 2014

Neun Pferde haben sich zu drei Gruppen zusammengeschlossen. Anton liebt seine Wilma – Gruppe 1. Meine Pferde – Gruppe 2. Die drei Neuankömmlinge als bereits vorher bestehende Herde – Gruppe 3. Die Shetties sind „Außerirdische“ und dürfen überall mitmischen. Innerhalb der drei Gruppen gibt es stets ein Pferd, das als „Chef“ versucht, die Herde zusammenzuhalten und möglichst von den anderen Gruppen zu separieren. Es gibt in jeder Gruppe aber auch das genaue Gegenteil, den „Sozialarbeiter“, der immer wieder versucht, Kontakt zu den anderen Gruppen aufzunehmen. Ich bin gespannt, wann die Gruppen-Grenzen aufweichen und die Pferde sich untereinander mischen.