Philosophie

Pferde gehören nicht hinter Mauern. (Ursula Bruns)

Seit rund dreißig Jahren halte ich Pferde in Eigenregie. Licht, Luft, Bewegung, Sozialkontakte, gutes Futter und ein enger Bezug zum Menschen sind mir sehr wichtig.

Im Juni 2000 zog ich auf den Teut in Barntrup-Alverdissen (Ostwestfalen-Lippe) in ein altes Bauernhaus. Seitdem stehen meine Pferde direkt am Haus.

Schon immer gab es einen Offenstall mit befestigtem Auslauf und große, am Hof gelegene Weiden.

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Ende 2013 konnte ich nach 13 Jahren als Pächterin endlich die beiden Weiden kaufen. Nun kann ich das verwirklichen, was ich mir für meine Pferde immer gewünscht habe: einen Paddocktrail.

Diese Art der Haltung ist noch relativ neu. Laut einer Recherche der österreichischen Pferdezeitung PferdPlus gibt es – Stand März 2014 – erst 40 Anlagen in ganz Deutschland, überwiegend privat ohne Pensionsbetrieb. Das Prinzip Paddocktrail ist entstanden aus der Beobachtung von Wildpferden. Der amerikanische Schmied Jaime Jackson, der als erster ein Buch über den Paddocktrail schrieb, erforschte Anfang der 80er Jahre die Ursache dafür, warum Wildpferde auffällig gesunde Hufe haben. Er folgte den Wanderungen von Mustangs durch Nevada und stellte einige Dinge fest, die er in das Prinzip Paddocktrail (bei ihm Paddock Paradise genannt) übernahm:

  • die Pferde wählen, obwohl sie die große Freiheit haben, für ihre Wanderungen stets die angestammten, immer gleichen Routen
  • die Pferde überwinden sehr trittsicher und ohne Schaden an den Hufen unwegsames, steiniges Gelände
  • die Pferde nehmen auf ihren Wanderungen ständig kleine Mengen Gras zu sich nehmen
  • die Pferde legen lange Strecken zu ihren Wasserstellen zurück

Hauspferde haben hierzulande eher wenig Wanderanreize. Entweder stehen sie in einer Box und werden zum Auslauf in die Reithalle oder auf einen Paddock oder auf die Weide gebracht oder sie leben in einem Offenstall, eine Haltungsform, die Dank der Freizeitreiterbewegung um Ursula Bruns in den 70er-Jahren aufkam. Die für Pferde so notwendigen Sozialkontakte untereinander finden bei der Boxenhaltung kaum oder nur sehr eingeschränkt statt. Im Offenstall ist das schon etwas anderes. Aber was die Bewegung betrifft, so finden Pferde auch in letzterer Haltung kaum Anreize, auf Wanderschaft zu gehen. Selbst wenn der Auslauf idealerweise matschfrei und groß ist, stellen Pferdebesitzer fest, dass ihre Tiere – einmal abgesehen von einigen Minuten ausgelassenen Tobens am Tag – die meiste Zeit „wie festgenagelt“ an der Heuraufe stehen.

Im Paddocktrail werden die Trails der Wildpferde durch um die Weiden angelegte, abgezäunte Wege nachgeahmt. Die Wege sollten zwischen drei und fünf Metern breit sein mit Ausweichmöglichkeiten an beliebten Stellen und an den Futterplätzen. Breitere Wege sind eher kontraproduktiv, denn sie regen die Pferde weniger zum Wandern an. Schmalere Wege sind ebenfalls zu vermeiden, damit sich Tiere auf dem Paddocktrail gefahrlos begegnen können.

Unterschiedliche Untergründe auf dem Trail (grober Schotter, grober Kies, Sand, Hackschnitzel, Paddockplatten, Waschbetonplatten oder der im Pferdebereich immer beliebter werdende gebrauchte, besandete Kunstrasen) verbessern auf Dauer die Hufqualität. Verschiedene natürliche Hindernisse wie Baumstämme, auf dem Weg verteilte größere Steine, Hügel, ein Folientunnel oder eine Wasserfurt bieten Abwechslung, schulen die Koordination und fördern das Selbstvertrauen der Pferde.

Auf dem Paddocktrail verteilt finden die Pferde überdachte Rauhfutterstellen und Minerallecksteine. Wie in den z.B. von der Laufstall Arbeitsgemeinschaft e.V. proklamierten und bewerteten Aktivställen, wird auch auf dem Paddocktrail das Wasser möglichst weit entfernt vom Rauhfutter angeboten. Das regt die Pferde zusätzlich zum Wandern an.

Beobachtungen der Pferde mittels Wildkameras und Messungen ihrer Aktivitäten durch GPS-Geräte haben gezeigt, dass Pferde auf dem Paddocktrail zwischen fünf und fünfzehn Kilometer pro Tag zurücklegen.

Wer mehr zur Haltungsform Paddocktrail lesen möchte, findet hier das erste deutschsprachige Buch zum Thema. Mit-Autorin ist Dr. Tanja Romanazzi, die den Pensionspferdebetrieb Gut Heinrichshof in den neuen Bundesländern von klassischer Boxenhaltung auf Offenstallkonzepte wie Aktivstall, Laufstall und zwei Paddocktrails umgestaltete. Ein Artikel über ihre Anlage in der Pferdezeitung Cavallo Ende 2012 hat mich seitdem nicht nicht mehr losgelassen. Diesen „Spielplatz für Pferde“, so der Titel des Artikels, wollte ich auch bauen. Dr. Romanazzzi hat mir mit der Planverfassung und Beratung im Vorfeld der Bauarbeiten sehr geholfen. Ganz herzlichen Dank dafür.

Der Paddocktrail Alverdissen

Der Paddocktrail Alverdissen besteht aus zwei Trails mit mehr als 500 Meter langen Wegen. Die Wege sind 3 Meter breit mit abgerundeten Ecken und Ausweichmöglichkeiten. Zunächst geht es einen Hang hinauf vom Stall mit angrenzendem Reitplatz zum Trail. Beim Aufgang können die Pferde zwischen zwei Wegen wählen. Dies gewährleistet, dass auch bei Nutzung des Reitplatzes Trail und Stall für die Pferde erreichbar bleiben.

Auf dem Trail gibt es unterschiedliche Bodenbeläge: Sand, Schotter, Paddockplatten – geplant sind Kiesel und Kunstrasen mit Sand. Zusätzlich sind Wälzstellen, Baumstämme sowie Kletterhänge angelegt. Mein persönliches Highlight wird einmal eine Plattform, die in der Nähe der Hofanlage über den Trailweg gebaut werden soll – wenn sie denn hoffentlich genehmigt wird. Sie soll den Menschen als Aussichtspunkt und den Pferden gleichzeitig als überdachte Heuraufe dienen.

Auf den Rundwegen verteilt sind drei überdachte Heufutterstellen sowie ein Heunetz. Die Pferde haben 24 Stunden täglich Zugang zu Heu und Stroh. Heunetze und –gitter sorgen für eine langsame Futteraufnahme. Die Kraftfuttergabe durch die Einsteller erfolgt in den Unterständen, die für diese Zeit mit Flexgate-Toren geschlossen werden können oder außerhalb der Anlage auf dem Putzplatz. So können auch rangniedere Tiere in Ruhe ihre Futterration fressen. Im Stalltrakt sind drei heizbare Tränken installiert.

Innerhalb des Trails liegen drei Weideflächen, die im Wechsel für die Pferde geöffnet werden. Weidezeiten nach Absprache. Eine 24h-Dauerweide ist im Paddocktrail-Prinzip nicht vorgesehen.

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Ursula Bruns und ich bei einem Interview im Jahr 1999 in Reken. (Foto: Dr. Werner Popken)